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Julia Jäger
ARD Degeto/Nicolas Maack
Julia Jäger verpasst Mitic
„Beim Brunetti-Dreh bin ich Gojko nicht begegnet“

Im großen Interview mit SUPERillu erzählt Schauspielerin Julia Jäger vom emotional aufwühlenden Brunetti-Dreh, bei dem sie Gaststar Gojko Mitic verpasst hat

Redaktion
on 24. Mai 2017

In „Donna Leon – Das Mädchen seiner Träume“ erhält Commissario Guido Brunetti wie immer liebevolle Unterstützung von seiner Ehefrau Paola, wunderbar gespielt von Julia Jäger. Im Interview mit SUPERillu erzählt sie vom emotional aufwühlenden Dreh, bei dem sie Gaststar Gojko Mitic verpasst hat.

In „Donna Leon – Das Mädchen seiner Träume“ spenden Sie Ihrem Filmehemann Brunetti Trost nach dem Tod seiner Mutter. Können Frauen besser mit Trauer umgehen als Männer?

Ich denke schon, dass Frauen eher die Fähigkeit haben, über ihre Gefühle zu reden, als Männer. Die waren historisch betrachtet immer die Krieger, die ihre Gefühle nicht zeigen durften und konnten. Wenn sie mit derselben Sensibilität der Frauen, die ihre Kinder geboren haben, in die Kriege gezogen wären, wären die sicher anders ausgegangen ...

Was hat sich seit dem Tod von Christel Peters 2009 am Set verändert? In der nächsten Folge wird in Erinnerung an sie ein reales Bild von ihr eingeblendet ...

Das zu drehen war seltsam, aber ich finde es wunderschön, dass wir uns auf diese Art von ihr verabschieden konnten. Das Bild zeigte Christel als Mutter von Brunetti, war aber ein privates Bild von ihr. Dadurch wurde der Abschied von Christel natürlich realer.

Sie drehen seit 2003 mit Uwe Kockisch. Wie gut verstehen Sie sich mit ihm privat?

Ich fühle mich Uwe sehr verbunden, denn ich schätze ihn sehr als Schauspieler und als Mann. Uwe war für mich schon ein großartiger Schauspieler, als ich noch studiert habe. Ich denke, inzwischen mögen wir uns beide sehr, denn wenn wir uns zufällig treffen, dann ist das immer sehr herzlich. Wir haben uns dieses Jahr z.B. zufällig auf der Straße in Berlin und auf der Berlinale getroffen. Da haben wir natürlich auch über Privates gesprochen.

Glauben Sie, der Zuschauer merkt einem TV-Paar an, dass es sich auch privat versteht?

Ich denke schon. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass man anders spielt, wenn man sich privat weniger gut versteht. Dann hält man sich z.B. eher an das Drehbuch und improvisiert weniger. Bei Uwe und mir ist das nicht so.

Verbindet euch vielleicht auch, dass ihr beide eine Ostvergangenheit habt?

Ich denke schon, dass wir Menschen aus der DDR uns nach wie vor erkennen. Man begegnet sich und irgendwann kommt das Gefühl auf, man kenne sich. Wir sprechen natürlich auch über Kollegen wie Jenny Gröllmann, mit der er lange zusammen gearbeitet hat, oder Ulrich Mühe und Gudrun Ritter, die wir beide kennen. Wir kennen dieselben Menschen, dieselben Theater in Berlin, das verbindet.  Zudem kennt mein Vater Uwe auch schon seit Ewigkeiten.

Könnten Sie sich vorstellen, mit einem Kommissar zusammenzuleben, der seine Fälle mit nach Hause nimmt?

Warum nicht? Ich würde mir aber Sorgen machen, dass er abends heil von seinem Job nach Hause kommt. Und dass er nicht ständig Überstunden schieben muss.

Davon kann Paola ein Lied singen ...

Das stimmt. Über Paolo Brunetti erfährt man dafür kaum, was in ihrem Alltag alles anfällt. Sie ist sehr weise und selbstlos und hat scheinbar viel Zeit für Brunetti. Wenn sie mehr eigene Geschichten erzählen könnte, gäbe es sicher mehr Konfliktpotential zwischen ihr und ihrem Mann.

Hätten Sie gern mehr Spielraum für Ihre Rolle?

Ich finde es gut so, wie es ist, aber ich fände es auch schön, wenn man von Frau Brunetti, die Professorin für Mathematik an der Universität ist, mehr erfahren würde. Man hat sie schon an der Uni gesehen, aber sie wird eher daheim als Fels in der Brandung mit viel Liebe und Verständnis für ihre Familie gezeigt.

Könnten Sie sich selbst vorstellen, in Venedig zu leben?

Nein. Venedig ist wunderschön, hat aber eine extrem absorbierende Energie. Die Stadt zieht mich immer total in ihren Bann, was sicher auch mit diesen morbiden, maroden Häusern und dem wenigen Grün zusammenhängt. Ich bin dann immer froh, zurück in Deutschland zu sein, wo viel mehr Grün ist, wo man spazieren und wandern gehen kann. Was sicher nicht viele wissen: Venedig hat bis auf wenige Ausnahmen alle Spielplätze auf Beton. Unser Sohn ist zehn Jahre alt und die beiden Mädchen sechs, die wollen sich am Set auch mal austoben – was nicht so einfach ist. Die venezianischen Kinder rollern zum Teil halsbrecherisch am Wasser entlang, da wird einem als Mutter ganz anders.

