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Nadja Becker und Steffen Groth in der Komödie Kissenschlacht
H. Ulrich/SAT.1
Nadja Becker und Steffen Groth als Kinderlose
Kissenschlacht: Komödie thematisiert Leihmutterschaft für kinderloses Paar

In der turbulenten SAT.1-Komödie „Kissenschlacht“ spielen Nadja Becker und Steffen Groth mit viel Witz ein Ehepaar, das alles versucht, um ein Kind zu bekommen

Redaktion
on 23. Mai 2017

Nadja Becker (bekannt als Freundin von „Danni Lowinsky“) und Steffen Groth („Sehnsucht nach drüben“) haben noch nie zusammen vor der Kamera gestanden, kannten sich nur um vier Ecken. In der turbulenten SAT.1-Komödie „Kissenschlacht“ spielen sie mit viel Witz und absoluter Stimmigkeit ein Ehepaar, das alles versucht, um ein Kind zu bekommen. Wir haben Ihnen zum Thema Beziehung, Kinder und Karriere auf den Zahn gefühlt.

Die Geschichte: Anna Nadja Becker und Michael Steffen Groth haben alles versucht, um ein Baby zu bekommen. Aber es klappt einfach nicht. Maria, eine russische Säuglingsschwester in der Klinik ihres Freundes, ist bereit, als Leihmutter ihr Kind auszutragen. Ein turbulentes Versteckspiel beginnt, da Anna ihren Schwiegereltern – großartig gespielt von Christiane Krüger und Dieter Hallervorden - und allen Freunden vorgaukelt, schwanger zu sein …

Was hat Ihnen beim Drehen besonderen Spaß gemacht?

Steffen Groth: Da wir den Film in relativ kurzer Zeit drehen mussten, hatte ich meine Zweifel. Zumal Nadja und ich uns auch nur entfernt kannten. Wir haben dann Kontakt aufgenommen und uns verschworen. Das sah so aus, dass wir uns in jeder Drehpause zurückgezogen haben und den Text noch mal und noch mal durchgegangenen sind.

Nadja Becker: Bis an die Schmerzgrenze. Früh sind wir ans Set gefahren, haben gedreht und dann abends noch bis zum Umfallen Text gelernt. Und so ging das jeden Tag.

Das klingt, als seien da zwei Perfektionisten zugange gewesen?

Nadja Becker: Nee, ich bin kein Perfektionistin, eher anspruchsvoll.

Steffen Groth: Auf jeden Fall. Um auf die Frage nach dem Spaß zu kommen: Das Coole war, je intensiver das Spiel wurde, desto mehr Spaß hat es gemacht. Wir haben uns auf die Texte und als Figuren voll auf einander eingelassen. Das war für mich das tollste Erlebnis überhaupt. Ich hatte das Gefühl, dass nicht wir, sondern zwei andere wahrhafte Menschen das alles erleben.

Nadja Becker: Es war magisch, wie plötzlich die Energien geflossen sind. Das hört sich so hochtrabend esoterisch an, aber es war wirklich schön.

Was wäre wohl passiert, wenn diese Magie zwischen Ihnen nicht funktioniert hätte?

Nadja Becker: Weiß nicht. Dann wäre es ein anderer Film geworden. Wir hatten Glück, dass es diesen Moment gab, wo man Fahrt aufnimmt.

Steffen Groth: Es wäre vielleicht nicht diese Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren entstanden. Generell kann man einfach sagen, wenn das Spiel der Darsteller miteinander gut funktioniert, dann ist das auch immer ein Qualitätsgewinn für jeden Film.

Wann haben Sie herausgefunden, dass die Schauspielerei das ist, was Sie im Leben wollen?

Nadja Becker: Ich habe länger gebraucht, um mir das zuzutrauen. Aber wenn ich zurückblicke, denke ich: Es war immer klar. Ich habe im Kindergarten Theater gespielt, in der Grundschule ... Es hat sich nur hingezogen. Mein erster Anlauf hat nicht so geklappt, wie ich mir das gewünscht habe. Ich bin Umwege gegangen und erst seit 2007 wirklich in diesem Beruf. Anders als bei Steffen hat keiner aus meiner Familie einen künstlerischen Beruf. Da braucht man Kraft aus sich selber heraus, um diesen Weg dann wirklich zu gehen.

Herr Groth Ihr Vater war 1. Solotrompeter der Berliner Philharmoniker und lehrt jetzt an der Universität der Künste. Was hat Sie davon abgehalten, auch Musiker werden?

