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Philip Rooke Spreadshirt
A.Jungnickel/SUPERillu
Spreadshirt
Leipziger T-Shirts für die Welt

Spreadshirt-Vorstandschef Philip Rooke hat große Pläne. Er will in Leipzig einen global agierenden Konzern schmieden. Das größte Wachstum erwartet er in den kommenden Jahren aus den USA

Thilo Boss
on 8. Juni 2017

Was sollte Philip Rooke (49)auch anderes tragen als ein T-Shirt? Mit Werbung für Spreadshirt natürlich. Die von einem Absolventen der Leipziger Handelshochschule (HHL) gegründete Firma feiert 2017 ihr 15-jähriges Bestehen und erwartet auch in diesem Jahr wieder Rekordumsätze. Spreadshirt, sagt Vorstandschef Rooke, sei inzwischen erwachsen geworden und auf dem Weg zu einem global agierenden Konzern.

Herr Rooke, Spreadshirt bietet auch in Großbritannien T-Shirts an. Bereitet Ihnen der Brexit Kopfzerbrechen?

Unabhängig davon, dass ich als Brite den Austritt Großbritanniens aus der EU für töricht halte, kann ich nur davor warnen, den Freihandel einzuschränken. Für ein international agierendes Unternehmen wie Spreadshirt sind Zollschranken wachstumshemmend, weil vor allem der bürokratische Aufwand und damit auch die Kosten steigen. Dennoch wissen wir, Grenzen, Steuern und Zölle zu handeln. Versand in die Schweiz oder nach Norwegen ist für uns alltäglich, und auch mit einem Post-Brexit werden wir umzugehen wissen. Gegebenenfalls verlagern wir unsere Marketingbemühungen in andere starke europäische Märkte.

Spreadshirt ist auch in den Vereinigten Staaten unterwegs, …

… die vor unserem Heimatmarkt Deutschland sogar mit einem Viertel der Erlöse wichtigster Absatzmarkt sind. Wir sind dort mit der Produktion in Greensburg in Pennsylvania und Henderson in Nevada sowie mit unserem US-Hauptsitz Boston in Massachusetts an drei Standorten vertreten.

Donald Trumps „America first“-Strategie dürfte Ihnen dann übel aufstoßen. Oder?

Protektionismus ist schädlich für das Wirtschaftswachstum und vernichtet auf Dauer Jobs. Ich bin ein Freihandelsoptimist und gebe die Hoffnung nicht auf, auch wenn jetzt gerade weltweit die Zeichen auf Abschottung statt Offenheit stehen.

PWelche Märkte sind die Wachstumstreiber der Zukunft?

Die USA. Aus den Vereinigten Staaten erwarten wir die größten Wachstumsschübe. In Europa ist Spreadshirt schon Marktführer. In den Vereinigten Staaten sind sechs oder sieben Firmen noch größer als wir. Das wollen wir aber in den nächsten fünf Jahren ändern.

Was heißt das nun in Zahlen?

In diesem Jahr werden wir deutlich die 100-Millionen-Umsatz-Marke knacken. Mittelfristig sollen weltweit unsere Erlöse auf eine halbe Milliarde Euro steigen. Das halte ich mit Blick auf unser rasantes Wachstum in der Vergangenheit für realistisch. Spreadshirt entwickelt sich zu einem global agierenden Konzern.

Bedeutet global, dass Sie T-Shirts aus Billiglohnländern wie Indien und Bangladesch beziehen, wo oft unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird?

Ja, wir beziehen unsere Textilien unter anderem auch aus Bangladesch, Indien und der Türkei. Unsere Eigenkollektion produzieren wir in mittelständischen Betrieben, mit denen wir in engem Kontakt stehen. Bei unseren anderen Lieferanten achten wir auf faire Produktionsbedingungen und die Einhaltung von Standards.

Spreadshirt bietet keine High-End-Produkte an. Ihr Geschäftsmodell könnte leicht von einem chinesischen oder vietnamesischen Konkurrenten kopiert werden …

So einfach ist das nicht. Wir sind ein komplexes E-Commerce-Unternehmen, bei dem allein in der Leipziger Firmenzentrale über 80-IT-Spezialisten arbeiten. Unser Erfolgsgeheimnis ist, dass für unsere Kunden und Partner alles einfach ist und Spaß macht. Bei uns ist praktisch alles möglich. Mit wenigen Klicks kann jeder seine Idee weltweit zum Verkauf anbieten und Geld verdienen – oder einfach ein T-Shirt als Geschenk bedrucken lassen. Dahinter stehen 15 Jahre Entwicklung. Spreadshirt ist deshalb auch ein IT-Unternehmen …

P…mit Sitz in Leipzig. Wird das auch so bleiben?

Mit Sicherheit. Leipzig hat sich als Stadt inzwischen auch international einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Das Freizeitangebot ist sehr attraktiv und kann sich inzwischen sogar mit Berlin messen. Das ist ein wichtiger Standortfaktor. Nicht umsonst arbeiten in Leipzig Mitarbeiter aus 25 Nationen.

Philip Rooke Thilo Boss
A.Jungnickel/SUPERillu

Spreadshirt-Chef Philip Rooke und Thilo Boss von SUPERillu

Thilo Boss
on 8. Juni 2017

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