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DEFA-Studio für Trickfilme
A. Fuhrmann/SUPERillu
Zeichentrick
Dem Teufelchen geht’s wieder gut

Die neue SUPERillu-DVD „Zeichentrickspaß hoch 4“ zeigt eine ganz andere Seite der DEFA: Die Spur der Trickfilme führt nach Dresden

Redaktion
on 26. Mai 2017

Premiere in SUPERillu: Erstmals veröffentlichen wir im Rahmen unserer DEFA-Serie eine DVD mit Zeichentrickfilmen: „Der arme Müllerbursch und das Kätzchen“ (1971), „Alarm im Kasperletheater“ (1960), „Der fliegende Großvater“ (1964) und „Das gestohlene Gesicht“ (1985). Alle vier entstanden im DEFA-Studio für Trickfilme in Dresden. Zwischen 1955 und 1992 wurden hier mehr als 1500 Arbeiten für Kino und Fernsehen gedreht. Besonders die Geschichte aus dem Kasperletheater, in dem der Teufel Omas Geburtstags-Pfannkuchen klaut und schreckliche Bauchschmerzen bekommt, kannte in der DDR wohl jedes Kind.

Rückblick

Das DEFA-Studio für Trickfilme nahm 1955 seine Arbeit auf. Schnell fanden sich in Dresden alle ein, die schon immer Lust hatten, Trickfilme zu drehen. Regisseure wie Kurt Weiler, Lothar Barke, Johannes Hempel und Bruno J. Böttge kamen von den DEFA-Studios aus Berlin, Potsdam-Babelsberg und Halle. Zu ihnen stieß eine Gruppe von Absolventen der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein mit Otto Sacher, Helmut Barkowsky, Katja und Klaus Georgi sowie Christl und Hans-Ulrich Wiemer. Auch der Puppenspieler Günter Rätz und der spätere Vater des Sandmännchens, Gerhard Behrendt, waren dabei. Sie alle leisteten nun Pionierarbeit. Denn viel Tricktechnik war zunächst nicht vorhanden. So wurde getüftelt, geplant und gebaut, und bald entstanden die ersten Filme in schöner, penibler Handarbeit.

Kinderglück

Der Staat hatte festgelegt, dass 80 Prozent der Trickfilme fürs Kinderkino gedreht werden. So prüften die Dresdner zunächst den Sagen- und Märchenschatz sowie Kinderbücher auf ihre Verfilmbarkeit. Man nutzte Tierfiguren, um menschliche Verhaltensweisen vorzuführen: In Zeichentrickfilmen wie Lothar Barkes „Vom Hasen, der nicht lernen wollte“ (1956) war das Vorbild Walt Disneys deutlich zu erkennen. Aber die Dresdner wandten sich auch aktuellen Entwicklungen zu. Im Puppentrickfilm „Gleich links hinterm Mond“ (1959) schickte Günter Rätz den Weihnachtsmann mit dem Auftrag ins Weltall, herauszufinden, was ein Sputnik ist. Und in Otto Sachers „Sensation des Jahrhunderts“ (1960) landeten die Russen noch vor den Amerikanern auf dem Mond. Seit den späten 50ern drehten die Dresdner auch Trickfilme für Erwachsene. Hin und wieder wagte man sich an Satiren, stieß aber wie überall im Land auf Probleme. Die Möglichkeiten, Kritik zu üben, beschränkten sich auf Berufsgruppen wie private Handwerker oder auf „negative Zeitgenossen“ wie Arbeitsbummelanten oder Trunkenbolde. Gesellschaftliche Engpässe darzustellen war nicht erwünscht. Das bekam Regisseur Klaus Georgi zu spüren, der sich mit seiner Zeichentricksatire „Urlaub“ (1967) darüber lustig machen wollte, dass die Ostseeanwohner jedes Mauseloch als Urlauberzimmer vermieten. Jeder in der DDR wusste zwar von mangelnden Urlaubsplätzen und den entsprechenden Praktiken, doch wenn es schon in der Wirklichkeit keine Lösung gab, musste sie wenigstens auf der Leinwand herbeigeführt werden. Die Parteileitung des Dresdner Studios nahm sich den Film vor und redete sich die Köpfe heiß. Schließlich legte sie fest, dass der Film nur mit einem optimistischen Ende ins Kino gebracht werden darf: Der Held in „Urlaub“ musste im beschaulichen Thüringer Wald doch noch ein besinnliches Urlaubsplätzchen finden.

Was nicht sein durfte

Einwände gab es auch zu Will und Sieglinde Hamachers beliebter Serie „Vater und Familie“ (1970–78). In einer Folge wurde gezeigt, wie ein Mann für seinen Kleingarten immer mal wieder was von seiner Arbeitsstelle mitgehen lässt. Satirischer Höhepunkt sollte sein, dass er einen ganzen Strommast klaut. Das war zu viel. Aus dem Mast wurde eine kleine Hängelampe ... - Und natürlich durfte es nicht sein, dass in Otto Sachers „Hör zu“ (1982) ein Mann, der nach Ausbruch eines Brandes um Hilfe rennt, in einer Maidemonstration hängen bleibt. Der politische Aufmarsch musste sich in einen Zug betrunkener Fußballfans verwandeln - was dem kleinen Film viel von seiner Schärfe nahm.

Das Aus

In den Jahren vor 1989 waren die DEFA-Trickfilme thematisch vielseitiger und formal mutiger geworden. Alle klassischen Genres der Animation - Zeichentrick, Puppentrick, Silhouettentrick, Legetrick sowie die Mischung aus Real- und Zeichentrick - wurden gepflegt, noch immer in Handarbeit, ohne Computer. Nach dem Mauerfall fanden die Dresdner Künstler nur noch wenige Abnehmer. Viele der rund dreihundert fest angestellten Regisseure, Animatoren, Schnittmeisterinnen und Kameraleute gingen in die Arbeitslosigkeit, einige in Rente, wenige in eine neue Anstellung. Heute werden die Hinterlassenschaften des DEFA-Studios für Trickfilme vom Deutschen Institut für Animationsfilm gepflegt. In dem einstigen Fabrikgebäude der Firma Ernemann in Dresden sind Tausende Exponate - Zeichnungen, Puppen, Kulissen, Drehbücher - sorgsam aufbewahrt. Unter Leitung der früheren DEFA-Dramaturgin Sabine Scholze gelingt es durch Ausstellungen, Filmabende und Publikationen, die Trickfilme vor dem Vergessen zu bewahren. Auch unsere SUPERillu-Edition trägt dazu bei.

Redaktion
on 26. Mai 2017

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