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Abschied

Michael Hansen: Abschied von einem großen Künstler

Er gehörte zu den Großen der Musikbranche, feierte Erfolge als Sänger, Komponist und Produzent. Nun ist der Künstler im Alter von 82 Jahren gestorben. Ehefrau Petra berichtet von seinen letzten Monaten und erinnert sich an ihre große Liebe.

„Jeder Moment zählt“, sagte Michael Hansen, als wir ihn 2020 zum 80. Geburtstag in seinem Haus in Wandlitz besuchten. „Meine Frau und ich hoffen, dass wir noch viel Zeit miteinander haben.“ Damals hatte der Schlagersänger, der gebürtig Klaus Schibilsky hieß, viele Ideen für die Zukunft, wollte das Leben noch lange genießen. Doch das Schicksal hatte andere Pläne: Am 15. Juli schloss der Sänger im Alter von 82 Jahren in einem Reha-Zentrum in Bernau für immer die Augen. „Er hat bis zum Schluss gekämpft, wollte noch nicht gehen. Aber am Ende war er einfach zu schwach“, sagt seine Frau Petra Kurucz-Schibilsky, als SuperIllu sie am Telefon erreicht.

Ein langer Leidensweg

Ostern begann für Michael Hansen ein langer Leidensweg. Damals infizierte sich der Musik-Produzent mit Corona. Zunächst wurde er im Krankenhaus behandelt, doch sein Zustand verschlechterte sich weiter. Er bekam gleich mehrere Lungenentzündungen. „Es kam immer noch etwas obendrauf. Die Ärzte waren nicht optimal auf den Krankheitsverlauf vorbereitet.“ Am Muttertag konnte Michael Hansen das Krankenhaus wieder verlassen. „Ich habe ihn zeitweise gepflegt. Das hatte ich ihm immer versprochen.“ Doch als es etwas bergauf ging, stürzte er im Bad, musste wenig später zudem am Bauch operiert werden. „Er war tapfer, hat trotz allem immer versucht, optimistisch zu bleiben.“ Sechs Wochen verbrachte Michael Hansen in einer Rehaklinik. „Sie haben sich dort rührend gekümmert, konnten am Ende aber nichts mehr für ihn tun. Ich hatte ihn noch besucht; am nächsten Tag kam dann der Anruf, er sei friedlich eingeschlafen. Ich habe es noch gar nicht realisiert. Er war doch vorher nie krank.“ Auch Kollegen und Freunde sind fassungslos über den plötzlichen Tod. Nur wenige wussten, wie schlecht es dem Sänger ging. Der Komponist war für seine zurückhaltende, freundliche Art in der Branche bekannt, seine Leidenschaft für Musik war grenzenlos.

Große Träume

Bereits als Kind träumte der gebürtige Güstrower davon, auf der Bühne zu stehen. Während des Studiums zum Schiffsmaschinenbauer in Rostock sang er 1966 beim Rundfunk vor, nahm die ersten Titel auf. Gleich seine erste Amiga-Single „Da sag ich nicht Nein“ wurde ein Erfolg. Im Schlagerwettbewerb der DDR erreichte er 1968 mit„Wer hat sie gesehn?“ und „Regen in der Nacht“ (wurde später sogar von Udo Jürgens gecovert) gute Platzierungen. Er entwickelte sich zum musikalischen Multitalent, spielte Klavier, Gitarre, Bass und Cello.

Neue Wege

Dann entschied sich Hansen, neue Wege zu gehen: Mit drei Tänzerinnen des Fernsehballetts, darunter seine spätere Ehefrau Susanne, gründete er 1972 die Gruppe „Michael Hansen & die Nancies“. „Das war in Europa damals etwas völlig Neues“, erinnerte er sich 2020, „und in puncto Kostüme hatten wir wirklich die Nase vorn.“ Das Quartett feierte Erfolge im In- und Ausland. Nach der Wende richtete er sich in Wandlitz ein privates Tonstudio ein, arbeitete u.a. mit Dagmar Frederic, der bulgarischen Sängerin Lili Ivanova, Gisela May und Roberto Blanco. Als Sänger brachte er zuletzt 2002 das Album „Mann, wo ist die Zeit geblieben“ heraus. Ein Thema, das ihn gerade in den letzten Jahren bewegte. Das Alter sei allgegenwärtig, sagte er vor drei Jahren: „Es gibt Tage, da fühle ich mich wie 79, und manche, da denke ich, ich bin ein junger Hüpfer.“

© Yorck Macke
Michael Hansen mit seiner dritten Frau Petra an seinem 80. Geburtstag 2020 in seinem Haus in Wandlitz.

Letzte Hoffnung

Bis zuletzt hatte der Ehrenpräsident der Elblandfestspiele Wittenberge gehofft, dass er wieder ganz gesund wird. „Wir wussten, dass es schlecht um ihn steht. Aber die Hoffnung stirbt eben zuletzt...“, sagt seine Witwe. In der Musik fand der Sänger bis zuletzt Kraft und Zuversicht. „Er hat noch mit seinem Bruder im Krankenbett gesungen. Man hat gespürt, dass es ihm guttut. Die Musik war sein Leben.“ Sein Wissen gab er gerne weiter. Der Komponist schrieb Kindermusicals, studierte sie mit dem Nachwuchs ein. „Kinder für die Musik zu begeistern, ist etwas Tolles.“

Wie ein Neuanfang

Die letzten Jahre waren für den Sänger ein Neuanfang. 2017 heiratete er – nach dem tragischen Tod seiner zweiten Frau Susanne (†68) – noch einmal. Petra war sein großes spätes Glück: „Unsere Verbindung ist von Fröhlichkeit geprägt. Sie spornt mich immer wieder an, passt auf mich auf.“ Sein großer Wunsch, ihren sechsten Hochzeitstag am 28. Juli noch zu feiern, ging jedoch leider nicht in Erfüllung. „Wir hatten ausgemacht, dass wir auf der Terrasse sitzen und anstoßen“, erzählt Petra. „Eigentlich hatte er es mir versprochen.“

Ein erfülltes Leben

Früher stand der Beruf für den Sänger an erster Stelle; das hatte sich zuletzt geändert. „Wir wussten, dass uns nicht so viele Jahren bleiben wie einem jungen Paar. Also haben wir es uns richtig gut gehen lassen. Haben nichts aufgeschoben. Darüber bin ich heute froh“, sagt Petra. Das Paar führte eine Fernbeziehung zwischen Wandlitz und Potsdam. Die letzten Monate verbrachte die Reiseplanerin in der Nähe ihres Mannes, besuchte ihn täglich. Ein Leben ohne ihren Micha kann sie sich nicht vorstellen. „Er war die Liebe meines Lebens. Ich wünsche mir, dass seine Musik ewig weiterklingt.“ Für eines ist sie dankbar: „Wir haben vergangenes Jahr Michas 80., der wegen Corona ausgefallen war, nachgefeiert. Dass er noch einmal alle gesehen hat, ist im Rückblick ein Trost.“