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August der Starke Dresden
M. Handelmann/ SUPERillu
Götz Schubert spielt August den Starken
„Ich bin eine sächsische Seele“

Götz Schubert spielt Sachsens Kurfürst August den Starken in Dieter Wedels Zwingerfestspielen. SUPERillu.de traf den in Pirna geborenen Familienvater zu den ersten Proben in Dresden

Redaktion
on 1. Juni 2017

Herr Schubert, wir treffen uns am Dresdner Zwinger, blicken in Richtung modernem Postplatz und wiederaufgebauter Frauenkirche. Wie fühlen Sie sich an diesem historischen Ort Ihrer sächsischen Heimat ?

Den schönen tiefen Seufzer hatte ich schon vor einem Jahr zum SemperOpernball. Davor war ich lange nicht da, sondern immer nur auf der Durchfahrt zu meinen Eltern nach Pirna. Deshalb bin ich jetzt nicht völlig überrascht von der prachtvollen, enorm entwickelten Stadt. Aber ich staune schon sehr ! Auch wenn die Zeit der Ruine der Frauenkirche als Friedensmahnmal vorbei ist, dieses Stadtbild habe ich immer noch im Kopf.

Sie werden hier im Sommer als August der Starke auf der Bühne stehen. Mit welchen Gedanken ?

Dazu muss ich sagen, Dresden ist der Grund dafür, dass ich Schauspieler geworden bin. Als Abiturient habe ich sehr oft an der Theaterkasse Schlange gestanden und mir gedacht, das muss toll sein, zu den Bühnenleuten dazuzugehören. Deshalb wollte ich ursprünglich Bühnenbildner werden, weil ich den Gedanken ans Schauspielern gar nicht gewagt hatte zu träumen. Es war also immer eine Idee von mir, in der Stadt zu spielen, wo es mal angefangen hat. Deshalb empfinde ich jetzt eine große Lust auf die Zwingerfestspiele aber auch einen großen Druck.

Warum ?

Meine Eltern werden kommen, Freunde, Bekannte und Verwandte und alle kennen die Geschichte vom August und der Cosel. Für mich ist es wirklich ein Zurückkommen aus dem ganz naiven Jugendtraum als ich neidvoll über die Brüstung im Theater schaute.

Dieter Wedel, Deutschlands berühmtester Regisseur, insziniert die Zwingerfestspiele.Was heißt das für Sie als Hauptdarsteller ?

Wenn Dieter Wedel etwas anpackt, wird es auf jeden Fall nicht mickrig. Entweder Scheitern oder Sieg, aber wenigstens groß. Das gefällt mir erst einmal. Ich wäre sicher sonst auch nicht bei den Nibelungenfestspielen in Worms dabei gewesen, wenn Dieter Wedel nicht der Mann dahinter gewesen wäre. Durch diese besondere Zusammenarbeit kennen wir uns. Für Dresden ist es absolut richtig, dass man es mit Lust und Kraft macht und groß präsentiert. Nur das kann der Anspruch sein. Und außerdem ist Dieter Wedel ein Politkrimi-Spezialist.

Ein hoher Anspruch auch für das gesamte Schauspieler-Ensemble.

Ja. Deshalb hat Dieter Wedel starke Spieler ausgesucht. Nichtsdestotrotz weiß ich, dass das Projekt kein leichtes Unterfangen ist und das noch viel darum gestritten werden wird. Aber meine Devise ist: Erst mal machen, dann streiten. Es wird definitiv für Dresden etwas bringen, weil es Gesprächsthema werden wird. Das Publikum wird sicher eigene Bilder von August dem Starken im Kopf haben, aber es sollten Assoziationen möglich sein zu anderen Machthabern, wie wir sie auch heute kennen zum Beispiel Libyen, Elfenbeinküste. Wir wollen brisantes Theater machen und keinen sächsischen Souvenir-Laden eröffnen.

Was ist bei Ihnen noch sächsisch ?

Ich bin eine sächsische Seele und das ist nicht immer nur lustig. Ich wünsche mir zum Beispiel oft, dass ich mit Schwierigkeiten offener umgehen könnte und weniger in mich hineinfressen würde, aber ich bin so harmoniesüchtig. Das ist durchaus auch eine Frage der Mentalität.

Wie viel Götz Schubert steckt in dem polygamen August dem Starken ?

