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Andrea Kiewel Kolumne
ZDF/M. Höhn
Kiwis Kolumne
Fahren Sie nach Tel Aviv

Kiwis Kolumne - Teil 27 - Lesen Sie hier ihre erste Kolumne nach 40 Wochen Pause, die sie sich selbst verordnet hat, um zur inneren Ruhe zu finden

Andrea Kiewel
on 9. Juni 2017

Ein leerer Terminkalender ist wie Mineralwasser ohne Sprudel - gesund aber auch ein kleines bisschen öde. Als ich schon dachte, mein Kalender 2008 wird am 1. Januar 2009 mit maximal fünf Einträgen ins Archiv wandern und dort von seinen Vorgängern ein Leben lang seiner Jungfräulichkeit wegen gehänselt werden, fand ich mich plötzlich Anfang Juli begleitet von großem Sohn und Freunden in einem Flugzeug wieder - Reiseziel Israel.

Wenn es einen Ort gibt, der mein Sommerherz noch mehr zum Schlagen bringt, als es der Fernsehgarten die letzten sieben Jahre getan hat, dann sind es Israel und die Menschen, die dort leben. Sollten Sie, liebe Leser, jemals eine extra Portion Lebenslust und Lebensmut brauchen, fahren Sie nach Tel Aviv. Ich weiß, es klingt ein bisschen befremdlich angesichts dessen, was wir aus den Nachrichten über Israel erfahren. Aber ich war da, sieben Tage lang und wenn es eine Liebesbeziehung zwischen einer Frau und einer Stadt geben kann, dann habe ich sie dort gefunden. Alles, was unser Leben, unsere Sehnsüchte, Erinnerungen, Träume und Wünsche ausmacht, ist in Tel Aviv zu finden: Tradition, Jugend, vergeben können, Hoffnung, Toleranz, Wagemut, Visionen, Lachen, Musik, Gebete, Mode, Architektur, Stille, Moderne, Frieden, Menschen, Jung, Alt - und das in einer XXL-Familienpackung. Mit meinem Sohn Max an dessen 22. Geburtstag an der Klagemauerin Jerusalem stehen zu dürfen, wird immer ein ganz besonderes Erlebnis für michbleiben.

Mein kleiner Sohn hingegen ist mittlerweile ein Vollblut-Erstklässler wie er im Buche steht. Nach seinem ersten Unterrichtstag, der ganze 90 Minuten lang war, jubelte er: „Mama, wenn jeder Tag so schön ist, gehe ich auch länger als 13 Jahre zur Schule!“ Als ihn neulich ein älterer Junge belehrte, dass erste Klasse ja wirklich nur Pillepalle sei, konterte mein Kleiner mit den Worten: „Gar nicht wahr! Wir haben heute nämlich mit Wachsmalstiften eine schlafende Gerade gezeichnet. Und damit sie nicht nass wird, haben wir ihr noch ein Dach drüber gemalt.“ Manchmal muss man einfach nur die Sicht auf die Dinge ändern, so wie mein kleiner Sohn und dessen neues Idol Harry Potter, dessen Boom zwar seit mindestens drei Jahren vorüber ist, aber wir sind mittendrin in Band Vier und rechnen jeden Tag damit, dass im Fernsehen endlich verkündet wird: Hogwarts gibt es tatsächlich! Was mein kleiner Sohn nicht weiß: Ich lese heimlich vor, weil ich unbedingt wissen will, wie die Geschichte weitergeht. Mal ehrlich – welches andere Kinderbuch auf der Welt macht Mütter lesesüchtig?

Sie merken es, liebe Leser, es geht mir gut. Die letzten neun Monate hat sich mein Leben sehr verändert und das, ohne auch nur ein winziges bisschen schwanger zu sein. Ich habe die besten Söhne der Welt, meine Eltern sind kerngesund und ich bin umgeben von lieben Freunden und Kollegen, denen ich von Herzen dafür danke, dass sie für mich da sind - zu jeder Zeit. Und ja - ich freue mich sehr, sehr wieder für Sie zu schreiben, liebe Leser. Sie haben mir gefehlt! Das nächste Mal berichte ich Ihnen von meiner Reise nach Indien. Ich fliege für die Welthungerhilfe nach Kalkutta und fahre von dort aus auf eine Insel im Gangesdelta, wo neun von zehn Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben. Die Essensration pro Tag besteht aus einer Handvoll Reis. Es gibt keinen Strom und das Trinkwasser ist die meiste Zeit verseucht und ungenießbar. Keine der dort lebenden Frauen kann lesen oder schreiben. Ich war in der Tat überrascht über die Anfrage der Welthungerhilfe und bin sehr dankbar für die Möglichkeit, über das Leben der Menschen dort und die tatkräftige Unterstützung der Mitarbeiter der Welthungerhilfe in der ZDF-Gala am 22. Oktober  berichten zu dürfen. PS: Ich werde oft gefragt, wann ich ins Fernsehen zurückkehre. Sie wissen es, liebe Leser, ich liebe meinen Beruf und natürlich möchte ich wieder moderieren dürfen, aber wann genau das sein wird, steht noch in den Sternen.In diesem Sinne - Shalom!

Andrea Kiewel
on 9. Juni 2017

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