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Anna Fischer und Else Buschheuer
dpa
Anna Fischer und Else Buschheuer im Interview
„Masserberg“-Autorin: „Anna erscheint mir wie meine Tochter“

Anna Fischer gehört zu Deutschlands talentiertesten und frechsten Schauspielerinnen. Autorin und Moderatorin Else Buschheuer ist bekannt für ihre direkte, schlagfertige Art. SUPERillu traf die beiden zum erfrischenden „Girl-Talk“

Redaktion
on 24. Mai 2017

Kein Wunder, dass sich die zwei blendend verstehen. Was sie verbindet? Anna spielt in der Verfilmung von Elses autobiografisch angehauchten Buch „Masserberg“ die Hauptrolle. SUPERillu traf die beiden zum erfrischenden „Girl-Talk“ bei reichlich Kaffee in Berlin.

Wie viel Else steckt in Anna, Frau Buschheuer?

Else: Also ich stecke sehr viel Else in Anna. Weil ich das so sehe. Ich hab’ den Film schon so oft gesehen – vielleicht zehnmal – dass ich mittlerweile denke, wir sind verwandt, Anna erscheint mir wie meine Schwester oder meine Tochter. Aber ich vermische auch das, was sie im Film ist mit dem wie sie tatsächlich ist. Ich denke, sie lange zu kennen, aber das ist ja gar nicht der Fall.

Anna: Ich bin ja auch ganz anders als Mel, die ich spiele. Mel ist ja auf so einem selbst-zerstörerischen Trip und eine totale Lolita, die jeden verführt. Ob Frau ob Mann ... All das ist ganz weit weg von mir. Auch ihre ganze Schminke und die grellen Klamotten. Nee, das ist nicht mein Ding.

Ihr seid ja beide bekannt für eure „Kodderschnäuzigkeit“ und eure eher unkonventionelle Art. Tickt ihr denn ähnlich?

Anna: Ich hab’ Else zum ersten Mal bei den Dreharbeiten kennengelernt. Und dann haben wir uns danach noch mal gesehen. Das war’s. Trotzdem waren wir schnell auf einer Wellenlänge ... Wir haben beide viel Energie. Else hat ’ne unglaubliche Power und wahnsinnige Aura. Wir besitzen beide einfach eine unglaubliche Kraft. Wir sprechen beide Dinge an, die mal gesagt werden sollten. Da halten wir nicht hinter’m Baum. Und wir reden nichts schön ... Ich glaube da ticken wir ähnlich.

Hielten Sie Anna denn sofort für die geeignete Besetzung als Protagonistin Ihrer Buchverfilmung „Masserberg“?

Else: Bevor ich wusste, dass Anna die Rolle übernimmt, hatte ich sie in „Liebeskind“ gesehen. Einem Film, wo eine Tochter ihren Vater verführt. Schon da hab’ ich gedacht, die ist ja ein super Typ. Und dann bekam tatsächlich sie die Rolle. Das fand’ ich sehr schön ... Als wir uns dann am Set zum ersten Mal begegnet sind, war das Erste was Anna zu mir sagte: „Wir sehen uns ja voll ähnlich!“ (beide lachen) Ich hab’ ihr dann erklärt. Es ist ja auch keine Autobiografie. Ich hab’ nicht mich beim Schreiben des Buches gesehen. Es ist eine Mischung aus Fiktion und Realität. Aus Leuten die ich kannte, mit Eigenschaften, die ich gern hätte. Und dadurch entstand dann die Figur der Mel.

Aber das Buch wird gern als Ihre autobiografische Geschichte verkauft ...

Else: Das stimmt ja auch in Teilen. Ich hab’ eine Augenkrankheit und ich war in Masserberg. Sechs Wochen, die mir aber vorkamen wie sechs Monate. Und es gibt Dialoge, die tatsächlich so stattfanden und es gibt Personen, die mir im Krankenhaus auch wie beschrieben begegnet sind. Wie zum Beispiel die alten Omas, mit denen ich mir mein Zimmer geteilt habe ... Wenn ich es in Prozent sagen müsste, sind vielleicht 25 oder 30 Prozent Realität. Der Rest entstammt meiner Fantasie.

