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Volksfest auf Point Alpha zum Tag der Deutschen Einheit 2017
SUPERillu/Y. Maecke
Tag der deutschen Einheit
Feiern auf Point Alpha

Am einst westlichsten Punkt der DDR gedachten Bürger aus Hessen und Thüringen auf Point Alpha der deutschen Teilung und dem Tag der Deutschen Einheit 2017

Gerald Praschl
on 4. Oktober 2017

Traditionell schon am Vortag des 3. Oktober lud auch dieses Jahr die von den Ländern Hessen und Thüringen getragene Gedenkstätte Point Alpha zu einem Festakt zum Jahrestag der deutschen Einheit in die ehemalige Fahrzeughalle der US-Armee, die hier, direkt am ehemaligen Eisernen Vorhang bis 1989 einen Beobachtungspunkt unterhielt.

Thüringens Finanzministerin Heike Taubert (SPD) verurteilte in ihrer Rede beim Festakt auf Point Alpha das DDR-Grenzregime als menschenverachtend und lobte die Wiedervereinigung als Erfolgsgeschichte. "Wir haben viel miteinander geschafft, aber es dauert halt etwas länger, die Einheit zu vollenden", sagte sie. Ohne die Hilfe aus dem Westen wäre man dabei heute vielleicht nicht weiter als in Tschechien oder Polen. Trotzdem sei noch viel zu tun, und damit meine sie vor allem das weitere Streben nach einheitlichen Lebensverhältnisse in Ost und West. Taubert appellierte, man solle heute nicht das Trennende in den Vordergrund stellen, sondern das, wo Deutschland in 27 Jahren weitgehend zusammengewachsen sei. "Alles andere wird der großen Aufgabe, die sich uns vor 27 Jahren stellte, nicht gerecht." 

Fotogalerie: Feiern und Gedenken auf Point Alpha am Tag der Deutschen Einheit 2017

Ehrengast war der heutige US-Brigadegeneral Fred Maiocco, der den Mauerfall 1989 stationiert in Deutschland vor Ort erlebte. General Maiocco sagte in seiner Rede, es gäbe keinen besseren Platz in Deutschland als Point Alpha zwischen Thüringen und Hessen, um an das Leid der deutschen Teilung zu erinnern. Das Vermächtnis von Point Alpha sei, dass man die Freiheit nicht geschenkt bekomme, sondern sie verteidigen müsse. Die US-Armee sei bis heute stolz darauf, den Westen Deutschland von der Nazi-Diktatur befreit und vor der sowjetischen Diktatur bewahrt zu haben. Heute sei das wiedervereinte Deutschland ein wichtiger Partner der USA, um gemeinsam für Freiheit und Sicherheit in Europa und der Welt einzutreten. Die grösste Gefahr in Europa heute sei dabei, so General Maiocco, "die russische Aggression in Osteuropa, auf der Krim, in der Ostukraine". Auch die baltischen EU-Länder fühlten sich mit Recht von Russland bedroht, die heutige Situation im baltischen Suwalki-Streifen sei sehr mit der auf Point Alpha zur Zeit der deutschen Teilung zu vergleichen, wo dort stationierte deutsche und amerikanische Soldaten heute gemeinsam ihre Abwehrfunktion innerhalb der Nato erfüllten.  "Wir wünschen uns einen Kontinent des Friedens und der Stabilität", so Maiocco. Dazu gelte es, "diejenigen abzuwehren, die Freiheit in Europa bedrohen. Und damit den Frieden und Wohlstand in Europa zu sichern".  

Hessens ehemaliger Ministerpräsident Roland Koch, einer der Gründerväter der Stiftung Point Alpha, bezeichnete die heute berühmte Gedenkstätte,  in der jährlich der "Point Alpha Preis" verliehen wird (u.a. 2005 an Helmut Kohl, George Bush sen. und Helmut Kohl, in diesem Jahr an Wolf Biermann), als "Ort der nützlichen Provokation, nämlich, dass man nicht Gras darüber wachsen lassen kann, sondern ein Teil der Geschichte ist, aus der man was lernen müsste." Koch ging auch auf die AfD-Erfolge bei der Bundestagswahl ein und sagte dazu:  "Wenn die Menschen die Sorge haben, dass sie keine Chance haben, die Grenzen zu definieren, dann werden sie Leute wählen, die ihnen versprechen, die Kontrolle zu haben. Von Leuten, von denen ich nicht möchte, dass sie die Grenzen definieren". 

Zum Abschluss des Festakts spielte die Stadtkapelle Geisa neben der deutschen Nationalhymne auch die US-amerikanische Hymne "The star-spangled Banner". 
 
"Point Alpha" auf hessischem Territorium war einer der "heißesten Punkte" im "Kalten Krieg". Er grenzt unmittelbar an den westlichsten Punkt der einstigen DDR oberhalb der Kleinstadt Geisa.  Es war ein Ort, an dem sowohl die Nato als auch die Truppen des Warschauer Pakt damit rechneten, dass hier der Dritte Weltkrieg beginnen könnte. Bei den US-Truppen, die von hier aus Ausschau Richtung DDR hielten, hieß die Region "Fulda Gap", die "Lücke von Fulda", in der sie im Falle eines Überraschungsangriffs die feindlichen Panzer erwartete. Umgekehrt hegten die in Thüringen stationierten sowjetischen Truppen und die NVA dieselbe Befürchtung, dass hier ein westlicher Angriff erfolgen könne. Seit 1995 entstand hier, zunächst getragen von einer Initiative von Bürgern und den Kommunen der Nachbargemeinden Geisa und Rasdorf ein Gedenkort. 2008 wurde von den Ländern Hessen und Thüringen sowie den benachbarten Landkreisen Fulda und Wartburgkreis die Point-Alpha-Stiftung gegründet, die sich heute um die vielbesuchte Gedenkstätte kümmert, in der inzwischen auch viele Bildungsprogramme für Schulklassen angeboten werden. Am 3. Oktober 2017 feierten die Bürger der Region dort den Tag der Deutschen Einheit mit einem Festgottesdienst und einem Volksfest. 

Die Stadtkapelle Geisa (Thüringen) intoniert zum Festakt zum Tag der Deutschen Einheit 2017 auf Point Alpha die amerikanische und die deutsche Nationalhymne 
SUPERillu
Gerald Praschl
on 4. Oktober 2017

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