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Oliver Wnuk
Felix Burda Stiftung
Oliver Wnuk steht zu seiner kreativen Macke
„Wir Schauspieler leiden doch alle am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom“

Oliver Wnuk ist ein echter „Tausendsassa“

Redaktion
on 26. Mai 2017

Und zwar mit Leib und Seele: Er schauspielert, schreibt Songs, Theaterstücke und Bücher, führt Regie und inszeniert Stücke. Außerdem ist er Vater einer achtjährigen Tochter, die Liebe von Yvonne Catterfeld – und ein Badewannen-Junkie mit hypochondrischen Zügen. Kurzum, ein spannender Typ, der am 6. März im Sat.1-Film „Unter Umständen verliebt“ zu sehen ist. SUPERillu traf ihn zum Interview.

In deinem neuen Film „Unter Umständen verliebt“ spielst du so überzeugend einen Voll-Chaoten-Schluffi, dass man denken könnte, das Chaos liegt dir im Blut ...

Nee, ganz  und gar nicht. Aber danke für das Kompliment. Das bedeutet ja, ich war ziemlich überzeugend ... Das einzige, was tatsächlich schluffihaft an mir ist, ist meine Frisur. Ansonsten bin ich ein sehr aufgeräumter und zielorientierter Mensch.

Du hast dich mal als organisierten, perfektionistischen Kontrollfreak beschrieben ...

Ja, das klingt nach mir. Aber an dem „Kontrollfreak“ arbeite ich gerade. Denn wer sich sehr kontrolliert, bei dem kann auch nicht viel entstehen. Man kann viel besser genießen, wenn man loslässt. Das ist aber ein Lernprozess.

Was hat dich denn so zum „Kontrollfreak“ werden lassen?

Wenn man eine Neigung zur Unsicherheit hat, aber einen Beruf  ausübt, der sehr nach außen gekehrt ist, kann es helfen, wenn man sich  kontrolliert, dass man perfekt funktioniert ... Das bringt einen aber nur an einen gewissen Punkt. Beruflich, wie privat ... Zweifel sind immer hinderlich.

Stimmt es tatsächlich, dass du noch nie in deinem Leben so richtig besoffen warst?

Nee, das stimmt nicht ganz. Ich war einmal betrunken, doch das ist schon sehr sehr lange her. Aber man lernt ja aus seinen Fehlern.

In einem Interview hast du mal gesagt: „Ich habe mich auch verkleidet und bin teilweise furchtbar rumgelaufen. Mit Kajal um die Augen, langen Haaren und großem Mantel, allein zehn Kilo schwer.“ Was wolltest du damit ausdrücken?

Vermutlich, dass ich Künstler bin. Ich hab’ das aber nicht als Verkleidung gesehen. Das war mein Outfit – und mein voller Ernst. Da war ich so 17 und die Phase dauerte etwa bis 20.

War das so ein Cliquen-Ding?

Nee, ich war da sehr alleine damit. (lacht) In Berlin hätte ich wohl als Grufti gegolten. In Konstanz, wo ich herkomme, nannte man das Pseudo. Wenn man äußerlich vorgibt jemand zu sein und hofft, das dringt dann zu einem durch.

Ich finde ja, du bist einer der meist unterschätzten Schauspieler. Du bist seit Jahren im Geschäft, brillierst in deinen Rollen, die aber fast nie Hauptrollen sind ...

Unterschätzt zu sein, hat ja nichts mit der Größe der Rolle zu tun. Im Gegenteil. Es gibt so viele Schauspieler, die wahnsinnig viele Hauptrollen spielen und unglaublich überschätzt sind ... Die Nebenrolle – übrigens ein blödes deutsches Wort, im Englischen heißt es „supporting role“, das ist viel treffender  – ist oftmals sogar die schwierigere Rolle, weil sie sich neben der Hauptrolle behaupten, diese aber auch unterstützen muss.

Aber, dass du das kannst, wissen wir ja. Deshalb bin ich der Meinung, man sollte dir mehr Hauptrollen zumuten.

Danke. Aber ich bin nicht unglücklich mit meinen Rollen. Wichtiger für mich als die Größe der Rolle ist es, eine kontinuierlich gute Arbeit abzuliefern. Ich bin mittlerweile seit 15 Jahren dabei – und immer noch gut beschäftigt. Dafür bin ich dankbar ... Im Gegensatz zu anderen Künstlern, deren Karriere sofort steil nach oben ging und die gar nicht darüber reflektieren konnten, ist meine Karriere langsam gewachsen. Und ich konnte mit ihr wachsen. Das ist großartig!

Aber nun spielst du mal die Hauptrolle. Ist das wie ein Triumph?

