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Stefanie Kloß - Silbermond
H. Jörörtg Hörseljau/SUPERillu
Stefanie Kloß von Silbermond
„‘The Voice‘“ hat uns beflügelt“

Neues Album, neue Tour, aber was keiner wusste: Die Band stand vor der Trennung. Frontfrau Stefanie Kloß erzählt, wie sich die Freunde aus Bautzen wiederfanden

Redaktion
on 24. Mai 2017

Seit 2004 ist die Rock-Pop-Band Silbermond erfolgreich – mit mehr als fünf Millionen verkauften Tonträgern, unzähligen Konzerten, Preisen und fünf Alben. Doch zwischen dem vierten Album und dem fünften, „Leichtes Gepäck“, mit dem die vier Freunde aus Bautzen jetzt auf Deutschlandtour gehen, lagen drei Jahre. Weshalb, verrät Sängerin Ste­fanie Kloß im Interview. Sie ist seit mehr als zehn Jahren Frontfrau der Band.

Stefanie, was steckt eigentlich hinter dem Albumtitel „Leichtes Gepäck“?

Dass wir nach unserem vierten Album, „Himmel auf“, Ballast abschmeißen mussten und es auch getan haben. Die erste schwere Entscheidung war, sich neue Produzenten zu suchen. Und sie haben auch so einiges Neues bewirkt. Zum Beispiel, dass wir unsere Songs nun zusammen einspielen, statt solo wie in den Jahren davor. Das zwang uns dann, uns gegenseitig wieder zuzuhören.

Also gab es Probleme?

Ja, vor zwei, drei Jahren wurde uns erstmals bewusst, dass wir durch die letzten Jahre Bandgeschichte gerauscht waren, ohne einmal eine Pause einzulegen, und dass einer die Stopptaste drücken musste. Jeder von uns brauchte mal wieder mehr Raum für sich. Jahrelang haben wir uns ja nur als Band gesehen und ganz vergessen, dass wir vier Indi­viduen sind, die nebenbei auch Sachen machen können, die dann durchaus der Band zugutekommen. Andreas Nowak ist zum Beispiel ein großartiger Fotograf und hat für unser neues Album Fotos und ein Video beigesteuert. All solche Sachen beflügeln uns als Band. Genauso, wie es meine Teilnahme an „The Voice“ tut.

Gab es einen Moment, in dem Sie daran gedacht haben, sich als Band zu trennen?

Ja. Es gab zwar nie eine Distanz zwischen uns, die unsere Freundschaft zueinander betraf, das nicht. Aber bei der Musik  passte es nicht mehr zu dem, was wir uns vor Jahren vorgenommen hatten. Der erste Weg wäre die Trennung gewesen, der zweite zu schauen, was falsch gelaufen ist und was wir ändern müssen. Wir haben uns für den zweiten entschieden mit dem Wissen, dass es auch wehtun kann und nicht einfach wird. Aber es hat sich gelohnt, die unwichtigen Dinge abzuwerfen.

Unwichtiges haben Sie auch bezüglich des Sounds abgeworfen. Den neuen Songs hört man Ihre wiedergewonnene Leichtigkeit an. Gleichzeitig klingen sie runder und anspruchsvoller. Hat sich bei Ihnen eigentlich auch im Alltag etwas verändert?

Ja. Bei mir hat sich allein das Kofferpacken verändert. Ich hatte nie Zeit und dachte oft: Da packe ich als ­Option lieber noch sechs andere Lederjacken ein. Darauf verzichte ich jetzt.

Auf dem neuen Album haben Sie der B96, einer Straße, ein Lied gewidmet. Wie kam‘s dazu?

Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bautzen aufgewachsen, das an der B96 liegt. Als wir für die neue Platte zusammensaßen, fragten meine Jungs, wie es damals dort eigentlich war. Sie wussten, dass ich eine turbulente Kindheit hatte, da ich meinen Vater sehr, sehr früh verloren habe. Beim Erinnern gab es traurige Momente, aber auch schöne. Zum Beispiel den, dass meine Schwester daheim jetzt ihre kleine Familie gründet. Das Thema Heimat bewegt mich sehr, deshalb wollte ich darüber schreiben. Die Jungs haben mich erzählen lassen und dabei ein bisschen Gitarre gespielt. So entstand der Song. Dieser gemeinsame Moment war ein unglaublich schöner: dass wir uns wieder so öffnen konnten und uns so nah aneinander herangelassen haben wie lange nicht mehr.

Sie sind als Band erfolgreich. Was bedeutet Ihnen Geld?

Da wir unsere eigene Platten­firma haben, stecken wir da viel rein. Wir machen gern Musik und wollen dafür gutes Equipment, das natürlich auch. Aber wir brauchen keinen großen Luxus. Luxus ist für uns, Zeit zu haben und sich auch zu nehmen.

Und was machen Sie mit Ihrer freien Zeit?

Wenn ich entspannen will, lese ich. Außerdem mag ich Serien. Sie bringen mich runter und ­lenken mich ab. Ich treibe auch gern Sport, laufe, sooft es geht.

Sind in Ihrem Freundeskreis eigentlich viele Musiker?

Klar haben wir Freunde, die Musiker sind. Aber auch welche, die es nicht sind. Viele aus unserem Freundeskreis sind witzigerweise aus Bautzen nach Berlin gezogen, die treffen wir jetzt hier.

Ihre Schwester gründet ­gerade eine Familie. Wie sieht es damit bei Ihnen aus?

Alles kommt, wie’s kommt.

Haben Sie noch einen Wunsch?

Nein, wozu auch. Wir haben uns wieder ins Gleichgewicht ge­­bracht. Wenn wir vier glücklich sind mit dem, was wir machen, ist alles gut.

Redaktion
on 24. Mai 2017

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