Skip to main content
Kampf im Revier
S. Erhard/SAT.1
Comeback
Jürgen Heinrich mit „Wolffs Revier“ zurück

Die Sat.1-Serie „Wolffs Revier“ wurde im Jahr 2006 eingestellt. Am 17. Januar 2012 gab es mit dem Pilotfilm „Wolff - Kampf im Revier“ eine Wiederauflage. SUPERillu sprach mit Schauspieler Jürgen Heinrich

Redaktion
on 26. Mai 2017

Herr Heinrich, was haben Sie seit dem Aus von „Wolffs Revier“ 2006 alles gemacht?

Ich habe natürlich gearbeitet. Viel für die Öffentlich-Rechtlichen, vor allem fürs ZDF. Ich habe Filme gedreht wie „Echo der Schuld“, „Dresden“, „An die Grenze“, „Haltet die Welt an“ mit Corinna Harfouch sowie „Die Grenze“ für Sat.1. Gemessen an dem, was ich vorher gemacht habe, fühlte ich mich dennoch permanent unterbeschäftigt. Ich habe schließlich 13 Jahre lang dreizehn Folgen und jeden Herbst noch ein bis zwei Fernsehspiele gemacht!

Wie fühlte sich die plötzliche Freizeit damals für Sie an?

Ich habe eigentlich erst zwei Jahre nach dem Serien-Aus gemerkt, wie gut es mir ohne „Wolffs Revier“ geht. Ich hatte wieder Zeit für die Familie, für Freunde und für Dinge, die nichts mit der Serie zu tun haben.

Wie kam es dann 2010 zur Reaktivierung von Wolff?

Die Produzenten Christian Popp und Sigi Kamml, mit denen ich früher „Wolffs Revier“ gemacht hatte, fragten mich vor zwei Jahren, ob ich an einem Wiederbelebungsversuch interessiert wäre. War ich. Ich habe ihnen aber gesagt, dass ich keine Lust habe, da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben. Es sollte etwas Neues sein mit dem vertrauten alten Wolff. Und keine Serie mit 13 Folgen. Aber da habe ich offene Türen eingerannt ...

Waren Sie nicht enttäuscht, dass Sie jetzt nicht die Hauptrolle bekommen haben?

Nein, warum? Wolffs Revier ist auch so mein Revier. Warum sollen da nicht auch andere rumturnen? Wir wollten unseren treuesten Zuschauern ihren alten Wolff wiedergeben, aber wir wollten die Geschichten anders erzählen. Und dazu gehört ein neuer Kommissar, ein Schüler von Wolff, fast ein Freund, ein Gleichgesinnter. Wolff spielt ja immer noch eine tragende Rolle. Und es ist eben immer noch sein Revier ...

Hatten Sie bei Ihrer Rolle Mitspracherecht?

Ja, wir hatten gleich zu Beginn konstruktive Gespräche. Uns war allen klar, dass Wolff nicht mehr der ist, der er mal war. Nach der Schussverletzung im letzten 2005 gedrehten Film, die ihn fast umgebracht hat, hat er nun Schmerzen, die Psyche spielt verrückt, er nimmt Tabletten. Er kann so nicht mehr als Kommissar arbeiten, geht als Dozent an die Polizeiakademie und lernt dort Hauptkommissar Marck kennen. So weit, so gut. Aber dann gibt es wieder einen entscheidenden Einschnitt in seinem Leben, einen dramatischen.

Sind Sie mit Ihrer Wiedergeburt im Pilotfilm zufrieden?

Ich freue mich sehr über das, was wir da gemacht haben. Es macht mich stolz. Das ist ein spannender, tempogeladener, moderner Film geworden. Und diejenigen, die den alten Wolff geliebt haben, werden auch den neuen mögen. Der alte Sack ist immer noch besessen und geht durch dick und dünn. In seinem Schüler, gespielt von Stephan Luca, findet er sich zudem wieder.

Was wünschen Sie sich persönlich für den neuen Wolff?

Viele Zuschauer natürlich, damit es eine Fortsetzung gibt.

Wolff ist körperlich immer noch fit. Sind Sie es auch?

In Vorbereitung auf den Dreh habe ich mich richtig in Form gebracht und bin jeden Tag mindestens fünf Kilometer gerannt. Ich bin fitter als 2005!

Wo joggen Sie denn?

In Berlin, wo ich inzwischen auch schon mein halbes Leben wohne. Erst habe ich im Prenzlauer Berg gewohnt, dann in Lankwitz und bis vor drei Jahren in Friedenau. Jetzt bin ich überzeugter Charlottenburger.

Sie haben bei "Wolffs Revier" auch Regie geführt. Würden Sie das gern wieder tun?

Nein, das ist vorbei. So wie Christian Alvart das jetzt macht, könnte ich das auch nicht. Man merkt schon, dass inzwischen eine andere Generation am Hebel sitzt.

Welche deutschen Ermittler mögen Sie aktuell im TV?

Hannelore Hoger und die Münchner Kommissare. Ich gucke aber wenig deutsche Krimis.

Wissen Sie schon, wie eine eventuelle Fortsetzung des Pilotfilms mit Wolff aussehen könnte?

Ich weiß, wie es weitergehen könnte, wenn es denn weitergehen darf. Das Drehbuch wird gerade entwickelt ...

Andreas Wolff wird von Kommissar Marck und Kollegin Vicky abgeführt
A. Weychardt/SAT.1

Kampf im Revier: Andreas Wolff (Jürgen Heinrich) wird von Kommissar Marck (Stephan Luca, r.) und Kollegin Vicky (Nadeshda Brennicke) abgeführt

ZUR PERSON

Karriere

In der DDR drehte Heinrich über 40 Filme. Mit „Zum Beispiel Josef“ (1974, Foto mit Hans-Peter Reinecke, li.) von Erwin Stranka spielte er sich in die erste Riege der DDR-Darsteller. Es folgten Rollen u.a. in „Hostess“ (1975), „Der nachträgliche Held“ (1978) und „Märkische Chronik“ (1983). Eine seiner letzten DDR-Rollen spielte er in „Einzug ins Paradies“, einem Film, der erst zwei Jahre nach seiner Ausreise in den Westen ausgestrahlt wurde. Später folgten Auftritte u.a. in „Praxis Bülowbogen“, „Tatort“ und „Die Falle“. Seine wohl bekannteste Rolle hatte er schließlich in „Wolffs Revier“.

Familie

Heinrich wurde am 20.8.1945 in Gross-Godems bei Parchim geboren. Er wuchs in Neustrelitz, Magdeburg und Berlin auf. 1965 begann er ein Schauspielstudium an der Theaterhochschule Leipzig. 1983 erhielt er nach seinem Austritt aus der SED (1982) Berufsverbot. 1985 reiste er mit seiner Frau Gabriele, mit der er seit 1972 verheiratet ist, und seinen Kindern Katja und Fabian (heute 37 und 34) in den Westen aus. Nach der Wende kehrte er nach Berlin zurück.

Jürgen Heinrichs in „Zum Beispiel Josef“ mit Hans-Peter Reinecke
defd Deutscher Fernsehdienst

Durchbruch: Jürgen Heinrichs in „Zum Beispiel Josef“ mit Hans-Peter Reinecke (l.)

Redaktion
on 26. Mai 2017

Das passt dazu...