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Karl May als Old Shatterhand
Karl-May-Verlag, Bamberg
175. Geburstag
Karl May und die DDR

Erst gehasst, dann geliebt – und wie zwei Karl-May-Verfilmungen in der DDR zu Straßenfegern wurden

Redaktion
on 19. Juni 2017

Karl May, der große Schriftsteller-Sohn Sachsens, der am 25. Februar 175 Jahre alt geworden wäre, war in den Anfangsjahren der DDR nicht gut gelitten. Die SED-Oberen warfen ihm „Rassismus“ und „Deutschtümelei“ vor, wohl auch, weil Adolf Hitler den Abenteuer-Autoren verehrt hatte.

Als aber in Westdeutschland in den 60er Jahren die Winnteou-Verfilmungen mit Pierre Brice und Lex Barker zu Kino-Kassenschlagern wurden, setzte auch zwischen Rügen und Erzgebirge ein Indianer-Boom ein. Western-Vereine entstanden und die Gojko-Mitić-Filme kamen ab 1965 in die Lichtspielhäuser. Karl May selbst blieb aber ein Tabu.

Das ändert sich 1982. Im DDR-Fernsehen liefen zu Weihnachten mit großem Erfolg die Winnetou-Filme mit Pierre Brice. Plötzlich wurde Karl May als „Proletariersohn“ und als „Kämpfer“ gegen den US-Imperialismus wiederentdeckt. 1982 und 1983 wurden seine Werke durch den Verlag Neues Leben neu publiziert; beide Auflagen – in Höhe von 250 000 Exemplaren  – waren binnen weniger Tagen vergriffen.

Drei Jahre nach diesem Erfolg (und auch nachdem Erich Honecker und Egon Krenz das Karl May-Museum in Radebeul höchstpersönlich hatten neu gestalten lassen)  erhielt die Regisseurin Vera Loebner von der DEFA den Auftrag,  Das Buschgespenst (Band 64 der Karl-May-Romane) zu verfilmen. Loebner, die später durch die Fernsehserien „Der Staatsanwalt hat das Wort“, „Liebling Kreuzberg“, „Unser Lehrer Dr. Specht“ und „Familie Dr. Kleist“, Deutschlandweit bekannt werden sollte, inszenierte den Stoff, der im 19. Jahrhundert im Erzgebirge spielt, in zwei Folgen. Die am 26. und 28. Dezember 1986 ausgestrahlten Teile (u.a. mit Ulrich Mühe, Jenny Gröllman und Fred Delmare) waren ein voller Erfolg und Straßenfeger in der DDR.

Das Buschgespenst

ARD Video

Nicht ganz so erfolgreich ware die zweite May-Verfilmung durch die DEFA 1988. Der Zweiteiler „Präriejäger in Mexiko“ (u.a. mit Gojko Mitić) nach den Romanen Benito Juarez (Gesammelte Werke, Band 53) und Trapper Geierschnabel (Gesammelte Werke, Band 54) war wohl zu politisch als „Befreiungskampfes des unterdrückten Volkes gegen imperialistische Mächte“ verfilmt worden und wurde heftig kritisiert, weil man sich von den Romanvorlagen zu weit entfernt hatte. Auch wenn die Filmmusik von Karl-Ernst Sasse hoch gelobt wurde, plante man keine weitere May-Verfilumg mehr.

Hier den 2. Teil in voller Länge anschauen:

Praeriejaeger in Mexiko film 2 DDR

Tassilo Berzenau
Redaktion
on 19. Juni 2017

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