Steffen Groth: Es kam mir nicht in den Sinn, Musiker zu werden, obwohl mir und meinem Bruder Musik schon wichtig ist. Rückwärts betrachtet wollte ich mich wohl nicht in den Vergleich begeben – was ich als Kind so nicht gedacht habe. Ich wollte immer nur Schauspieler werden. Ich bin zu Kindercastings gegangen und wurde nie genommen. In der Schule, wo man erst ab der 10. Klasse in die Theater-AG durfte, habe ich genervt, bis sie mich als Siebtklässler aufgenommen haben. Ich durfte dann spielen, was die anderen nicht wollten.

Der Film dreht sich um ein Paar, das alles tut, um ein Kind zu bekommen. Welche Rolle spielt der Gedanke an Kinder in Ihrem Leben?

Nadja Becker: Ich bin Anfang 30 und habe keine Freundin, bei der das kein Thema ist. Manchmal denke ich: Da müsste jetzt bald mal eins ran und dann wieder: Ach nee, noch nicht.

Steffen Groth: Das klingt, als ob du dir das Kind aus dem Supermarkt holst.

Nadja Becker (geht lachend auf den Scherz ein): Nehme ich heute das kleine, große oder mittelgroße? – Also, ich kann mir noch nicht wirklich vorstellen, Mutter zu werden. Wenn man den richtigen Partner hat, kommt der Gedanke sicher eher.

Ich habe gehört, Sie beide hätten etwas miteinander? Man hat gesehen, wie Sie sich geküsst haben.

Steffen Groth: Verrückt, was? – Ich finde es faszinierend, wie so Gerüchte entstehen. Dass das plötzlich überhaupt eine Relevanz hat, ob Steffen Groth und Nadja Becker was miteinander haben.

Nadja Becker: Als meine PR-Agentin mir das erzählt hat, dachte ich: Erstaunlich, wie etwas, das nicht passiert ist, plötzlich so als Tatsache auftaucht. Im Klartext: Wir haben nicht geknutscht, und ich habe keinen Freund.

Steffen Groth: Also, ich stehe zur Zeit auch in keiner Beziehung. Generell aber finde ich, meine Verhältnisse zu dritten Personen gehen die Öffentlichkeit nichts an.

Nadja Becker, Steffen Groth und Annika Blendl in Kisssenschlacht
H. Ulrich/SAT.1

Schon bald treibt Anna (Nadja Becker, M.) die Eifersucht um, denn Michael (Steffen Groth, r.) verbringt sehr viel Zeit mit der attraktiven Leihmutter Maria (Annika Blendl, l.) und deren Sohn ...

Nichtsdestotrotz kann man einiges aus Ihrem Privatleben im Internet nachlesen: Sie haben zwei Kinder, sind von der Mutter inzwischen getrennt. Wenn Sie gestatten, würde ich in Bezug auf den Film gern wissen, ob Ihre Kinder Wunschkinder waren?

Steffen Groth: Ja, sie waren schon geplant in dem Sinne, dass wir uns voll bewusst waren, dass ein Kind rauskommen kann bei dem, was wir tun.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Ihre Frau schwanger war?

Steffen Groth: Mit mir ist schon im Vorfeld etwas passiert, dass man Baby-blöd nennen könnte. Ohne überhaupt einen bewussten Kinderwunsch zu haben, habe ich angefangen, Kinderwagen hinterher zu gucken. Da habe ich mich dann schon gefragt, was plötzlich mit mir los ist. Als es dann soweit war, wollte ich natürlich so viele Erfahrungen wie möglich mit meiner Frau teilen.

Nadja Becker (lachend): Hattest du auch Stilldemenz?

Steffen Groth: Nein, aber ich bin beim ersten Kind während der Schwangerschaft mit dick geworden. 10 Kilo habe ich zugenommen! Ein Kumpel hat dann im Internet herausgefunden, dass es bei Affenmännchen genauso ist.

Woraus sich schlussfolgern ließe, dass Sie sich eine Beziehung ohne Kinder nicht vorstellen können?

Steffen Groth: Ich finde es in einer Beziehung einfach wichtig, dass man immer guckt, was der jeweilige Beziehungspartner will, und dass man sich regelmäßig gegenseitig fragt, ob es Wünsche oder Träume gibt. Und wenn das ein Kind ist und beide das wollen ... Bei uns war das so, und dann haben wir das gemacht.

Wie weit würden Sie gehen, um ein Kind zu bekommen, sollte es sich nicht auf dem üblichen Wege ergeben? Wenn es immer wieder zu Fehlgeburten kommt wie im Film?

Nadja Becker: So weit wie meine Filmfigur würde ich nicht gehen. Es ist natürlich sehr schmerzhaft, wenn man keine eigenen Kinder bekommen kann. Das Schwangersein ist für eine Frau eine existenzielle Erfahrung, soweit ich das beurteilen kann. Die kann ihr keine Leihmutter ersetzen. Und wenn ich ehrlich bin, ist es für mich schwer vorstellbar, dass mein Kind in einer anderen Frau herauswächst. Für mich wäre eine Adoption eine Alternative.