Nee, absolut nicht. Es ist ja nicht so, dass man mich mit diesem Film das erste Mal so richtig wahrnehmen wird. In „K3 - Kripo Hamburg“ war ich war fünf Jahre Kommissar auf dem Sendeplatz vom „Tatort“. Dann kam „Stromberg“ und der Kinofilm „U900“, wo ich auch eine größere Rolle spiele ... Aber es ist das erste Mal, dass ein Film aus der Sicht meiner Rolle erzählt wird.

Vor allem „Stromberg“ war für deine Karriere sicher sehr nützlich, oder?

Auf jeden Fall. Ich denke jeder, der bei „Stromberg“ mitmacht, hat dieser Serie viel zu verdanken. Das hat viele Türen geöffnet ... Die andere Seite der Medaille ist, dass ich nicht nur als Ulf wahrgenommen werden möchte. Man muss einfach aufpassen, dass man nicht im Komödienbereich versickert ... Es ist schwierig, in Deutschland Sehgewohnheiten zu zerstören. Man wird sehr schnell in eine Schublade gepackt. Dass ein Didi Hallervorden in einem „Tatort“ den Mörder spielt, ist eher unwahrscheinlich -  obwohl er es bestimmt könnte.

Du schauspielerst nicht nur, du schreibst auch Songs, Theater-Stücke und Bücher, drehst Musikvideos, inszenierst Stücke ...

Ja, das ist super. Ich glaube, seit ich mich auch auf anderen Feldern austobe, nehme ich es mit der Schauspielerei gelassener, bin nicht mehr so verbissen. Weil ich jetzt auch in anderen Bereichen – vor allem der Schreiberei – Bestätigung erfahre. Das ist unfassbar schön. Vielleicht hat das alles aber auch was mit meinem Alter und meiner Reife zu tun. (lacht)

Aber wieso mischst du überall mit und konzentrierst dich nicht nur auf eine Sache?

Weil mich einfach alles interessiert. Das ist der persönliche Grund. Der andere und pragmatischere ist klar finanzieller Natur. Es ist heutzutage als Künstler und Freiberufler eine echte Idiotie, nur auf ein Pferd zu setzen.

Aber machst du dann nicht alles nur ein bisschen und nichts richtig?

Ich bin der Ansicht, wenn man viele Talente hat, muss man die auch ausschöpfen. Und ich denke und hoffe, dass ich, was ich anpacke, richtig mache und nicht nur halbherzig ... Denn wenn ich etwas mache, dann konzentriere ich mich auch nur auf diese eine Sache und springe nicht hin und her.

In deinem aktuellen Film wirst du ziemlich überraschend und auf Umwegen Vater. Du bist auch Vater einer Tochter. Ist Vatersein die schwierigste Rolle, die es gibt?

Ich stolpere so ein bisschen über das Wort Rolle ... Aber man kann sagen, es ist die anspruchvollste Aufgabe, die wichtigste Aufgabe. Und die erstrebenswerteste.

Und bist du gut darin, Vater zu sein?

Zumindest versuche ich es. Aber wenn man kein Kind hat, kann man sich nicht annähernd vorstellen, was da auf einen zukommt ... Es ist nämlich nicht so easy, wie man sich das vorgestellt hat. Und bei mir kommt ja noch hinzu, dass meine Beziehung zu der Mutter des Kindes gescheitert ist. Das hat einen dann noch mal vor ganz andere Herausforderungen gestellt.

Hättest du noch mal Lust auf diese „anspruchsvolle und wichtige Aufgabe“?

Ob ich noch mal Vater werden will? Ja, ich glaub schon. Das erste Mal war nicht so schlimm. (lacht) Kann man also noch mal machen.

Korrigier’ mich, aber ich hab’ den Eindruck, seit du mit Yvonne Catterfeld zusammen bist, das heißt seit 2007, gibt es kein Interview mit dir bzw. keinen Beitrag über dich, wo sie nicht erwähnt wird ...

Das stimmt. Es gibt aber auch kaum ein Interview mit ihr, wo mein Name nicht auftaucht ... Wir müssen uns ja nicht gegenseitig verstecken. Wir gehen trotzdem eher selten gemeinsam auf öffentliche Veranstaltungen.

Oliver Wnuk und Yvonne Catterfeld
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Das passt! Seit 2007 sind Oliver Wnuk und Yvonne Catterfeld ein Paar

Warum?

Weil es einfach anstrengend ist.

Bist du kein Freund vom roten Teppich?

Manchmal hab’ ich da sogar Bock drauf und find’ es lustig. Es wär’ doch lächerlich zu sagen, das man es nicht mag, fotografiert zu werden oder um ein Autogramm gebeten zu werden. Wir Schauspieler leiden doch alle am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ... Aber es ist nicht so, dass ich diesen Rummel jetzt brauche.