Was ist mit dem kubanischen verheirateten Arzt, mit dem Mel eine Affäre beginnt. Gehört der zu den 30 Prozent Realität?

Else: Nein, ich habe mich weder in einen Arzt verliebt, noch in einen verheirateten, kubanischen Arzt. Und ich war auch nicht schwanger wie Mel oder hab’ mir eine Geschlechtskrankheit zugezogen. Darauf lege ich Wert. (lacht)

Im Film und im Buch erblindet die Protagonistin Mel am Ende. Das ist Ihnen zum Glück erspart geblieben. Wie geht’s Ihnen denn heute?

Else: Es geht mir viel besser, als sie mir damals prognostiziert haben. Ich leide an einer Entzündung der Iris und des Strahlenkörpers. Und das ging all die Jahre gut. Jetzt hab’ ich ein paar Verschleisserscheinungen. Das heißt, die Hornhaut und die Linse trüben sich. Das eigentlich Gefährliche ist aber das Sekundärglaukom. Wenn der Augendruck steigt und der Sehnerv dadurch abgedrückt wird. Das kann dann sehr schnell zur Erblindung führen. Dagegen hab’ ich dann immer Spritzen bekommen, direkt ins Auge ... In den letzten Jahren sind diese Schübe aber schwächer geworden. 2005 hatte ich in New York noch mal einen Schlimmen. Da sah ich aus wie Quasimodo. Hab’ das aber mit Augentropfen und Tabletten in den Griff bekommen. Deshalb habe ich entschieden, mich nicht mehr spritzen zu lassen. Das Risiko trage ich, denn das war mir immer zu brutal ... Letztes Jahr hatte ich dann eine OP, bei der die getrübte Hornhaut mit Laser abgetragen wurde. Der nächste Schritt wäre eigentlich eine Hornhautverpflanzung. Aber ich hab’ mich entschieden, das nicht zu machen. Das ist eine viehische Sache. Jahrelang darauf zu warten, dass einer stirbt, der mir seine Hornhaut gibt. Und dann ist das eine Riesenoperation. Da ist man monatelang weg vom Fenster ... Ich will auch einfach an meinem Auge niemanden mehr rumschnippeln lassen.

Das betrifft aber nur das linke Auge?

Else: Ja. Das rechte ist in Ordnung. Es stellt nur nicht scharf, von Geburt an ... Aber ich will gar nicht so viel über meine Augen nachdenken oder sprechen. Solange es so ist wie im Augenblick ignoriere ich die Krankheit. Im Amerikanischen gibt es den Spruch: „We cross that bridge when we come to it.“ Und daran halte ich mich.

Kanntest du Elses Buch „Masserberg“ vor den Dreharbeiten?

Anna: Nein. Der Regisseur Martin Enlen meinte, ich solle das Buch vor dem Dreh nicht lesen, um freier an die Rolle heranzugehen, weil er der Meinung war, dass es mich in der Herangehensweise an die Rolle beschränken könne. Jetzt lese ich es aber gerade.

Dein Spiel ist ziemlich überzeugend und mitreißend. Dabei hast du gar keine Schauspielschule besucht. Rümpfen Kollegen da nicht manchmal die Nase?

Anna: Ich bin schon der Meinung, das man sein Handwerk lernen sollte. Auch ich komme irgendwann an den Punkt, wo ich eine Technik brauche, die ich erst lernen muss. Wie der Bäcker, der sich auch auf den neuesten Stand bringen muss, was für neue Hefeteigsorten es gibt ... Ich besuche dafür aber keine Schule oder einen Workshop. Ich lerne das direkt am Set. Learning by doing! Denn nur da kann ich in die Gefühlswelt einer Rolle richtig eintauchen. In der Schule geht das nicht. Da bleibt es die pure Theorie. Und zu wissen, wann man jetzt wie atmet und wie man jetzt schauen sollte – das würde mich nur blockieren ... Und was die Kollegen betrifft. Neid gibt es doch immer und überall.