Steffen Groth: In einer Beziehung muss man gemeinsam herausfinden, wie weit man gehen möchte. Wie wichtig einem ein gemeinsames Kind ist. Und wenn der Wunsch extrem stark ist, sollte man auch bis an die Grenze gehen. Man sollte sich in einer Beziehung immer bemühen, einen gemeinsamen Nenner zu finden, egal worum es geht. Wenn das Leben nicht in Ordnung ist, wird es auch nicht durch ein Kind gerichtet.

Wie nah waren Ihnen die Figuren, gerade auch in der Szene, als das Kind zur Welt kommt?

Nadja Becker: Anna und Michael waren unglaublich präsent für uns beide.

Steffen Groth: Natürlich habe ich meine Erfahrung mit eingebracht. Ich war bei beiden Geburten dabei. Klar kenne ich diesen Moment, die Anspannung, die Angst, die man hat, die Freude. Diesen irrwitzigen Mischmasch an Gefühlen, den man nicht beschreiben kann. Man findet auch nicht das eine Wort dafür. Im Rückblick ist es vielleicht romantisch. Aber tatsächlich fahren die Empfindungen Achterbahn.

Herr Groth, waren Sie bei der zweiten Schwangerschaft abgeklärter?

Steffen Groth: Wissender. Ich war bei uns fürs Kochen zuständig und habe überlegt, was ist schwangerengerechte Ernährung? Also, habe ich geguckt, dass zum Beispiel genug Eisen im Essen enthalten ist. Natürlich ich habe mich genauso gefreut wie beim ersten Kind und bin mit zur Schwangerenberatung – ins Allerheiligste, wie ich das Untersuchungszimmer genannt habe. Im Ultraschall die ersten Bewegungen zu sehen, war ergreifend. Aber viel berührender war für mich, ein Fäustchen oder ein Knie zu fühlen, wenn plötzlich so eine Beule am Bauch entsteht. Und so habe ich das auch gespielt. Als der Michael das erste Mal im Bauch der Leihmutter die Bewegungen des Kindes spürt, ging er – also ich – auf der Straße in die Knie.

Wie hat der umgeschnallte Schwangerschaftsbauch eigentlich auf Sie gewirkt, Frau Becker?

Nadja Becker: In dem Moment, wo man sich den Bauch umschnallt, bekommt man ein Gefühl, wie sich Schwangersein anfühlt. Erstaunlich fand ich, wie schnell sich das auf den ganzen Körper übertragen hat. Das macht mich neugierig auf die echte Schwangerschaft.

Wie müsste für Sie eine Traumbeziehung aussehen?

Nadja Becker: So wie die von Anna und Michael. Er sagt immer zu ihr: Wir schaffen das. So einen Menschen zu finden, so eine Beziehung zu haben, fände ich ideal.

Brauchen Sie so einen Fels in der Brandung?

Nadja Becker: Braucht doch jeder. Und da rede ich nicht nur von Männern. Meine Familie, jede meiner Freundinnen sind mein Fels in der Brandung. Dafür liebe ich sie, und das sage ich ihnen auch.

Steffen Groth: Für mich ist Ehrlichkeit der stärkste Grundpfeiler für eine Beziehung. Viele glauben, dass eigene Glück liege nicht in einem selbst, sondern im Partner. Ich habe oft genug erlebt, dass sich zwei Leute gegenüberstehen und stumm anbrüllen: Mach mich endlich glücklich! Daraus entsteht Frust, der ihnen die Möglichkeit nimmt, Zufriedenheit zu entwickeln. Für mich ist wichtig, dass man einander akzeptiert, sich nimmt wie man ist und gleichzeitig guckt, wie der andere einen sieht. Und wenn man nicht mehr miteinander kann, muss man nicht – aus welchem Grund auch immer – weiter zusammen bleiben. Auch wenn die Trennung schmerzhaft ist. Und das ist sie meistens.

Wie viel Zeit geben Sie sich noch bis zum ersten Kind?

Nadja Becker: Ich habe keinen Druck. Dafür fühle ich mich zu wohl. Es läuft beruflich gerade alles so schön. Ett kütt wie ett kütt, wie der Kölner sagt.

Eine letzte Frage an Sie, Herr Groth. Was hat Sie gepiesackt, dass Sie sich 2008 mit Stefan Raab im Turmspringen gemessen haben?

Nadja Becker (platzt gleich los): Na, der 1. Platz ...

Steffen Groth: Ich habe damals mit Wolke Hegenbarth gedreht, die machte da mit und hat mich gefragt. Ich war früher Geräteturner und hatte Bock, Turmspringen zu lernen und von einem Olympioniken trainiert zu werden. Und es hat riesigen Spaß gemacht.

Redaktion
on 23. Mai 2017

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