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Prof. Dr. Solveig Richter
U. Toelle/SUPERillu
Kongress der Wissenschaftlerin
Initiative „Frauen machen neue Länder“

Mehr Frauen als Männer machen an der Uni ihr Examen. In akademischen Führungspositionen sind sie jedoch rar. Die Initative „Frauen machen Neue Länder“ will das ändern und rief zum Kongress der Wissenschaftlerinnen in Jena. SUPERillu war dabei

Redaktion
on 20. Juni 2017

Die Leistungen sind top, aber spätestens nach der Promotion stagniert die wissenschaftliche Karriere der meisten Frauen. Bei den Professuren beträgt ihr Anteil bundesweit rund 20 Prozent. Das ist zwar eine Verdoppelung seit der Jahrtausendwende - aber doch wenig angesichts der Tatsache, dass mehr Frauen (51 Prozent) als Männer ihr Studium erfolgreich abschließen. In Jena trafen sich Anfang November 120 Akademikerinnen, um sich auf dem Kongress "Durchstarten in Wissenschaft und Forschung" über Karrierewege und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auszutauschen. Eingeladen hatte die Initiative "Frauen machen Neue Länder".

Karriereweg

Abschreckend auf die meisten Frauen wirkt, dass die Stellen, die Professur ausgenommen, meist befristet sind. Von den wenigen Professorinnen in Deutschland wiederum sind zwei Drittel kinderlos. Die Bedingungen, akademische Weihen und Familie zu vereinen, sind also schwierig. Aber gerade die Welt der Wissenschaft, so machte es Rednerin Dr. Manja Marz (32) deutlich, biete eine viel flexiblere Zeiteinteilung als die freie Wirtschaft. Die gebürtige Leipzigerin ist in Jena Juniorprofessorin für Bioinformatik und Mutter dreier Kinder. Die zieht sie wochentags alleine groß, weil ihr Ehemann zur Arbeit pendelt. „Ich nehme mein jüngstes Kind einfach mit in die Uni. Oft habe ich es im Tragetuch, wenn ich eine Vorlesung halte.“ Sie habe ihr Kind auch schon gestillt, während sie Mitarbeitergespräche führte. Im Alltag einer Wissenschaftlerin sollten Kinder ganz selbstverständlich dazugehören, daran müsse sich vor allem das Umfeld gewöhnen, so ihr Appell. Alle Teilnehmerinnen betonten zudem, dass eine gute Partnerschaft, in der man Familienaufgaben miteinander teile, eine wichtige Voraussetzung sei. Für Männer wäre das wohl kaum der Rede wert gewesen ...

Prof. Dr. Manja Marz (32)

Seit 2012 ist die Leipzigerin Juniorprofessorin für Bioinformatik in Jena. Die Begeisterung für diese Laufbahn entfachte ihr Doktorvater. „Ich beschäftige mich mit Themen, die ich toll finde. Man ist Pionier, Entdecker, Lehrer ...“ Mit Ehemann Michael hat sie drei Kinder, die sie von Montag bis Freitag allein großzieht. Studentinnen sollten „ihr Leben leben“, das täten Männer auch, sagt die Wissenschaftlerin.

Prof. Dr. Manja Martz
U. Toelle/SUPERillu

Prof. Dr. Manja Martz ist Juniorprofessorin für Bioinformatik in Jena. Die Begeisterung für die Karriere entfachte ihr Doktorvater

Dr.-Ing. Sabine Sändig (49)

Die Gerätetechnikerin arbeitete viele Jahre an der Uni Ilmenau. Heute ist sie Geschäftsführerin des Günter-Köhler-Instituts für Fügetechnik und Werkstoffprüfung Gmbh, an der Schnittstelle zwischen Forschung und Wirtschaft. Die Mutter zweier erwachsener Töchter sagt: „Junge Frauen mit wissenschaftlichen Ambitionen muss man unterstützen, zum Beispiel als Mentor.“

Prof. Dr. Erika Kothe (53)

Die Biologin hält seit 1997 die Professur für Mikrobielle Phytopathologie an der Uni Jena. Seit 2011 ist sie außerdem Prorektorin für wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung. „Viele Doktorandinnen gehen der Wissenschaft leider verloren, auch weil in der freien Wirtschaft die Gehälter besser sind.“

Prof. Dr. Erika Kothe
U. Toelle/SUPERillu

Seit 2011 ist Prof. Dr. Erika Kothe Prorektorin für wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung

Prof. Dr. Gabriele Beibst (62)

Die BWL-Professorin leitet bereits in dritter Amtsperiode die Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena. Ihre Wissenschaftskarriere mit dem Schwerpunkt Marketing begann nach der Wende, obgleich ostdeutsche Betriebswirte damals nicht gerade gesucht waren. Ihr Appell an junge Frauen: „Seid mutig und selbstbewusst, setzt euch durch!“ Wichtig sei auch, dass Familie und Partner hinter einem stünden.

Prof. Dr. Gabriele Beibst
U. Toelle/SUPERillu

Prof. Dr. Gabriele Beibst leitet die Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena

Prof. Dr. Solveig Richter (35)

Seit Januar 2013 ist die Dresdnerin Juniorprofessorin für „International Conflict Management“ an der Uni Erfurt. „Familie und Beruf zu vereinbaren, ist die größte Herausforderung. Da kann die Politik noch eine ganze Menge tun“, sagt die Mutter einer Tochter. „Aber mich beflügelt meine Arbeit, sie macht mir Spaß. Frauen dürfen sich nicht einschüchtern lassen!“

Redaktion
on 20. Juni 2017

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