Else: Ich bin ja auch ein klassischer Quereinsteiger, hab’ nichts von dem was ich tue, in einer Ausbildung gelernt. Manche Dinge kann man, oder man kann sie nicht. Da ändert auch oft eine Ausbildung nichts. Das hat viel mit Intuition zu tun.

Das Buch erschien bereits 1999. Wieso hat’s solange gedauert, bis der Stoff verfilmt wird?

Else: Es war schon mal fast soweit. Da wäre es fast ein Kinofilm geworden. Nico Hofmann wollte das damals produzieren. Aber dann hat sich irgendwer aus der Finanzierung herausgezogen und seitdem lag das Projekt auf Eis. Bis letztes Jahr. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. In vier Wochen war der Film abgedreht.

Waren Sie eigentlich enttäuscht, als Sie den Film zum ersten Mal gesehen haben? Weil er eben doch etwas anders ist als Ihr Buch?

Else: Von Enttäuschung kann keine Rede sein. Ich hab’ ihn beim ersten Mal ganz allein geschaut. Gott sei Dank! Denn ich war total aufgewühlt. Musste den Film immer wieder anhalten, bin durch die Wohnung getigert, hab’ geheult, gelacht, zurückgespult. Da kamen so viele Emotionen hoch. Ich konnte da auch noch nicht einschätzen, ob das jetzt ein guter oder schlechter Film ist. Das kam erst mit der Zeit, dass ich gemerkt habe, dass das ein richtig guter Film ist.

Wieso haben Sie eigentlich nicht selbst mitgespielt?

Else: Das hab’ ich mich auch gefragt. Ich bin zu spät auf die Idee gekommen. Ich wäre gern eine Patientin gewesen, die mal hinten durchs Bild schlurft. (lacht)

Dich kennt man nicht nur als Schauspielerin. Sondern auch als Sängerin der Punk-Band Panda. Hast du bei dem ganzen Drehstress, in dem du seit ein paar Jahren steckst, überhaupt noch Zeit für deine Musik?

Anna: Na klar. Wir sind auch gerade dabei, an einer neuen Platte zu basteln. Ich schreibe Texte und wir stehen im Studio. Aber wir haben jetzt kein Datum, an dem die neue Platte erscheinen soll. Und klar ist es schwieriger, wenn ich zwischendurch immer wieder drehe. Da lassen wir uns aber nicht stressen. Wir sind dran und alles andere wird sich zeigen. Musik ist eben nicht wie Film, wo man in zwei Monaten einen Streifen abdreht. Wir wollen ja der Welt was sagen. Und wenn man nichts zu sagen hat, hält man lieber den Mund. Solange bis man wieder was zu sagen hat.

Am Anfang hat man dich, was deinen Look betrifft, gern mit Mireille Mathieu verglichen. Das hat dir aber nie sonderlich gefallen ...

Anna: Dazu hab’ ich schon so viel gesagt. Ist doch mal gut. Es gibt doch Wichtigeres als sich mit meiner Frisur zu beschäftigen. Die ist nun mal wie sie ist. Zuletzt hatte ich das Gefühl, man redet nur noch über meine Frisur. Das hat mich genervt ... Zwischendurch hatte ich sie ja auch mal lang, wie im Film. Jetzt sind sie eben wieder kurz. Wen das an Mireille Mathieu erinnert, bitteschön. Für mich sind es Haare und die trage ich eben gerade so.

Auch Sie haben sich, was die Frisur betrifft, sehr verändert. Früher waren Sie blond, kurzhaarig, androgyn, taff. Heute schulterlang, aschblond mit hellen Strähnchen, weiblicher, weicher ...

Else: Am Anfang war ich sogar brünett und kurzhaarig. Da war ich noch Wetterfee bei ProSieben ... Aber blond und kurzhaarig das finde ich schon cool für mich. Jetzt mit den langen, gelockten Haaren hab’ ich mich noch nicht so recht angefreundet. Da fühle ich mich wie verkleidet. Aber ich hab’ beschlossen, die jetzt mal wachsen zu lassen. Das ist auch mein Zugeständnis an den MDR. Die wollten mich gern weiblicher und weicher. Aber dieses ganze Frisiere am Morgen nervt mich ... Und ich bin sicher, es kommt der Moment, wenn ich sie einfach wieder abschneide. Das ist dann, wenn ich wieder radikal alles hinter mir lasse und mich verändere. Wenn ich eine neue Frisur trage, dann ist mit Sicherheit etwas passiert.