Unter diesem Aspekt bin ich eine glatte Fehlbesetzung. Ich bin seit 27 Jahren mit derselben Frau verheiratet. Sie heißt Simone Witte und ist Schauspielerin am Musiktheater Atze in Berlin. Unsere beiden prächtigen Kinder sind 23 Jahre und 16 Jahre alt. Sohnemann studiert kreatives Schreiben, Töchterchen geht noch zur Schule und hat gerade eine Premieren-Aufführung mit dem Theaterclub Potsdam gehabt.

Sie hatten gerade Ihre Premiere auf der Probenbühne in Dresden. Sie versprechen, einen neuen, lebendigen Herrscher zu präsentieren. Und wie ?

Zwar spielen wir im Zeichen der Zeit, aber es wird keine Barockoper. Wir werden die spannende Verwobenheit von politischen und privaten Beziehungen zeigen. So wie wir es gerade bei Berlusconi oder Nikolas Sarkozy erleben. Das kann man mit Lust Jonglieren, ohne die Holzhammermethode. Ein Spiel um Macht und Liebe, um Abhängigkeiten und Ängste. Wir werden gar nicht in den Verdacht kommen, uns zu sehr an historischen Filmen usw. orientiert zu haben. Bei manchen Geschichten sind sich die Historiker auch nicht einig. Zum Beispiel ob die Gräfin Cosel nun freiwillig auf der Burg Stolpen geblieben ist oder ob bis an ihr Lebensende alles versucht wurde, dass sie dort bleibt. Das ist doch auch in der realen Welt so, wenn man von einem Politiker erst Jahre später erfährt, in welche Affäre und Abhängigkeiten er sich verstrickt hatte. Und so wird die Mätresse des Königs zu einer Art Politthriller. Mit vielen historischen Figuren, die alle ihre Stärken und Schwächen haben und eben auch nur Menschen sind.

Wird man den August wirklich besser kennen lernen ?

Ja, darauf hoffe ich. Zumindest, dass man nachempfinden kann, warum er was zu welcher Zeit wie entschieden hat oder wozu er in der Lage war. Das würde ich aber immer als eine mögliche Variante betrachten. Das was man belegen kann, sind Ergebnisse wie das Eheversprechen für Gräfin Cosel oder verschiedene Bauten aus seiner Regentenzeit in Dresden. Unter welchem Druck, aus welchen persönlichen Interessen oder Launen heraus, das kann man nicht wissen.

Inwieweit haben Sie schon Ihre Rolle verinnerlicht ?

Ich habe mal rein geschnuppert, verinnerlicht noch nicht. In erster Linie habe ich im Moment die Augen offen und gucke, was erfahre ich von Machtmenschen. Ex-Kanzler Gerhard Schröder über Silvio Berlusconi bis zu Dieter Wedel selbst. Personen in Führungspositionen mit ihren persönlichen Beziehungen und sexuellen Vorlieben beobachte ich. So nähere ich mich generell den Figuren, die ich spiele an, indem ich mir greifbare Typen, die ich kenne, genau angucke. August den Starken kenne ich ja nur von Gemälden. Meine Vorstellung ist, dass sich die heutigen Machtmenschen nicht großartig von denen damals unterscheiden, suche ich so meine Assoziationen im aktuellen Umfeld. Dafür studiere ich alles mögliche - Filmmaterial, Biografien und Texte - bis hin zu Shakespears Königsdramen von Richard III. bis Macbeth.

Was erkennen Sie dann daraus ?

Wie es hinter den Kulissen aussieht, hinter der Fassade, wann ein Mensch mit Macht Angst hat, wann er die Macht benutzt, wie sie ihn verändert, was ihn antreibt und warum es zu Ende geht, ob es ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende ist.

Weihen Sie Ihre Bühnenpartnerin Teresa Weißbach in Ihre Herangehensweise ein ?

Bis zu einem gewissen Punkt ja. Letztlich ist es aber spannender, wenn der Andere nicht genau weiß, was in meinem Kopf vorgeht. Alles verrät man nie. Sonst braucht man ja nicht zu spielen, man muss sich überraschen. Aber so viel Zeit, um zig verschiedene Varianten auszuprobieren, haben wir gar nicht. Außerdem müssen wir unsere Rollen auch mit Filmaufnahmen koordinieren, die in die Aufführung integriert werden. Am Ende ist das Entscheidende: Es muss sich gut anfühlen. Dann weiß man schon, ob es funktioniert, ohne darüber gesprochen zu haben. Es können ja Viele sagen ich bin August der Starke, aber wenn nicht alle mitspielen, macht das alles keinen Sinn.

Redaktion
on 1. Juni 2017

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