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Karoline Herfurth
X-Verleih
Karoline Herfurth über „Vincent will meer“
Schwere Magersuchtsrolle: „Meine Figur hat mich stark mitgenommen“

Karoline Herfurth ist eine feste Größe im Schauspielgeschäft. Die 25-jährige Berlinerin glänzte bereits in „Das Parfum“, „Im Winter ein Jahr“ und in „Berlin 36“. Nun ist sie als Magersüchtige in dem Kinofilm „vincent will meer“ zu sehen. SUPERillu traf sie zum Interview

Redaktion
on 29. Mai 2017

Sie spielen in „vincent will meer“ die rebellische Magersüchtige Marie, die aus dem Therapiezentrum flieht. Hatten Sie vor dem Dreh Kontakt zu Magersüchtigen?

Nein. Ich habe mich aber vorab mit Psychologen über die Krankheit unterhalten. Es war anfangs sehr schwer, mich in die Gefühlswelt der Marie reinzufinden. Sie ist selbstzerstörerisch und es tut weh, ihre Gefühle nachzuempfinden. Magersucht erzählt von einem unglaublichen Selbsthass, wie ich ihn privat noch nie erlebt habe und auch nie erleben möchte.

Konnten Sie sich nach Drehschluss problemlos distanzieren?

In der Regel entferne ich mich nach dem Dreh wieder von meiner Rolle. Bei „vincent will mehr“ bin ich nicht nur schwer aus der Rolle, sondern auch schwer in sie rein gekommen. Ich habe mich innerlich unabsichtlich lange gegen das Eintauchen in die kranke Gefühlswelt von Marie gewehrt und musste Wege finden, um das zu schaffen.

Und wie ist es Ihnen gelungen?

Es gibt bei jeder Figur immer so einen Schlüsselmoment und der trat für mich ein, als ich in New York im Museum für moderne Kunst war und gestresst durch die vollen Räume lief. In einem Raum waren ganz viele Figuren von Alberto Giacometti, deren Körperhaltungen mich total an Marie erinnerten. Ich habe mir Skizzen gemacht, mit denen ich dann das Drehbuch abgearbeitet habe.

Stimmt es, dass Sie ein Körperdouble hatten?

Ja, zum Beispiel bei der Liebesszene, bei der Vincent Marie über den Rücken fährt.

Stand es zur Debatte, dass Sie für den Film abnehmen müssen?

Für mich war von Anfang an klar, dass ich mich nicht auf 38 Kilo runter hungere, aber das musste ich auch nicht. Meine Schulterknochen sind von Natur aus gut zu sehen und ab dem Gürtel konnte man das Gewicht gut retuschieren. Wir haben für die authentische Optik der Magersüchtigen ganz viel mit Make Up gemacht und auch geschafft, wie ich finde. Als ich das Ergebnis dann sah, habe ich einen richtigen Schreck bekommen.

War die Rolle der Marie auch deshalb besonders anstrengend?

Nein, meine Rollen in „Im Winter ein Jahr“ oder „Eine andere Liga“ waren genauso anstrengend. Ich muss zugegeben, dass mich Figuren mit dieser Seelentiefe ganz schön mitnehmen. Ich muss mich ja mit Themen auseinandersetzen, die mich privat eher selten tangieren. Ich bin dankbar für diese Rollen, ich würde aber auch gern mal in einem Politthriller, einem Fantasy-Film oder Komödie mitzuspielen.

Ihnen müssen die Filmemacher nach „Das Parfüm“, „Im Winter ein Jahr“ oder „Berlin 36“ doch die Bude einrennen ...

Nicht unbedingt. Nicht jedes Drehbuch gefällt einem und ich passe auch nicht auf jede Rolle. Außerdem platzen derzeit viele Projekte wegen der Finanzkrise.

Haben Sie Ihre Rolle in „vincent will meer“ mal unabhängig davon sofort angenommen?

Ja, ich fand das Drehbuch sofort klasse. Leicht und trotzdem ernst, charmant und nie ohne Hoffnung - einfach toll.

Im Film geht es auch um Einsamkeit. In welchen Momenten sind Sie einsam?

Wenn ich in Hotels wohne. Das ist furchtbar: Man hat einen aufregenden Tag mit vielen Menschen, kommt dann in dieses unpersönliche Zimmer und ist allein. Wenn ich länger in einem Hotel bleibe, nehme ich mir deshalb auch Fotos von meiner Familie mit und hänge Tücher auf. Manchmal habe ich einen Sechzehn-Stunden-Tag und gehe danach sofort ins Bett. Schlafen kann ich dann aber nicht gleich, denn ich grusel mich immer, wenn ich allein im Zimmer bin. Das ist die dunkle Seite des Berufs (lacht).

Gehört dazu auch der Anspruch vieler Schauspielerinnen, dünn sein zu wollen?

Ich denke nicht, dass der Druck bei uns besonders groß ist, in den Magerwahn zu verfallen. In Deutschland ist er viel geringer als zum Beispiel in Hollywood. Ich mach mir darüber aber auch keine Gedanken, denn mich langweilt das Thema. Es gibt so viel spannenderes im Leben. Und wenn's mal in der Hüfte zwickt, gehe ich schwimmen oder reiten.

Redaktion
on 29. Mai 2017

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