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Ulla Groth zu Besuch in Frankreich 2012
Privat
Ulla Groth und Mary Jo Darbouret
unbekannt
Ulla Groth aus Berlin
„Meine Brieffreundin aus Frankreich“

Ulla Groth aus Berlin erzählt über ihre ungewöhnliche Beziehung zu der Französin Mary Jo Darbouet, die 1967 mit einem Briefwechsel begann und aus der nach dem Mauerfall echte Freundschaft wurde

Redaktion
on 14. Juni 2017

Meine Freundin Mary Jo und ich verbindet eine ganz besondere Freundschaft, die einerseits seit 1967 besteht, andererseits eine mehrjährige Pause einlegen musste. Ich bin in der DDR aufgewachsen und habe nach der Schule im Außenhandel gearbeitet. Deshalb konnte ich die für ausländische Kunden aufgelegte Wirtschafts- und Kulturzeitschrift „DDR-Revue“ lesen. Dabei fiel mir eines Tages die Anzeige einer französischen Studentin ins Auge, die Briefkontakt in englischer Sprache suchte. Ich schrieb ihr, denn Frankreich interessierte mich. Zudem wollte ich meine Sprachkenntnisse verbessern. Mary Jo und ich waren beide 20 Jahre jung, und zwischen uns entwickelte sich ein regelmäßiger Briefwechsel, der über Jahre fortbestand. Bis heute sprechen und schreiben wir in Englisch.

Nachdem ich mein Außenhandelsstudium beendet hatte, wurde ich Gruppenleiterin und durfte auch Reisen ins sogenannte nicht sozialistische Ausland unternehmen. Was ich bald aber nicht mehr durfte, war, den Briefwechsel mit meiner Freundin aufrechtzuerhalten. Ab 1986 musste ich das Schreiben aufgeben. Warum es mir verboten wurde, durfte ich Mary Jo nicht erklären.

Drei Jahre später fiel die Mauer. Zwei Tage danach schrieb ich Mary Jo einen Brief an die mir zuletzt bekannte Adresse in St. Etienne, einem Ort südlich von Lyon. Der Brief musste einige Umwege nehmen, denn Mary Jo war Lehrerin und hatte einige Male die Schule gewechselt. Erst im Januar 1990 landete er im Direktorat ihrer aktuellen Schule und endlich auch bei ihr. Mary Jo antwortete mir sofort. Unsere Brieffreundschaft wurde wiederbelebt und sogar intensiviert.

Als wir beide 50 Jahre alt wurden, beschlossen wir, uns endlich persönlich kennenzulernen. 1997 besuchten sie und ihr Mann mich das erste Mal. Wir waren uns gar nicht fremd und merkten sehr schnell, dass wir durch das Schreiben viel Nähe aufgebaut hatten. Auch unsere Männer verstanden sich gut. Mary Jo und ich – wir fühlten uns wie Schwestern. Das lag vielleicht auch daran, dass wir zu diesem Zeitpunkt beide schon einige Schicksalsschläge hinter uns hatten.

Mein Gegenbesuch fand drei Jahre später statt. Mein Mann und ich reisten das erste mal in die Provence und verbrachten dort herrliche Tage. Im Jahr 2003 wurden wir sogar zur Hochzeit von Mary Jos Tochter eingeladen. Es war ein wunderschönes Erlebnis, ihre Familie und ihre Freunde kennenzulernen.

Inzwischen sind wir alle 70 Jahre alt. Mein Geburtstag ebenso wie der von Mary Jos Ehemann war im Februar dieses Jahres, sie selbst hatte im März ihren Siebzigsten. Am 8. Juli feiern die beiden ein großes Sommerfest in einem Hotel in der Provence mit Familie und Freunden, und ich bin mit meinem Lebenspartner eingeladen. Darauf freue ich mich sehr.

Redaktion
on 14. Juni 2017

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