Wie handhaben Sie das in Berlin und in Deutschland mit der Betreuung Ihrer Kinder?

Zum Dreh kommt die Familie meist mit und in Berlin nimmt mein Mann gerade die Elternzeit. Dass er das macht, ist für mich aber nicht selbstverständlich, da er nicht automatisch in seinen Job als ... (bitte ergänzen) zurückkann.

In der nächsten Brunetti-Folge geht es um Romas in Venedig. Wie haben Sie die Realität vor Ort erlebt?

In den acht Dreh-Jahren in Venedig habe ich nichts von Übergriffen durch Romas gehört. Beim Drehen habe ich die Romas allerdings auch nicht getroffen, denn es gab keine Szenen zwischen ihnen und Frau Brunetti.

Dann haben Sie Gaststars wie Gojko Mitic und Jasmin Tabatabai auch nicht getroffen?

Nein, beim Dreh leider nicht. Gojko Mitic und Jasmin kenne ich natürlich, aber beim Dreh sind wir uns nicht begegnet, was natürlich sehr schade ist. Aber wenn man nur drei bis fünf Tage für zwei Folgen dreht, ist das auch nicht anders zu machen.

Wie lange werden Sie den Donna Leon-Filmen erhalten bleiben?

Hoffentlich noch eine Weile. Mir macht der Dreh immer wieder Freude, Venedig ist sehr spannend und über die Jahre hat sich ein echt tolles Teams entwickelt.

Werden Sie demnächst wieder mit Jochen Freydank drehen?

Mal schauen. Nach „Spielzeugland“ durfte ich mich sehr freuen, dass er mich für seinen ersten Tatort mitbesetzt hat. Wir haben letztes Frühjahr gedreht, der Tatort kam dann vor kurzem ins Fernsehen. Vielleicht gibt es ja bald wieder ein Angebot ...

Hakt man da als Schauspielerin auch mal nach?

Mir hat ein Regisseur irgendwann mal gestanden, dass es sehr schwierig ist, Freundschaften für Besetzungen heranzuziehen, weil die Rolle passen muss. So wie ich Jochen kenne, fragt er mich, wenn, dann ganz offiziell über meine Agentur an. Darüber würde ich mich natürlich sehr freuen.

Was steht bei Ihnen beruflich dieses Jahr noch an?

Ich habe zwei Filme gedreht, die dieses Jahr gesendet werden sollen, u.a. „Linda geht tanzen“.

Welche Art von Filmen mögen Sie privat?

Ich schaue nicht wirklich viel fern, da fällt mir nichts konkretes ein.

Dann zurück zu Brunetti: Er fragt in der kommenden Folge seine Frau, ob er genug gemacht hat in seinem Leben. Wie würden Sie diese Frage beantworten?

Es gibt sicher Sachen, die mir leid tun oder die dumm gelaufen sind, aber sie gehören zum Leben dazu. Wenn sie wissen wollen, ob ich alle meine Ziele erreicht habe, kann ich nur sagen: Viele Jahre lang hatte ich gar keine konkreten. Ich arbeite gern und mache das, was ich machen darf. Es wird auch sicher noch eine Menge passieren und deshalb sage ich mal, dass ich noch längst nicht alles erreicht habe.

Was bedeutet Ihnen die Rolle der Paola Brunetti?

Ich habe die Romane von Donna Leon lange vor meinem Engagement gelesen und fand die Familie damals schon toll, so liebevoll wie sie miteinander umging. Ich liebe die Figur der Paolo von Anfang an, ich liebe die Arbeit mit Uwe und ich fühle, wie sich meine Rolle immer mehr entwickelt. Sie wird immer reifer, was  natürlich auch daran liegt, dass ich immer ich reifer werde. Das finde ich toll.

Wie ähnlich ist Ihnen Paola Brunetti?

Ein wenig. Ich kann in der Figur Aspekte leben, die in mir als Privatperson drin sind. Ich denke ja, dass vieles, was wir Schauspieler zeigen,  aus der Privatperson entstammt. Was die Figur der Paola angeht: Ich mag, dass sie so klug und so feinhumorig sein darf, ich mag die Beziehung zu ihrem Mann und ihre leise Art, mit Menschen umzugehen.

Warum sind die Donna Leon-Filme Ihrer Meinung nach so erfolgreich?

In ihnen steckt einfach eine große Palette an Identifikationsmöglichkeiten für die Zuschauer, sei es die Familie, die Sekretärin, der Polizei-Chef. Natürlich bietet Venedig eine Traumkulisse und die Geschichten bieten immer noch kleine, menschliche Geschichten innerhalb des kriminellen Story. Natürlich sind sie nicht die Spannendsten, aber gerade das ist sicher auch ein positiver Fakt: die Geschichten entspannen. Vielleicht wollen die Zuschauer ja genau das ...

Redaktion
on 24. Mai 2017

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