Spürst du eigentlich, wo Yvonne herkommt? Ihre Ost-Wurzeln?

Sie ist tatsächlich meine erste Freundin, die aus dem Osten kommt ... Und durch sie bin ich intensiver mit dem Osten in Berührung gekommen. Wir wohnen ja auch in Ost-Berlin ... Ich bin ja im extremsten Westen groß geworden, am Bodensee. Und äußerlich betrachtet bin ich auch bestimmt schöner  aufgewachsen: am See, die Insel Mainau gegenüber. Und sie in der grauen Platte in Erfurt. Und trotzdem liebt Yvonne ihre Kindheit und Jugend. Ich glaube sogar, sie war ein glücklicheres Kind als ich. Da sieht man, dass grau nicht gleich Unglück bedeutet. Und bunt nicht gleich Glück ...

Wie gefällt dir Yvonnes Heimat Erfurt? Da gibt’s ja nicht nur graue Platten ...

Eine tolle Stadt. Super schön. Ich mag den Osten sowieso sehr gern. Leipzig ist auch eine wahnsinnig interessante Stadt. Und letzte Woche hab’ ich Potsdam wieder entdeckt.

Nun lebst du ein klassisches Patchwork-Familienleben – da gibt es auf der einen Seite deine Ex-Freundin und deine Tochter und auf der anderen Seite Yvonne ...

Ich trenne das gar nicht so, weil wir uns alle super verstehen. Wir feiern zusammen, wir leben nah beieinander. Dass das so klappt, dafür bin ich beiden Frauen und auch meiner Tochter sehr dankbar.

Stimmt’s, dass du Yvonne gegenüber anfangs große Vorurteile hattest? Ihr habt euch ja beim Dreh von „U900“ 2007 kennengelernt ...

Ja, das stimmt. Ich fand es bis dahin einfach schwierig, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die aus einem anderen Metier kommen. Und bei ihr im Speziellen dachte ich: Och, da hätte es bestimmt bessere Schauspielerinnen gegeben. Ich wusste aber auch nichts von ihr, außer dass sie bei „GZSZ“ mitgespielt hat. Beim Casting der weiblichen Hauptrolle musste ich mein Bild dann aber korrigieren – denn sie war wirklich einfach die Beste. Mit Abstand. Das ist kein gutes Gefühl, wenn man jemanden fies finden will – und es geht nicht. (lacht)

Würdest du heute gern noch mal mit ihr einen Film drehen?

Keine Ahnung. Das steht jetzt auf unserer Prioritätenliste nicht ganz weit oben.

Ihr könntet doch dein Buch „Wie im richtigen Film“, das letztes Jahr veröffentlicht wurde, zusammen verfilmen?

Das wird jetzt tatsächlich verfilmt. Aber mit uns? Nee, eher nicht. (lacht)

Ist das Buch eigentlich wahnsinnig autobiografisch – oder kommt einem das nur so vor?

Wenn die Leute denken, es sei mein Leben, seh’ ich das als Kompliment. Denn das bedeutet ja, es wirkt sehr authentisch, echt ... Die Familienkonstellation ist tatsächlich die gleiche wie bei mir. Das stimmt. Aber ich bin nicht so wie Jan, der sich so durchs Leben windet und von einer Rolle, die er im Leben spielt, zur nächsten hüpft. Und keiner der Dialoge aus dem Buch stammt aus meinem Leben.

Du schreibst mittlerweile an deinem nächsten Buch ...

Ja, aber das zweite Buch ist vom Genre etwas ganz anderes.  

Zurück zu „Wie im richtigen Film“: Was dein Protagonist Jan und du gemein haben ist die Badewannensucht. Ihr badet zweimal am Tag ...

Ja, das stimmt. Aber ich dämme das gerade etwas ein. Zu oft baden macht müde und ist auch nicht wirklich umweltfreundlich ... Aber es ist tatsächlich so, dass die Badewanne für mich der beste Ort zum Nachdenken ist und wo mir die besten Ideen kommen.

Das ist ja nicht deine einzige – ich nenne es mal liebevoll – „Macke“. Du hast auch die Tendenz zur Hypochondrie ...

Ja, das stimmt. Da bin ich eher uncool. Ich gehe oft zum Arzt. Manchmal ist das tatsächlich nötig und manchmal halte nur ich es für nötig. Wir Schauspieler sind ja auch ein bißchen Selbstdarsteller. Aber es könnte ja tatsächlich was Schlimmes sein ...

Redaktion
on 26. Mai 2017

Das passt dazu...