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Thomas Kurzhals
SUPERillu
Beerdigung von Thomas Kurzhals
P. Schneider-Schmelzer/SUPERillu
Beerdigung von Thomas Kurzhals
P. Schneider-Schmelzer/SUPERillu
Beisetzung Thomas Kurzhals
P. Schneider-Schmelzer/SUPERillu
Beisetzung Thomas Kurzhals
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Beisetzung Thomas Kurzhals
P. Schneider-Schmelzer/SUPERillu
Beisetzung Thomas Kurzhals
P. Schneider-Schmelzer/SUPERillu
Thomas Kurzhals
Abschied von einer Musiker-Legende

Der im Januar verstorbene Keyboarder und Komponist der Stern-Combo Meißen, Thomas Kurzhals, wurde am Wochenende in Erkner beerdigt

Redaktion
on 24. Mai 2017

Musik,
war der Atem deiner Seele,
der Klang deines Herzens.
Verführend,
betörend,
besänftigend und klar.
Sie war Harmonie
im Auf und Ab deines Lebens,
im Fluss jener Zeit.

(von Kirsten Kühnert)

Thomas Kurzhals (Stern-Combo Meißen) ist gestorben. Thomy, der Kurze, der Bäcker – er war ein genialer Keyboarder, ein kreativer Kopf und ein lustiger Kerl. Als er am 7. Februar in Erkner beigesetzt wurde, kamen mehr als 150 Kollegen, um Abschied zu nehmen. Unter ihnen die Musiker von Karat, Lift-Frontmann Werther Lohse, Peter Meyer und Peter Rasym von den Puhdys, Electra, Karussell, Angelika Mann, „Schätzen Sie mal?“-Legende Lutz Hoff, die Komponisten Andreas Bicking und Rainer Oleak und viele mehr.

Manuel Schmid sang während der Trauerfeier für seinen verstorbenen Freund, Karat-Gitarrist Bernd Römer spielte „Musik für einen nicht existierenden Film“. Die „Sterne“ hatten ein Video über Thomas Kurzhals bauen lassen. Und die Sängerin und Autorin Kirsten Kühnert hielt die Rede. So, da waren sich alle einig, hätte es Thomas gefallen.

Sein Leben

Thomas Kurzhals war ein Sonntagskind, geboren im Thüringischen Ronneburg, am 13. Dezember 1953. Mutter Marianne arbeitete als Chefsekretärin, Vater Hans war Bäcker und Kraftfahrer und spielte nebenbei in einer Schalmaienkapelle. Es zeige sich, dass der kleine Thomy drei wichtige Dinge für sein späteres Leben geerbt hatte: musikalisches Talent, ein sensibles Herz und Ehrgeiz dazu.

Mit acht Jahren übte er lieber Akkordeon, als mit den anderen Kindern herumzutoben, mit elf lernte er Klavier und mit 12 musizierte er schon auf Vereinsfesten zusammen mit einem Schlagzeuger, der gut und gern sein Opa hätte sein können.

Allen gutgemeinten Warnungen zum Trotz verschrieb sich Thomy der Musik, seiner Musik, noch bevor er ahnte, dass sie eines Tages auch andere Menschen glücklich machen würde. Mit knapp 17 begann er ein Studium an der Dresdener Hochschule für Musik und begegnete dort seiner ersten großen Liebe. Eine hübsche Studentin, Barbara hieß sie und wollte Sängerin werden. Liebe machen, heiraten, Vater werden, alles noch während des Studiums - die Dinge überschlugen sich in dieser Zeit. Viel zu früh drängten sich Ernst und Verantwortung in Thomys Leben. Nebenher machte sein Ruf als genialer Organist die Runde und drang bis an die aufmerksamen Ohren von Stern-Combo-Meißen-Chef Martin Schreier. Er suchte einen fähigen Keyboarder, mit Kurzhals hatten sie ihn gefunden.

Stern-Combo Meißen und Karat

Eine der wohl kreativsten Zeiten in Thomys Leben begann. Er komponierte, arrangierte, ließ in den Konzerten seine Finger in atemberaubendem Tempo über die Tasten gleiten. Musikalische Schätze wie das Album „Weißes Gold“ entstanden und Songs wie „Was bleibt“, „Das Paar“ „Stundenschlag“ oder „Wir sind die Sonne“. Die „Sterne“ strahlten. Da hatten sie einen gefunden, der zu ihnen passte. Einer, dem die Musik aus der Seele floss.

