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Victor Schefés Krebserkrankung

„Mein Leben war auf Messers Schneide“

Der Schauspieler („Borgia“) im SUPERillu-Interview über einen dramatischen gesundheitlichen Einschnitt, schräge Jobs und Bad-Boy-Image

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Schauspielstar Victor Schefé im SUPERillu-Interview mit Chefreporter Björn Wolfram  

Victor Schefé hat mit seinen 51 Jahren schon ein äußerst bewegtes Leben hinter sich. Mit SUPERillu sprach er unter anderem über einen gravierenden gesundheitlichen Einschnitt und – schräge Berufe …

Mit seinen markanten Gesichtszügen und dem intensiven Spiel hat sich Victor Schefé längst einen festen Platz auf Leinwand und Bildschirm gesichert. Am heutigen 24. Dezember ist er im opulenten ZDF-Märchenfilm „Schneewittchen und der Zauber der Zwerge“ (15.05 Uhr) zu sehen – Schefé als Gilig, böser Bruder der nicht minder bösen Königin (Nadeshda Brennicke, 46) und Stiefmutter Schneewittchens (Tijan Marei, 23).

Er arbeitete als Perlenaufzieher in New York

Gedreht wurde in Tschechien, rund um die Burg Pernštejn – und dies war nur einer von unzähligen Orten, an denen der gebürtige Rostocker bereits war. Nachdem er mit 20 Jahren aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen worden war (zwei Jahre zuvor hatte er einen Ausreiseantrag gestellt), versuchte er nach einem ersten Aufenthalt in Westberlin sein Glück in New York, unter anderem als Perlenaufzieher für einen Schmuckdesigner – so filmreif steht es zumindest bei Wikipedia. Wir haken im Interview nach, welches wir im Berliner Café „Baretto“ führen. Der 51-Jährige: „Ja, das stimmt, allerdings glaube ich, dass ich beim Kellnern mehr Kaffeetassen geschleppt habe, als dass ich Perlen aufgezogen habe.“ (lacht)

© ZDF/Conny Klein
Victor Schefé (r.) im Kreise seiner Kollegen von „Schneewittchen und der Zauber der Zwerge“

Zurück in Berlin etablierte er sich zunehmend als Schauspieler: 1991 der Durchbruch am Theater in und als „,Der Elefantenmensch“, und seit seinem TV-Debüt in „Ein starkes Team“ vor genau 25 Jahren dreht er durch – also filmtechnisch! Auch für internationale Produktionen wurde er bereits verpflichtet – sei es die historische Serie „Borgia“ (seit 2011) oder das 007-Spektakel „Spectre“.

Die Welt steht einem offen, es ist eigentlich alles da.

Victor Schefé

„Es ist einfach in mir, viel ausprobieren zu wollen“, erklärt Schefé uns. „Ich empfinde schnell Langeweile oder habe das Gefühl, mich zu wiederholen. Die Welt steht einem offen, es ist eigentlich alles da. Manchmal kriegt man, was man möchte, manchmal nicht. Ich bin auf jeden Fall aktiver Gestalter meines Lebens - bin gerne Macher, greife aber nicht bei jedem Angebot wahllos zu.“

© Michael Driscoll
Ein Gesicht, das man sich merkt – ein Spiel, das Eindruck hinterlässt: Victor Schefé

In seiner Eigenschaft als Macher hatte er noch vor seiner Schauspielkarriere, 1990, die Berliner Bar „Hafen“ mit zwei Partnern gegründet. Dies fiel in die schwerste Zeit seines Lebens, denn er war plötzlich mit einer schweren Krebserkrankung konfrontiert: „Mein Leben war auf Messers Schneide. Der Krebs hatte sich stark ausgebreitet ...“

Tod und Leben waren bei ihm dicht beieinander

Schefé weiter: „Ich weiß noch: Kurz nach den ganzen Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung ging ich ins Krankenhaus. Und die Eröffnung vom ,Hafen‘  machte ich mit Glatze, während einer Chemotherapie ... Ein paar Monate später hatte ich meinen ersten Theatererfolg als ,Der Elefantenmensch‘. Also, Tod und Leben, Schmerz und Freude waren in jener Zeit ganz dicht beieinander ...“

Ich guck immer dann besonders böse, wenn ich nachdenke  – die Tragödie meines Lebens.

Victor Schefé

Längst gilt Schefé als geheilt, und während unseres Treffens haben wir den Eindruck, dass er die damalige Zäsur in jeder Hinsicht gut verkraftet hat. Übrigens ist er im Gegensatz zu vieler seiner finsteren Filmfiguren ein sehr netter und auch amüsanter Zeitgenosse, der jedoch um seine irreführende Wirkung weiß: „Ich guck immer dann besonders böse, wenn ich nachdenke. Ich kann leider nicht denken und nett gucken – die Tragödie meines Lebens.“ (lacht)

Aber auch dieser Blick hat ihm ja letztlich so viele spannende Rolle beschert. Apropos: „Im nächsten Jahr kommt die Neuverfilmung eines Olsenbanden-Abenteuers ins Kino, das ist eine internationale Produktion, in der ich eine Gastrolle habe.“ Wir freuen uns drauf!