Neben Ihrer Show Kino Royal beim MDR und den Kolumnen kennt man Sie vor allem durch Ihren Internet-Blog ...

Else: Ja, ich hab’ schon Blog geführt, als das ganze noch Internettagebuch hieß. Seit 2001. Weil ich dann aber wieder einen Roman schreiben wollte, hab’ ich das mit dem Bloggen gelassen. Ich lebe ja vom Schreiben. Da wollte ich den Leuten irgendwann nicht mehr nach Feierabend noch kostenlos eine Geschichte in den Rachen werfen. So sammle ich die Geschichten jetzt und lasse sie reifen. 

Nachdem Sie nun jahrelang gebloggt haben, ist twittern nun Ihre große Leidenschaft ...

Else: Vor einem Jahr habe ich angefangen zu twittern. Und das bekommt mir ganz gut. Da kann ich mal zwischendurch einen Satz raushauen, der nicht in meine Texte passt. Das mach’ ich etwa dreimal täglich. Morgens schreib ich zum Beispiel: „Gofforraum auf!“ Und da wissen meine 5000 „Follower“: Else ist jetzt wach. (Elses Twitter-Link: twitter.com/buschheuer)

Warum haben Sie so eigentlich einen so großen Drang sich ständig mitzuteilen?

Else: Am Ende der Blog-Zeit war es schon so, dass ich eher dachte, ich muss der Meute jetzt eine Geschichte liefern. Da war es weniger mein eigener Antrieb ... Ich hab’ den Leuten aber nie mein Ganzes Ich geliefert. Nur immer einen winzigen Ausschnitt aus meinem Leben. Aber die Blogleser wurden immer hungriger, wollten immer mehr wissen. Und da hab’ ich dann die Reißleine gezogen ... Das Twittern ist nun eine Art, mein Publikum zu halten und vielleicht auch zu lenken. Mit Filmtipps oder Buchempfehlungen die ich gebe. Und manchmal ergibt sich dadurch ein reger Austausch.

Anna: Twittern, bloggen – das ist so weit weg von mir. Ich hab’ ja gerade erst geschafft, mal eine Verteiler-Email zu schicken. Ich bin da aber so was von zurück.

Das heißt, du verschließt dich eher vor dieser ganzen Internet-Hype?

Anna: Ich hab’ mich ganz lang gegen diese virtuelle Kommunikation gewehrt. Ich mag es lieber mit Menschen Auge in Auge zu sprechen. Aber ich hab’ gemerkt, dass man sich nicht komplett davor verschließen kann. Man muss Emails schreiben, eine Webseite haben oder einen Blog schreiben. Gerade wenn man ein Projekt vorantreiben möchte ... Aber dieses Internet ist so riesig. Es erschlägt mich einfach ... Und ich finde die Entwicklung auch bedenklich, alles nur noch übers Netz zu kommunizieren. Da fehlt doch total die persönliche Ebene. Irgendwann haben wir uns im echten Leben gar nichts mehr zu sagen. Aber ganz ohne Internet geht’s auch wieder nicht... Ist echt schwierig!

Sie gelten als sehr umtriebig und rastlos. Nach einem vierjährigen Zwischenstop in New York leben Sie seit fünf Jahren wieder in Leipzig. Kribbelt’s bereits wieder? Sitzen Sie schon auf gepackten Koffern?

Else: Ich sitze nicht auf Koffern, ich lebe aus Koffern. Ich hab’ gar keinen Schrank. Was manchmal recht anstrengend ist. Da man manchmal ewig suchen muss, weil man nicht weiß, in welchem Koffer ein bestimmtes Dokument ist. (lacht) Aber ich hab’ wenigstens ein Bett.

Aber warum tun Sie sich das an?

