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Kai Schumann
J. Weyrich/SUPERillu
Kai Schumann im Interview
Vom Stripper zum Yogalehrer

Kai Schumann kennt man vielleicht durch seine Rollen als Stripper („Liebe macht sexy“), Rechtsmediziner („Tatort Leipzig“) oder als Gynäkologen („Doctor's Diary“)

Redaktion
on 26. Mai 2017

Jetzt ist der gebürtige Dresdner ab 7. April auch als sexsüchtiger Yoga-Lehrer in der ZDF-Serie „Klimawechsel“ zu sehen. SUPERillu traf ihn in Berlin zum Interview.

Im Sat.1-Film „Küss dich reich“ vom 23. April 2010 spielten Sie den Redakteur Stani, der sich für eine Story als Millionär ausgibt und damit ein Gefühlschaos auslöst. Mögen Sie Liebesfilme?

Ja, aber „Küss dich reich“ ist eher eine romantische Verwechslungskomödie als ein klassischer Liebesfilm. Die Mischung aus Humor und Romantik hat mir schon vom Drehbuch her sehr gut gefallen.

Haben Sie privat schon mal so eine komplizierte Liebesgeschichte wie im Film erlebt?

Mit siebzehn habe ich mich unsterblich in die Freundin meines damaligen besten Freundes verliebt, das war schon sehr kompliziert und tragisch und hat weitaus weniger Spaß gemacht als z.B. „Küss Dich reich!“

Gibt es eine Anekdote zum Dreh von „Küss dich reich“?

Wir haben 2008 gedreht und mein Anekdotengedächtnis ist ganz schlecht (lacht). Am beeindruckendsten fand ich mein erstes Zusammentreffen mit Felizitas Woll beim Casting. Sie hatte eine unglaublich direkte Art zu spielen. Ich war immer kurz davor zu fragen: „Entschuldigung, spielen wir noch?“ Aber danach war auch klar, dass wir zusammen drehen müssen ...

In vielen Rollen sieht man Sie als gutaussehenden Macho. Nervt Sie das?

Im Gegenteil, ich hoffe immer noch auf eine Rolle in dem 15. Remake von „Gefährliche Liebschaften“ oder in „Die drei Musketiere“ (lacht). In Deutschland wird man als gutaussehender Mann oder Frau  natürlich eher in Liebhaberrollen gesehen als in Charakterrollen. Okay ich habe den Magnus Hirschfeld gespielt. Einen sozialistischen, jüdischen und schwulen Arzt, der sich um 1900 für die Abschaffung des Schwulenparagraphen eingesetzt hat. Aber das war eher eine Ausnahme. Doch ein Lover kann auch eine Charakterrolle sein, wie zum Beispiel in „Klimawechsel“.

In der ZDF-Serie spielen Sie den acht Jahre jüngeren Freund von Andrea Sawatzki. In „Liebe macht sexy“ machten Sie Simone Thomalla schwach. Ist es an der Zeit, dass ältere Frauen ihre jungen Männer zeigen?

Natürlich! Warum nicht? Ich finde es persönlich total irrelevant, wer wie alt in einer Beziehung ist, solange es nicht um die Verführung von Minderjährigen geht.

In „Klimawechsel“ spielen Sie einen sexsüchtigen Yogalehrer. Erzählen Sie mal!

Ronnie lehrt Hormon-Yoga für Frauen in den Wechseljahren. Er ist den Frauen sehr zugetan und will nur ihr Bestes. (lacht) Nein, im Ernst das ist eine fantastisches Serie. Das Fernsehen ist voll von Männern, die über ihre Midlifecrisis berichten. Aber was wissen wir über Frauen in den Wechseljahren? Dieses wichtige Thema ist doch bisher völlig unterbelichtet! Durch „Klimawechsel“ werden wir Männer endlich mal aufgeklärt. Und Doris Dörrie und die wundervollen HauptdarstellerInnen tun dies zudem auf sehr humorvolle Art und Weise.

Im Leipziger „Tatort“ spielen Sie einen Rechtsmediziner, in „Liebe macht sexy“ einen Stripper, in „Doctor's Diary“ einen Gynäkologen und nun in „Klimawechsel“ einen Yogalehrer. Welche Rolle fehlt noch auf Ihrer Liste?

Wenn ich die alle aufzählen würde, säßen wir morgen noch hier. Ich würde wahnsinnig gern mal einen historischen Film drehen. Auch die ostdeutsche Geschichte ist ein sehr interessantes Thema.

Warum?

Ich bin in der DDR aufgewachsen und zur Schule gegangen. 1989 war ich zwölf Jahre alt. Da kam dann plötzlich das andere System mit all seinen Wahrheiten. Das hat mich geprägt und damit würde ich mich gern auch mal in einer Rolle intensiv auseinandersetzen. Und das hat nichts mit Ostalgie zu tun! Politik hat mich schon immer interessiert, das hab ich von meiner Familie. Meine Großeltern waren Kinderärztin und Architekt und engagierten sich stark in der evangelischen Kirche. Da wurde immer kontrovers diskutiert. Am Theater setzte sich das dann fort.

Wird man als bekennender Ossi bei Rollenangeboten anders behandelt? Oder spielt die Herkunft - im Idealfall - keine Rolle mehr?

Es gibt schon noch Regisseure aus dem Osten, vor allem am Theater, die Wert auf eine fundierte Ausbildung an einer renommierte Schauspielschule des Ostens legen. Aber in der Regel spielt das keine Rolle. Warum auch? Diese Ausbildung, so gut sie auch ist, kann nicht als alleiniges Qualitätskriterium für einen Schauspieler gelten. Und tut sie übrigens auch nicht.

Was reizt Sie generell mehr: Theater oder TV & Kino?

Mir macht beides großen Spaß, deshalb würde ich mich nur ungern festlegen wollen. Allerdings habe ich 2008 das letzte Mal Theater gespielt, seitdem hält mich das Fernsehen gefangen (lacht).

Sie sind in Dresden geboren, in Plauen aufgewachsen, leben nun mit ihrer Familie in Hamburg und wohnen zwischenzeitlich in einer WG in Berlin. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

In Dresden bin ich geboren und habe da Verwandtschaft, die ich noch ab und zu besuche. In Plauen habe ich die Schule besucht, eine Jugendtheatergruppe gegründet und viele meiner Freunde leben dort. Schon allein deshalb bin ich noch regelmäßig in Plauen. Hamburg ergab sich irgendwann aus beruflichen Gründen, ich mag die Stadt als Wohnort sehr. Berlin ist aber eine willkommene Abwechslung. Nach dem Abitur wollte ich Schauspiel studieren, und da ich als klassischer Ossi nur an eine Ostschauspielschule wollte, war ich total glücklich, als es 1995 mit der Ernst-Busch-Schule in Berlin klappte. Seitdem liegt mir die Stadt sehr am Herzen.

Redaktion
on 26. Mai 2017

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