Auch die Gruppe Karat wurde hellhörig, und so lockte ihr einstiger Gründer Hennig Protzmann den großen begabten Jungen 1984 in seine Band.

Neue Kollegen, neue Songs, Westmuggen dazu. Kurzhals war wendig, fand sich gut zurecht. Sänger Herbert Dreilich und er wurden ein musikalisches Paar, mit allen Aufs und Abs, die ein ideenreiches  Miteinander mit sich bringt. 

Thomy war beteiligt an der Entstehung der Alben „Fünfte Jahreszeit“, „Im nächsten Frieden“ und „Karat 91“. Und er schrieb die Musik für den wunderschönen Song: „Hab den Mond mit der Hand berührt.“ Wenn es um seine Arbeit ging, war Thomy ein Perfektionist, unerbittlich manchmal, und ja, auch schwierig, wie alle kreativen Menschen.

1992, nach acht Jahren Karat-Zugehörigkeit, entschloss er sich, Bandarbeit und Tourleben aufzugeben, baute sein Studio in Erkner aus, setzte sich hinters Mischpult und produzierte Werbespots und Auftragswerke für den Rundfunk. Auch das konnte er. Was ihm fehlte, waren der Applaus, die strahlenden Augen der Fans, das Glück, mit den Kollegen über sich hinaus zu wachsen. Dieses Gefühl, ein Teil von etwas Großem zu sein, und auch der Humor, das unbeschwerte Feiern.

So fand Thomy 1996 zurück zu „seiner Combo“, wie er immer sagte, die einem Fixstern gleich da war – unübersehbar, leuchtend und zuverlässig. Und die, wo auch immer Thomas musizierte, seine musikalische Heimat blieb.

Neues Glück, alte Probleme. Das Album „Lebensuhr“ entstand und Kurzhals stieg 2002 erneut aus. Und weil es nun mal so ist bei alten Paaren – sie können nicht mit aber schon gar nicht ohne einander - kehrte er nach musikalischen Ausflügen mit Tom Walter und Gaby Rückert nach sechs Jahren wieder zurück. Eine wahrhaft leidenschaftliche Liebe. 

Aber so war er, der „Bäcker“. Einer, der sich von seinen Gefühlen leiten ließ, er war humorvoll, eigensinnig, großzügig, gemütlich und gutmütig. Er erfand dutzende Spitznamen für seine Kollegen, er telefonierte für sein Leben gern - vor dem Konzert, nach der Konzert, eigentlich immer, stundenlang. Und er konnte brennen - für gute Songs und fähige Musikanten.

Dicke Freunde

Als Manuel Schmid, vor zwei Jahren als neuer Sänger zur Stern-Combo stieß, war Thomas sofort begeistert. Manuel singt brillant jedes Lied der Band, kennt sich in ihrer Historie besser aus, als die Sterne selbst. Obwohl sie fast 30 Lebensjahre trennten, wurden Thomas und Manuel enge Freunde. Ihr gemeinsam komponiertes Lied „Lebensblues“ wird demnächst veröffentlicht.

„Deine Sprüche“, schreibt Manuel in seinem Nachruf für Thomas, „waren immer knackig, da blieb kein Auge trocken. Wir haben oft und viel gelacht. Deine Musik wird nicht vergehen ... Du hast selber immer gesagt: „Wenn etwas von Herzen kommt, kann es nur richtig sein!“ 

So vieles müsste man noch erzählen, wollte man Thomas Kurzhals, dem „Bäcker“, und seinem Leben gerecht werden. Dass er immer ein enges Verhältnis zu seinen Eltern hatte und glücklich war, als sie zu ihm nach Erkner zogen. Dass er sich für Formel 1-Rennen sogar nachts den Wecker stellte ... 

Er war auch stolz auf seinen neuen weißen Flügel. Sechs Mal war er bester Keyboarder der DDR. Und er wollte, wie er sagte, nie ein „Harmoniepampel“ sein – auch nicht bei den legendären Gitarreros. 
Und einmal ist er auch mächtig angesäuselt aus dem Tourbus gefallen.

Ja, Bäcker war nicht nur ein begabter Anekdotenerzähler, er sorgte auch selbst fleißig für Nachschub. In Russland zum Beispiel, wo er einem Russen einen Schluck aus seiner teuer erworbenen Flasche mit Wodka anbot: „Drushba, Freundschaft, Solidarität“, jubelte Thomy. Der neue Freund langte zu, nahm einen kräftigen Zug und reichte Bäcker die Flasche zurück. Zu dessen Bestürzung - leer.

