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Carolin Masur
M. Handelmann/SUPERillu
Star-Interview: Carolin Masur
"Der Krebs hat mich nicht besiegt"

Diagnose Eierstockkrebs: Opernsängerin Carolin Masur, die Tochter des berühmten Dirigenten Kurt Masur, hat die Krankheit gut überstanden. Im Interview erzählt sie, was ihr in der schweren Zeit half

Redaktion
on 22. Mai 2017

Sie sind im Aufklärungsfilm „Die zweite Stimme“ von der „Stiftung Eierstockkrebs“ als eine von vier Patientinnen zu sehen. Wie kam es dazu, Frau Masur?

Der Initiator der „Stiftung Eierstockkrebs“, Professor Dr. Jalid Sehouli von der Berliner Charité, fragte mich, ob ich ihn bei seinem Projekt unterstützen wolle. Ich habe gern zugesagt, denn ihm verdanke ich, dass ich noch lebe. Die neu gewonnene Energie möchte ich in das Projekt stecken. In Deutschland muss mehr Aufklärungsarbeit zum Thema Eierstockkrebs geleistet werden!

Wann wurde bei Ihnen ein Ovarialkarzinom, sprich Eierstockkrebs festgestellt?

Im Januar 2005 merkte ich, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Ich fiel innerhalb kurzer Zeit zweimal in Ohnmacht. Im Krankenhaus fand man lange keine Ursachen. Erst die gynäkologische Untersuchung ergab einen schwarzen Fleck in einem meiner Eierstöcke.

Gibt es denn Risikofaktoren für Krebs in Ihrer Familie?

Nein! Eierstockkrebs ist nicht vererbbar, es gibt auch keine wirklichen Vorsorgemöglichkeiten. Die Krankheit zeigt sich erst, wenn sie im Körper wuchert und ein kritisches Stadium erreicht hat. Bei mir war es kurz davor.

Wie ging es Ihnen und Ihrer Familie nach der Diagnose?

Meine Familie war schwer getroffen. Sie hat viel gebetet. Für mich galt von Anfang an, nur nach vorne zu schauen. Ich wollte mich vom Krebs nicht besiegen lassen

Mehr als 8000 Frauen erkranken bundesweit pro Jahr an Eierstockkrebs. Haben Sie sich jemals gefragt: Warum ich?

Am Anfang schon, aber auf diese Frage gibt es keine Antwort. Man muss die Krankheit akzeptieren. In der Regel erkranken Frauen über 50 an Eierstockkrebs.

Sie waren doch erst 38!

Ja, dafür gibt es keine Erklärung. Ich kann mich dennoch glücklich schätzen: Zwei Frauen, die mit mir die Reha machten, beide älter als ich, leben leider nicht mehr. Spät erkannter Eierstockkrebs endet in vielen Fällen tödlich.

Wie groß war Ihr Tumor?

Ich hatte in jedem Eierstock einen großen Tumor. Da der Verdacht bestand, dass auch Gebärmutter und Blinddarm betroffen waren, hat man mir alle drei Organe zwei Tage nach der ersten Gewebeprobe entfernt.

So schnell?

Ja. Das war ein Fehler, ich hätte mich besser informieren sollen. Doch ich wollte „das Ding“ schnell raus aus meinem Körper haben. Die Opera­tion mittels Bikini-Schnitt verlief ohne Komplikationen. Später zeigte sich jedoch, dass die Tumore nicht komplett entfernt wurden.

Wann erfuhren Sie davon?

Erst viel später, nach der ersten, viermonatigen Chemotherapie.

Hatte die Nebenwirkungen?

Ja: Extremste Übelkeit, kompletter Haarausfall, Knochenschmerzen. Durch das Kortison war ich zudem extrem aufgedunsen. Nach der Chemo fuhr ich deshalb zur Reha-Kur für vier Wochen an die Ostsee.

Wie ging es danach weiter?

Ich fühlte mich besser. Am 11. November 2005 wollte ich mit meinem Vater in der Dresdner Frauenkirche singen. Am selben Morgen sprach mir meine Ärztin auf die Mailbox, sie müsse mich sofort sehen. Da ahnte ich, dass der Krebs zurück war. Die Ärztin empfahl mir Prof. Sehouli als Spezialisten für Eierstockkrebs. Er stellte dann fest, dass ich nicht optimal operiert worden war. Deshalb heißt der Aufklärungsfilm auch „Die zweite Stimme“. Wir wünschen uns, dass Frauen die „Stiftung Eierstockkrebs“ zur Information nutzen und evtl. auch eine zweite Meinung von einem Spezialisten einholen, der Erfahrungen mit Operation und Behandlung der Krankheit hat.

Hat Prof. Sehouli den zweiten Eingriff durchgeführt?

Ja, er hat mich sofort mit einem großen Bauchschnitt operiert, um den neuen Tumor in den Lymphknoten zu entfernen.

Nach der Behandlung mussten Sie Ihre Stimme, Ihr Kapital, wieder­finden. Was genau hieß das?

Ich war mir lange nicht sicher, ob ich je wieder singen kann: Nach den Operationen und Chemos war ich körperlich am Ende, meine Stimme hatte sich mit der Atmung verändert. Jetzt habe ich eine neue Stimme in einem neuen Körper, singe anders, aber nicht schlechter. Damit fühle ich mich sehr wohl, das allein zählt. Das ist übrigens der zweite Hintergrund für den Titel des Aufklärungsfilms.

Wie geht es Ihnen heute?

Gut. Ich habe viele Konzerte, habe z.B. in Singapur, Hanoi und auf der AIDA gesungen. Kürzlich hatte ich ein Engagement an der Oper Leipzig. Ich sehe der Zukunft entspannt entgegen, auch wenn ich weiß, dass ein Rückfall jederzeit möglich ist. Denn bei Eierstockkrebs gibt es nun mal keine Heilungsgarantie.

Redaktion
on 22. Mai 2017

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