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Helga Göring
K. Winkler
Schauspielerin Helga Göring gestorben
Millionen TV-Zuschauer haben die Schauspielerin ins Herz geschlossen

Wieder ist ein beliebter Fernsehstar des Ostens von uns gegangen. Die großartige Helga Göring starb 88-jährig an Herzversagen. Blick auf ihr erfülltes Leben und ihren dramatischen Tod

Bärbel Beuchler
on 22. Mai 2017

Wenn es hierzulande den Titel Volksschauspielerin gäbe, sie hätte ihn vielfach verdient. Helga Göring spielte sich an der Seite von Herbert Köfer mit heiteren Fernsehserien über den DDR-Alltag und zahlreichen Schwänken in die Herzen von Millionen. Wer kennt nicht „Rentner haben niemals Zeit“ oder „Geschichten übern Gartenzaun“. Sie hat in über 300 Filmen gespielt und darin oft einfache Frauen verkörpert, die das Leben herausfordert und sie über sich hinauswachsen lässt. Wie die junge Bauerntochter in dem DEFA-Film „Das verurteilte Dorf“, in dem sie 1951 ihr Debüt vor der Kamera gab. Jetzt ist die beliebte Mimin tot. Helga Göring starb 88jährig am 3. Oktober im Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin-Schöneberg.

Zusammenbruch

Niemand war auf diesen Moment gefasst. Weder ihre Tochter Manja Greese (55), noch ihr Enkel Benjamin (32) oder ihre vier Jahre ältere Schwester Doris. „Am wenigsten meine Mutter selbst“, sagt Manja im Gespräch mit SUPERillu-Redakteurin Bärbel Beuchler. „Es ist so unwirklich. Im Februar erst war sie durchgecheckt worden. Herz, Lunge, Blutdruck - alles in Ordnung. Der Arzt war sogar erstaunt, wie gut sie in ihrem Alter noch drauf ist.“ Für die Schauspielerin ist der Tod ihrer Mutter unfassbar. „Es gab keine Anzeichen, dass es ihr schlecht geht.“ Und doch passierte es. In der Nacht des 30. September brach Helga Göring auf der Toilette mit einem Aufschrei zusammen. Mit ihrer Schwester Doris - die nach einem schweren Sturz einen Rollstuhl und Pflege brauchte - lebte sie seit dem Frühjahr in der Seniorenwohngemeinschaft „Zweiter Frühling“ in Berlin-Schöneberg. Manja erzählt: „Eine Pflegerin war sofort bei ihr und rief den Notarzt. Er nahm meine Mutter zur Untersuchung mit ins Krankenhaus. Unterwegs kam es zum Herzstillstand, und sie wurde reanimiert.“ Man versetzte die Schauspielerin ins künstliche Koma, aus dem sie nicht wieder aufwachte. Manja, die in Sofia lebt, bekam keinen Flug, um in den letzten Stunden bei ihrer Mutter zu sein. Sohn Benjamin saß am Bett seiner Oma, streichelte ihre Hand. Manja: „Ich habe oft von meiner Mutter geträumt, Es waren immer schöne Träume. Nur nicht in der Nacht, als sie starb. Da sah ich uns mit dem Auto rückwärts Serpentinen runterrollen. Meine Mutter schrie furchtbar. Davon bin ich aufgewacht. Zehn Minuten später rief Ben an: Oma liegt im Sterben ...“

Agil bis zuletzt

Das Leben von Helga Göring wurde von zwei Lieben bestimmt. Die eine war ihre Tochter Manja, die andere der Beruf. „Ohne die Schauspielerei hätte meine Mutter nicht leben können. Das habe ich schon als Kind irgendwie verstanden. Wenn sie lange zu Außenaufnahmen war, habe ich mir einen Pullover oder Schal von ihr mit ins Bett genommen, um sie wenigstens zu riechen. Sie war eine außergewöhnliche Mutter.“ Die drehfreien Tage gehörten ganz der Tochter. Da wurde Spaß gemacht, gespielt. „Es gab einmal im Monat einen Manja-Tag, da hat sie mir alle Wünsche erfüllt.“ Davon wussten sogar die Kollegen, wie ihr langjähriger TV-Partner Herbert Köfer erzählt. „Wir hielten das zuerst für übertrieben, bis wir merkten, wie sehr Helga dieses Kind liebte und brauchte.“

Dass sie keinen Mann hatte, war eine bewusste Entscheidung. Manja erklärt: „Meine Mutter hätte den Tod ihres Vaters beinahe nicht überlebt. Sie war sechs, als er starb, hat nichts mehr gegessen und ist in eine tiefe Lethargie verfallen. Erst als ihre Mutter verzweifelt rief: „Willst du mich auch noch verlassen“, ist sie aus ihrer Trauer aufgewacht und hat weitergelebt. Einen solchen Schmerz wollte sie nicht noch mal erleben.“

Große Mimin

Mit sechs wusste die Tochter eines Meißner Augenarztes auch, dass sie nichts anderes als Schauspielerin werden will. 18-jährig stand sie mit dem großen Erich Ponto auf der Bühne. Gretchen, Stella, Klärchen - sie hat alle großen klassischen Theaterrollen gespielt. 1951 holte Regisseur Martin Hellberg sie ins DEFA-Ensemble, und sie machte eine stille Filmkarriere. Herausragendste Leistung wurde 1972 die Titelrolle in dem Fernsehfilm „Die große Reise der Agathe Schweigert“ nach der Erzählung von Anna Seghers. Die Schriftstellerin hatte auch das Drehbuch geschrieben und die Rolle ganz auf die Persönlichkeit der Schauspielerin zugeschnitten. Schade, dass Helga Görings Spielkunst nach der Wende nicht mehr so gefragt war. Das war ihr großes Leid der letzten Jahre.

Bärbel Beuchler
on 22. Mai 2017

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