Oder die Gondelfahrt am Elbrus. Während seine Kollegen die einzigartig schöne Landschaft bestaunten, lag Thomy platt wie eine Flunder auf dem Fußboden. Er hatte Höhenangst.

Thomy und die Frauen

Und dann waren da noch die Geschichten mit dem weiblichen Geschlecht. Thomy und die Frauen, das war so eine Sache. Er wollte sie und sie wollten ihn. Vier Mal war er verheiratet. Vier Mal ging es schief. Drei Kinder wurden geboren. Thomas war nicht der Mann, der sein uneingeschränktes Augenmerk auf die Familie richten konnte. Dennoch wusste er, was seinem Sohn Christian guttun könnte. Eine sympathische junge Frau namens Katharina nämlich, musikbegeistert, selbstverständlich Stern-Meißen-Fan.

Vater Thomas mutierte plötzlich zum Kuppler, arrangierte ein Treffen der beiden ... Sein Gespür hatte ihn nicht getäuscht, wie immer. Christian und Katharina wurden ein Paar und machten Thomas obendrein zum Großvater.

Enkeltochter Cassandra ist inzwischen 11 Jahre alt und spielt Flöte. Sollte sie nur einen kleinen Teil der Musikalität ihres Opas geerbt haben, müsste sich das ganz gut anhören. 

Mitte letzten Jahres wurde Thomy krank. Seit Jahren schon litt er unter Diabetes, musste starke Medikamente nehmen, nun wollte die Leber nicht mehr. Schuld war der Schnaps schreibt die Zeitung. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon?! Für Thomy begann ein Leidensweg zwischen Hoffnung und Trauer, zwischen Krankenhaus und Aufatmen. Er war nicht allein in dieser Zeit. Sohn Christian und seine Katharina versuchten ihm zu helfen. Und Rita.

Eine Jugendliebe

Vor eineinhalb Jahren hatte er Rita wiedergetroffen, eine Jugendliebe. Die beiden wurden unzertrennlich, freuten sich auf ein gemeinsames Leben, wollten sogar heiraten. Die Krankheit durchkreuzte ihre Pläne. Rita blieb dennoch bei ihrem Thomy, pflegte ihn Tag und Nacht, verlor dadurch sogar ihren Job bei einer Bäckerei. „Bei Thomy zu sein, war mir wichtiger“, sagt sie. Thomas bedauerte, dass sie sich erst so spät wiedergefunden hatten, dass sie so viele Jahre ohne einander gelebt hatten. „Du bist meine Bestimmung“, sagte er immer wieder zu Rita. „Mein Vater war Bäcker, ich habe immer in der Nähe eines Bäckers gewohnt, meine Kollegen nennen mich Bäcker, und jetzt liebe ich eine Frau, die bei einem Bäcker arbeitet. Das kann kein Zufall sein.“

Rita war wie ein Kraftquell für Thomy. Obwohl er um seinen Zustand wusste, verlor er seinen Optimismus nicht. Unermüdlich trommelten seine Finger auf der Bettdecke, sie sollten nicht aus der Übung kommen. Thomy wollte nicht sterben.

Der Abschied

Am 13. Dezember wurde Thomas Kurzhals 60 Jahre alt. Sein Freund und Kollege Manuel Schmid schreibt: „Die Band, einschließlich Reinhard Fißler, die Technikcrew und enge Freunde hatten sich angemeldet, um mit Dir, Thomy, gemeinsam ein bisschen in deinem Haus zu feiern. Du warst sichtlich erfreut, als wir alle in kleiner Runde zusammensaßen. Und Rita hatte leckeres Essen zubereitet. Unser Geburtstagsgeschenk für Dich war unser neues DVD-Boxset, das gerade vom Presswerk geliefert worden war. Ich erinnere mich noch genau an deine Reaktion: Jungs, sagtest du, damit haben wir uns ein Denkmal gesetzt!“

Am Morgen des 2. Januar 2014 bist du eingeschlafen. Ganz leise ...

… Hast den Mond mit der Hand berührt, 

als die Erde schlief.

Ein paar Sekunden hat er dich verführt, 

mit den Sternen zu zieh'n.

Hast den Mond mit der Hand berührt, 

er scheint nur für dich, 

und leuchtet dir den Weg voraus

für den Flug nach Haus.

Mach's gut Thomy und grüß Franzel Bartzsch von uns, Fränki Hille, Herbert Dreilich, Tamara, Lacky und all die anderen, die vorgegangen sind. Wir sehen uns. Ganz bestimmt.

(von Kirsten Kühnert)

Redaktion
on 24. Mai 2017

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