Else: Weil ich das Gefühl haben möchte, jederzeit irgendwo anders anheuern zu können. Das heißt aber nicht, dass ich mich in Leipzig nicht wohl fühle und weggehen möchte. Ich fühl’ mich da sehr wohl. Hab’ dort meinen Job. Und ich hab’ auch einen festen Hausarzt. Das ist schon bequem. Zugegeben. In New York war ich ja nicht mal krankenversichert ... Aber wenn morgen ein gutes Angebot aus Shanghai käme, dann würde ich dort hingehen ... Ich behänge mich nicht gern mit viel Besitz. Eigentum macht mich fertig. Schon als Kind hab’ ich meine Puppen verschenkt. Das ist so meine Meise. Ich setze auch manchmal meine Bücher in fremden Fahrradkörben aus und hoffe, der Besitzer freut sich.

Anna: Ich find’ das cool. Weil es zeigt, dass man im Grunde nichts braucht. Man ist von nichts abhängig. Lebt viel sorgenfreier.

Haben Sie mal gezählt, wie oft im Leben Sie schon umgezogen sind?

Else: Nein. Aber in den vier Jahren in New York bin ich allein 25 Mal umgezogen.

Schlagen sich Ihr Freiheitsdrang und Ihre Sprunghaftigkeit auch auf Ihre Beziehungen zu Menschen nieder?

Else: Nein. Ich hab’ schon so drei, vier Lebensfreundschaften. Die begleiten mich treu seit 20 Jahren. Die verstehen aber oft nicht was für ein Mensch ich heute bin. Die haben ja zum Teil nicht mal Email. Da muss ich noch Briefe schreiben oder anrufen. Deshalb hab’ ich mir aber auch neue Freundschaften aufgebaut, mit denen ich nachts um drei noch chatten kann. Und diese Mischung ist ganz heilsam. Ich könnte die Freundschaften mehr pflegen. Aber ich bin nicht so gesellig.

Und was ist mit der Bindung zu Männern?

Else: Im Augenblick bin ich glücklicher Single. Ich bin sehr freiheitsliebend und lasse mir ungern etwas vorschreiben ... Aber wenn ich mich paare, fange ich an so zu sein, wie ich gar nicht sein will. Ich koche, trage unbequeme hohe Schuhe und so weiter. Ich mutiere dann zum Frauchen und verlasse meine Welt. Ich verrate mich selbst im Namen der Liebe und werde mir selbst untreu. Und das gefällt mir nicht.

Anna Fischer im Film „Masserberg“
V. Roloff/MDR

Anna Fischer als durchgeknallte Melanie in „Masserberg“

Das heißt, Sie schlagen in Zukunft jedem Mann die Tür vor der Nase zu?

Else: Ja. Ich wollte ja sogar schon mal ins Kloster gehen. Aber die wollten mich nicht. Ich bin schon beim Bewerbungsgespräch gescheitert. (lacht) Aber über die Kloster-Phase bin ich hinweg.

Und wenn der absolute Knallertyp vor der Tür steht?

Else: Na vielleicht mach’ ich dann einen Spalt auf. Aber Kompromisse gehe ich nicht mehr ein.

Du bist kein überzeugter Single wie Else ...

Anna: Nein. Ich hab’ seit ein paar Jahren ein Freund. Er ist weder Musiker noch Schauspieler. Das ist mir wichtig. Weil ich nicht den ganzen Tag über Film oder Musik reden möchte. Das mach’ ich sowieso schon den ganzen Tag lang. Das brauch’ ich nicht auch noch zuhause.

Lebt ihr auch zusammen?

Anna: Nein, ich lebe allein. Das genieße ich auch. Das ist wie meine Höhle. In die verkrieche ich mich. Ich muss dort keinem Rechenschaft ablegen - warum das Geschirr noch dasteht oder meine Klamotten rumliegen. Was jetzt nicht heißt, dass ich niemals mit meinem Freund zusammenziehen werde. Aber im Moment ist es gut so wie es ist.

Du bist eine waschechte Berlinerin. Hast immer hier gelebt. Nicht mal Lust woanders hinzugehen, so wie Else?

