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Günther Fischer
A. Jungnickel/SUPERillu
Jazz-Legende
Das Günther-Fischer-Interview

Günther Fischer ist ein ostdeutscher Musiker, der sowohl vor als auch nach der Wende erfolgreich war. Jetzt wurde der weltbekannte Komponist 70. Wir trafen ihn ...

Redaktion
on 26. Mai 2017

Als großer Filmkomponist und Jazz-Musiker hat sich Günther Fischer weltweit einen Namen gemacht. Bis heute ist der Ausnahmemusiker mit seiner Band unterwegs, der auch seine Tochter Laura angehört. Mit seinem Freund, dem Künstler Armin Mueller-Stahl  (83), arbeitet Fischer seit Jahren eng zusammen. Gerade war er mit ihm auf Tour und präsentierte die gemeinsame CD.

Günther Fischer, der im tschechischen Teplitz geboren wurde, lebt seit 1997 u. a. in Irland. Er studierte zunächst am Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau, später an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Ostberlin. 1967 gründete er mit Reinhard Lakomy, Wolfgang „Zicke“ Schneider und Hans Schätzke die Günther-Fischer-Band. Die Gruppe wurde noch vor der Wende zum DDR-Exportschlager, reiste durch Europa, Asien und Afrika. Musikalisch unterstützt wurde sie u. a. von Veronika Fischer und Manfred Krug. Mit Letzterem bildete Fischer zehn Jahre lang ein erfolgreiches Team - bis Krug 1993 seinem Partner im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vorwarf, ihn für die Stasi bespitzelt zu haben. Was Günther Fischer zu diesem Vorwurf sagt und wie es ihm heute geht, erzählt er hier …

Herr Fischer, wie fühlt sich die 70 an?

Sie ist für mich nur eine Zahl. Klar klingt sie schrecklich. Ich fühle mich aber überhaupt nicht alt. An meinem Freund Armin Mueller-Stahl sehe ich, wie egal das Alter ist. Er hat mit 70 noch große Filme gemacht, und für ihn ist die Bühne genauso ein Gesundbrunnen wie für mich. Rente? Oh Gott, nein! Solange mich die Leute hören wollen, mache ich weiter.

Wie steht’s um Ihre Gesundheit? Irgendwelche Zipperlein?

Ich hatte früher Bandscheibenprobleme, jetzt habe ich nichts mehr. Es scheint: je älter desto gesünder. Meine Frau Petra findet meine Vitalität inzwischen schon anstrengend (lacht).

Wie halten Sie sich denn fit?

Mit Petra gehe ich wandern und laufe Ski. Ansonsten radle ich jeden Tag auf meinen Heimtrainern. Von denen habe ich überall einen stehen. Momentan fahre ich natürlich lieber draußen. In Deutschland gibt es wunderbare Radwege, die ich nach und nach erkunde. Allein hier im Märkischen ist das Fahrradfahren ein Traum.

Sie waren gerade auf Tour …

Im März und April bin ich mit Armin durch Deutschland getourt, danach hatte ich mit meiner Band ein paar Konzerte. Jetzt ist erst mal Pause, bevor Ende September bis Mitte November wieder Konzerte stattfinden. Unser Programm und die CD heißen „Es gibt Tage“. Ich spiele Klavier und Saxofon, Armin singt und spielt Geige, Tobias Morgenstern Akkordeon und Tom Götze Bass.

Sind Sie mit Ihren Musikern befreundet?

Sagen wir mal so: Nicht jeder Bekannte oder Arbeitskollege ist auch ein Freund. Meine Bandkollegen schon. Wolfgang Schneider z. B., den kenne ich seit 30 Jahren. Mit Armin Mueller-Stahl verbindet mich seit 50 Jahren ebenfalls eine tiefe Freundschaft. Mit Rainer Oleak bin ich genauso befreundet. Zwischen zwei Komponisten ist eine Freundschaft ja selten, aber wir kennen kein Konkurrenzdenken. Kannte ich nie. Allerdings traf man sich früher mit Kollegen zum Arbeiten und weniger privat.

Gab’s keine wilden Musiker-Partys?

Doch! Ab 1965 ging es bei mir mit dem Jazz los und ich versuchte, mich avantgardistisch zu geben, mit langen Haaren und so (lacht). Drogen gab’s in der DDR ja abgesehen vom Alkohol keine, geraucht habe ich seit meinem 20. Lebensjahr auch nicht mehr. Allerdings hatte ich damit schon mit zwölf Jahren angefangen, nachdem mein Vater verstorben war.

Damals wohnten Sie noch in Zwickau. Waren Sie mal wieder da?

