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Max Riemelt
Y. Maecke/SUPERillu
Max Riemelt im Interview
Realistisch, dramatisch, schön

Max Riemelt, 29, dreht Filme, seit er 13 Jahre alt ist. Wir trafen den Schauspieler am Set auf dem Flugplatz Finsterwalde, um über die nächsten beiden zu sprechen

Redaktion
on 24. Mai 2017

Er brillierte u.a. in „Der Rote Kakadu“ (2006), „An die Grenze“ (2007), „Die Welle“ (2008), „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010) und in „Freier Fall“ (2013): Max Riemelt, 29. Jetzt ist er in dem ZDF-Thriller „Blutgeld“ zu sehen. Zeitgleich dreht er für den Sender den Kinofilm „Alleinflug - Elly Beinhorn“. SUPERillu-Reporterin Cäcilia Fischer traf den smarten Schauspieler am Set auf dem Flugplatz Finsterwalde.

Max, was überzeugt dich an einem Drehbuch? Ich geh mal davon aus, dass du nicht jedes annimmst ...

Das stimmt. Meist steckt man zum Zeitpunkt der Anfrage gerade in einem Projekt und weiß nicht, was aus dem Drehbuch am Ende wird. Ich wäge also gut ab und überlege genau, ob mich der Stoff auch wirklich interessiert. Wenn er mir gefällt oder mich bewegt, frage ich nach dem Regisseur, denn auch hier muss die Chemie stimmen. Beim Casting zu „Alleinflug - Elly Beinhorn“ passte alles. Zumal die Regisseurin Christine Hartmann dafür bekannt ist, dass sie nicht zu sentimental erzählt und keinen Kitsch dreht.

Den magst du wohl nicht?

Ich mag Filme eher realistisch, gern auch dramatisch oder eben schön, Hauptsache mit allen Facetten des Lebens. Filme, die den Zuschauer in eine rosarote, unwirkliche Welt entführen, sind dagegen nicht so mein Ding.

Die Original-Oldtimer und Flugzeuge aus den Dreißigern wie die Klemm 35 haben dich an „Alleinflug - Elly Beinhorn“ sicher auch gereizt ...

Nein, mich reizte einfach die Geschichte. In den teuren Rennwagen werde ich am Set sicher eh nur gezogen (lacht).

Was und wie fährst du privat?

Ich fahre einen VW Golf, vom Fahrzeug her also gesundes Mittelmaß, aber das gern mal auch schön schnell.

Ihr dreht 27 Tage in Finsterwalde, Großenhain, Berlin und Südafrika. Letzteres ist sicher ein Höhepunkt - oder dann doch lieber Finsterwalde?

Ich mag Finsterwalde, die Natur und die Menschen hier! Aber Kapstadt wird sicher auch spannend und aufregend.

Du hast eine fünfjährige Tochter. Ist der Spagat zwischen den langen Drehs, dem vielen Reisen und der Familie schwierig zu händeln?

Sagen wir mal so: Die brisante Frage im Film - was man macht, wenn zwei Menschen gleichzeitig Karriere machen wollen - betrifft mich auch. Damit die Vaterrolle funktioniert, muss man auf alle Fälle viel kommunizieren und auch mal verzichten können. Als Schauspieler musst du ja oftmals auf Abruf bereitstehen, da gestaltet sich ein geregeltes Familienleben natürlich schwierig.

Würdest du dich selbst als Workoholic bezeichnen? Die Liste deiner abgedrehten Filme ist zumindest recht lang ...

Ich arbeite nicht um der Arbeit Willen, aber wenn ich mich für ein Projekt entscheide, bin auch relativ bedingungslos und habe einen sehr hohen Anspruch an mich. Und um den zu erfüllen, muss ich dann auch gewisse Entbehrungen machen, die sich meist auf das Private auswirken.

Bereust du diesbezüglich irgendwas?

Nein, das nicht.

Am 28. Oktober läuft im ZDF der Film „Blutgeld“, in dem es um einen der größten Pharma-Skandale in Deutschland geht. Was reizte dich, darin einen Betroffenen zu spielen?

Das Thema. Ich kannte die Einzelheiten des Skandals nicht und fand es spannend, mich zu informieren und andere mit dem Film nun auch aufzuklären.

Hast du zum Thema „Medizin-Skandal“ einen persönlichen Bezug?

Nein, zum Glück nicht.

Nimmst du deine Rollen auch ab und an mit nach Hause?

Selten. Ich beschäftige mich mit meinen Rollen an Ort und Stelle und trenne das Private vom Beruflichen. Dass ich das kann, sehe ich übrigens als Teil meines Talents.

Du bist in Ostberlin geboren, wo du immer noch lebst, und warst zur Wende vier Jahre alt. Interessieren dich Filme zur DDR-Vergangenheit, beruflich wie auch privat?

Beruflich natürlich, ich habe auch schon in vielen Filmen über die DDR mitgespielt, zum Beispiel in „Der Rote Kakadu“. Privat gucke eigentlich nie fern. Manchmal schaue ich mir den ein oder anderen Kollegen in einem Film an, das schon. Aber grundsätzlich gefallen mir eher ausländische Movies wie zuletzt „Iron Man 3“. Und die leihe ich mir gezielt als DVD aus der Videothek aus.

Heutzutage kann man doch aber fast alles im Internet sehen ...

Das habe ich aber nicht daheim.

Kein Facebook, kein Twitter?

Weder noch. Ich habe ein Telefon und eine Email-Adresse, das reicht. Ich vertraue dem Internet einfach nicht. Wenn du da nach etwas suchst, lieferst du anderen automatisch Informationen über dich, und das will ich nicht. Klar bin ich auch mal im Netz, zum Beispiel beruflich, aber es gehört definitiv nicht zu meinen Hobbys.

Welche Hobbys hast du stattdessen?

Ich gehe, wenn ich die Zeit habe, mehrmals die Woche zum Kickboxen. Ich brauche das, um für den Job fit zu sein - und das bin ich -, aber auch für mein Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und für meine Konstitution. Für einen Dreh brauche ich ja immer ein hohes Maß an Energie. Ich will mich nach einem Film nicht erst erholen müssen, sondern gleich weitermachen. Nur so kann ich beruflich so aktiv sein.

Was steht denn nach dem Dreh zu „Alleingang - Elly Beinhorn“ alles an?

Kann ich konkret noch nicht sagen, aber es kommt einiges.

Dann verrate bitte wenigstens unseren weiblichen Lesern, wann sie deinen Kickbox-Körper wie „Im Angesicht des Verbrechens“ wieder textilfrei bewundern können!

Ich denke, im Januar kommt ein Fernsehfilm heraus, der ihnen gefallen könnte (lacht).

Trauerst du dem Fakt, dass es nie zu einer zweiten Staffel von „Im Angesicht des Verbrechens kam“, eigentlich nach?

Es war auf alle Fälle die zweitteuerste Produktion im deutschen Fernsehen und dieses Geld muss erstmal wieder zur Verfügung stehen. Zudem müssen die Bücher dazu geschrieben werden. Aber die Schauspieler wären sicher alle gern wieder mit dabei. Ich definitiv auch, denn ich fand die Serie super!

Redaktion
on 24. Mai 2017

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