Anna: Ich reise ja sehr viel. Ich war gerade in Asien. Davor in Australien, in der Dominikanischen Republik. Ich bin dann immer mehrere Wochen dort und versuche auch immer in dem Land zu arbeiten. Einfach um es besser kennenzulernen ... Ich brauch’ das auch. Ab und zu muss man aus dieser Schauspielblase heraus. Und gerade in einer Großstadt wie Berlin muss man ab und zu raus. Ich liebe die Stadt, aber sie stresst einen schon. Man ist nur am rumrennen, kriegt einen Tunnelblick. Deshalb sind diese Fluchten sehr wichtig für mich ... Jahrelang hab’ ich aber noch nicht woanders gelebt. Aber ich könnt’s mir vorstellen. Trotzdem werde ich immer wieder nach Berlin zurückkehren. Das ist einfach meine Heimat, meine Erde.

Else: Man muss sich nur klar sein, dass ein Leben in einem anderen Land schlecht für den Job ist. Als ich in New York gelebt habe, war das für mich ein richtiger Karriereknick. Als ich mein Buch promoten wollte und die Redakteure der Talkshows hörten, ich müsste aus New York eingeflogen werden, hat man dankend abgelehnt ... Ich musste mir also was Neues aufbauen und von vorn anfangen.

Anna: Das schreckt mich nicht. Ich find es sehr spannend, ganz von vorn anzufangen. Vor allem, wenn man eh auf Null steht und nix zu verlieren hat. Da bist du völlig frei.

Anna Fischer und Pasquale Aleardi
V. Roloff/MDR

Melanie Tauber (Anna Fischer) und ihr Liebhaber Carlo Sanchez (Pasquale Aleardi)

Was wenige wissen: sie heißen eigentlich Sabine Knoll ...

Else: Nein. Ich heiße Else Buschheuer. Das steht auch in meinem Pass. Aber es stimmt, ich bin eine geborene Sabine Knoll. Durch meine zweite Heirat wurde ich zu Buschheuer. Und den Vornamen habe ich offiziell am 16. März 1986 in der DDR ändern lassen. In Else. Da bekam ich auch eine neue Geburtsurkunde. Und Sabine Knoll ist seitdem Geschichte .... Ich wurde aber vorher schon lange Else gerufen. Weil ich so ein großer Fan der Dichterin Else Lasker-Schüler war. Ich lief auch so rum wie sie. So androgyn, mit Seitenscheitel, Herrenhosen und großen Ohrgehängen ... Ich wollte nicht eine von zig Sabines sein: ich wollte mich unterscheiden. Und ich glaube, mein Leben wäre als Sabine Knoll auch ganz anders verlaufen.

Und was ist mit dir? Könntest du dir vorstellen, einen Künstlernamen zu zulegen?

Anna: Nein. Ich finde meinen Namen total super. Das ist kurz, bündig und auf den Punkt. Und es ist mir egal, ob noch dutzend andere so heißen.

Else: Anna ist ein toller Name. Er hat zwei A und das ist gut. Das hab’ ich mit Else nicht bedacht. Der Buchstabe A steht für Sympathie, Offenheit, Wärme. Beim E ist das nicht so.

Nun war Anna Fischer bis vor ein paar Jahren nur eine von vielen Anna Fischers. Mittlerweile kennt dich jeder und dein Regal steht voller Preise...

Anna: Und ich freu’ mich über jeden neuen Preis wie verrückt, so als sei’s der Erste ...  Es ist was ganz tolles für seine Arbeit ausgezeichnet zu werden. Aber jeder Preis steigert auch den Druck auf mich. Den größten Druck mach ich mir dabei wohl selbst. Ich bin nie zu hundert Prozent zufrieden. Ich finde immer was ... Und manchmal sitze ich vor einem meiner Filme und kann kaum hinschauen, weil ich mich so geniere. Vor allem wenn man sich auf einer Kinoleinwand sieht. Das ist echt krass. (Anmerkung: ihre beiden ersten Kinofilme „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ und „Wir sind die Nacht“ starten im Herbst)

Redaktion
on 24. Mai 2017

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