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In SUPERillu erinnert sich die Tochter von Herbert Roth an den Musiker
A. Wetzel/SUPERillu
Interview mit der Tochter Kath
Mein Papa Herbert Roth

Am 14. Dezember wäre der Vater der volkstümlichen Musik in Thüringen 80 Jahre geworden. Seine Tochter Kathrin Roth erinnert sich an ihn

Redaktion
on 26. Mai 2017

Papa ist jeden Tag bei mir. Als Mutti krank wurde, bin ich in mein Elternhaus gezogen. Sein Bild hängt hier im Flur. Wir schauen uns an, begrüßen uns morgens. Wenn ich zu Veranstaltungen fahre, verabschiede ich mich. „Wünsch’ mir Glück, Papa. Gute Fahrt.“ Das ist mir sehr wichtig. Ich muss mit ihm sprechen. Dann habe ich das Gefühl, er ist bei mir.

Der Verlust

Papa hat mir immer Halt gegeben. Als er am 17. Oktober 1983 die Augen schloss, war das nach der langen Qual für ihn eine Erlösung. An dem Tag habe ich mein Akkordeon zur Seite gestellt und nie mehr angefasst. Damals hätte ich am liebsten die Musik aufgeben und ein Friseurgeschäft eröffnet. Wir standen immer gemeinsam auf der Bühne. Ohne ihn fühlte ich mich verloren. Es fehlte der Mensch, der immer für mich da war. Heute habe ich meinen eigenen Weg gefunden. Kollegen wie Eberhard Hertel - wir waren oft seine Gäste beim „Oberhofer Bauernmarkt“ - und die Suhler Bergmusikanten halfen mir aus dem tiefen Loch, in das ich gefallen war.

Ein Sohn Thüringens

Als junges Mädchen habe ich mich oft gefragt, warum mein Vater so an seiner Heimatstadt Suhl, dem Thüringer Wald hing. Wenn er zu Gastspielen durchs Land reiste, überfiel ihn schon nach wenigen Stunden Heimweh. Er vermisste seine Berge, das Flair seiner Stadt. Hier fühlte er sich geborgen, hierher zog es ihn immer wieder zurück. Um nichts in der Welt wäre er von hier fortgegangen. Seine Liebe zum Thüringer Wald kam aus ehrlichem Herzen. Er hörte in die Natur hinein, wenn er durch die Berge und Täler wanderte. Das war Balsam für seine Seele und gab ihm Kraft. Sehr oft sagte er zu mir: „Ein Lied, das nicht von Herzen kommt, wird auch nicht zu Herzen gehen.“ Papa hat gelebt, was er sang. Er hatte immer etwas zum Schreiben in der Tasche. Ihm genügte schon ein winziger Zettel, um eine Melodie zu notieren. Mein Patenonkel Karl Müller schrieb dann die Texte dazu. Zum Beispiel „Auf der Oberhofer Höh’“, „Zwei Kinder vom Thüringer Wald“ oder „So klingt’s in den Bergen“.

Beliebt und beschimpft

Die Menschen liebten seine Lieder, wollten immer mehr von ihm hören. Musikkritikern und Kulturfunktionären aber war Papas volkstümliche Musik in den 50er-Jahren ein Dorn im Ohr. Man machte Stimmung gegen ihn, beschimpfte ihn als Wald- und Wiesenbeatle. Weimarer Musikstudenten demonstrierten sogar gegen ihn und sein Ensemble. Das machte ihm schwer zu schaffen. Ohne meine Mutti hätte er vielleicht aufgeben. Sie hat immer auf ihn gewartet, ihm nachts noch sein Lieblingsgericht gekocht - Spaghetti mit Gulasch - und ihm die Sorgen genommen. Die Musik war ja sein Leben. Die Anfeindungen endeten, als Walter Ulbricht 1958 nach einem Auftritt von Papa sagte, ihm gefalle die Musik.

Abschied

Es war Winter 1983. Er machte mit mir eine Skiwanderung. Nach einer Stunde konnte er nicht mehr. Ich merkte, dass es seine letzte Wanderung war. Das war sehr schlimm für mich. Papas Lebensmotto war „Sei, was du willst, aber habe den Mut, es ganz zu sein.“

Redaktion
on 26. Mai 2017

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