Ich war erst vor Kurzem an der Paradiesbrücke, wo ich früher im Internat gelebt hatte. Es war herrlich! Plauen und Zwickau waren für mich  zwar eine kurze, aber sehr prägende Zeit. Da habe ich die Pubertät und meine erste Liebe erlebt. Und dort wurde der Grundstein für meinen späteren Beruf gelegt.

Wie viele Platten haben Sie inzwischen?

Ich habe u. a. für über 200 Spiel- und Kinofilme und über 500 Fernsehfilme und TV-Serien die Musik geschrieben. Was die Platten angeht: Mit Uschi Brüning hab ich zwei gemacht, mit Manfred Krug vier. Die fünfte kam ja nicht mehr raus. Mit Veronika Fischer eine und mit Klaus Lenz ebenfalls. Für den Film „Solo Sunny“ habe ich Lieder komponiert, die sogar in den USA in den Charts waren.

Ihre Lieder werden gern gecovert …

Stimmt. Inzwischen spielen sogar viele junge Bands meine Lieder. „Fettes Brot“ hat z. B. einen Titel von mir gemacht, was ich sehr schön finde. Jan Josef Liefers hat den Song „Wenn der Urlaub kommt“ aus den 70er-Jahren auf seiner CD gecovert. Und Dirk Michaelis spielt auf seinem Album „Unser Abend war wunderbar“.

Wie bekannt sind Sie in Irland, wo sie seit 1997 in Cork leben?

Da kennt man mich als Jazz-Musiker. Inzwischen habe  ich da sechs Jazz-CDs gemacht und bin bei Festivals z.B. in Dublin und Cork neben Stars wie James Williams aufgetreten.

Wie oft sind Sie noch in Deutschland?

Das hängt von meiner Arbeit ab. Die meiste Zeit des Jahres bin ich in Irland, arbeite aber auch in Österreich, der Schweiz und Frankreich. Der Wechsel ist für mich spannend. Hier in meinem Haus am Seddinsee bin ich natürlich immer gern.

Hier haben Sie seit 1983 Stars von Welt empfangen …

Ich erinnere mich an jeden einzelnen gern. Harald Juhnke und Günter Pfitzmann waren öfters da. Sean Penn und Tony Curtis einmal. Für deren Filme habe ich 1983 und 1986 die Musik komponiert. Für Marlene Dietrich und David Bowie 1978. Das waren noch Zeiten …

Was treibt Sie heute noch an?

Ich mach mir darüber keine Gedanken. Man muss natürlich aufmerksam bleiben und sich inspirieren lassen. Ein bestimmtes Ritual brauche ich dafür aber nicht. Ich spinne mich einfach in meine Welt ein. Wenn dann noch Zeitdruck hinzukommt, kommen die Ideen von allein. Ich war übrigens nie von Haus aus so fleißig, wie ich es jetzt bin. Nachdem mein Vater 1957 gestorben war, war ich auf mich allein gestellt. Meine Mutter, die 1992 mit 80 Jahren starb, war eine sehr liebe Frau, aber ich war Einzelkind und musste alleine klarkommen. Inzwischen bin ich längst ein Arbeitsprofi. Ich habe nie einen Termin platzen lassen!

Am 9. November jährt sich zum 25. Mal der Mauerfall. Erinnern Sie sich noch an diesen besonderen Tag?

Natürlich. Da feierte der berühmte Regisseur, mein Freund Ulrich Schamoni, Geburtstag, und ich war vormittags bei ihm in Westberlin. Dort hatte ich gerade mit Armin Mueller-Stahl den Film „Das Spinnennetz“ von Bernhard Wicki gemacht. Abends war ich dann zu einer Probe in der Dresdner Semperoper von Gunther Emmerlichs Unterhaltungssendung „Showkolade“ eingeladen. Dafür habe ich ja drei Jahre lang die Musik geschrieben. Ich war gerade auf dem Weg zu dieser Probe, als ich im Auto vom Mauerfall hörte. Aber ich bin nicht zurück, sondern habe mich gefreut und später mit Gunther angestoßen. Viele haben mich ja dafür kritisiert, dass ich schon vor dem Mauerfall in den Westen konnte, aber ich habe dort gearbeitet! Das ganze Gerede war vollkommen unverständlich. Genauso wie diese unsägliche Geschichte mit Krug damals …

… den Sie, wie er in einem offenen Brief im „Spiegel“ vom Januar 1993 erklärte, an die Stasi verraten haben sollen …

Ich habe weder Herrn Krug noch andere bespitzelt. Ich war nie ein IM. Damit ist dieses Thema beendet.

Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?

Ich wünsche mir und allen Menschen, die mir wichtig sind, vor allem eines: Gesundheit.

Redaktion
on 26. Mai 2017

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