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Ingo Dubinski
Bereit für Neues

Kaltgestellt: Obwohl er in der Stasi-Affäre entlastet wurde, sehen wir den Moderator nicht mehr auf dem Bildschirm. Warum? Wie Ingo Dubinski damit klarkommt

Redaktion
on 24. Mai 2017

Sie waren lange einer der erfolgreichsten und meistbeschäftigten Moderatoren im Fernsehen, haben weit mehr als 1500 Sendungen mitgestaltet. Was für ein Gefühl ist es, jetzt bei den Sendern nicht mehr gefragt zu sein?

Ach, das Auf und Ab ist im Fernsehgeschäft normal. Die Dauer eines Projekts ist begrenzt, damit muss man leben. Ich habe zum Beispiel 900 Mal die Wunschbox moderiert, zwölf Jahre die Sendung „Mit Dubinski reisen“ - alles hat seine Zeit. Ich bin nicht unzufrieden. Trotzdem würde ich mich natürlich sehr über neue Fernseh-Aufgaben freuen. Doch die Sender wollen wahrscheinlich nicht das Risiko eingehen, dass die Stasi-Diskussion wieder hochkommt.

Aber der MDR-Untersuchungsausschuss hatte 2001 klar entschieden, dass Sie im Gegensatz zu anderen Moderatoren Ihre Arbeit uneingeschränkt fortsetzen dürfen! Auch der Personalrat hatte Ihre Weiterbeschäftigung empfohlen. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass Sie jetzt kaltgestellt sind. Welcher Weg führt ins Fernsehen zurück?

Das bedarf einer bewussten Entscheidung für mich. Und die kann nicht ein Redakteur treffen, die muss vom ganzen Sender getragen sein. Eigentlich sollte das keine Schwierigkeit machen. Ich habe ja nach 2001 weiter Hunderte Sendungen moderiert, „Mit Dubinski reisen“ sogar bis 2004. Die „Wunschbox“ wurde letzten Sommer täglich wiederholt. Aber wenn einer eine neue Sendung mit mir besetzen will, muss er eben auch aushalten, wenn einige Zeitungen wider besseres Wissen die Stasi-Karte ausspielen, weil das immer für eine dicke Schlagzeile gut ist.

Wie haben Sie die Zeit seit 2004 überstanden?

Ich habe weitergearbeitet als Autor, als Redakteur und als Moderator, zum Beispiel für den Europapark Rust, für das Deutsche Kinderhilfswerk, für Event-Agenturen. Und ich habe den Freiraum genutzt, um vor allem für meine beiden Kinder da zu sein, Zeit für die Familie zu haben. Als ich die Wunschbox moderierte, hatten die Kinder kaum etwas von mir. 

Hat Sie die Zeit stärker und reifer gemacht?

Absolut. Zum Beispiel dadurch, dass ich andere Aufgaben übernommen habe.

Gab es nicht den Punkt, wo Sie gestöhnt haben: Jetzt muss ich auch das noch machen, anstatt vor der Kamera zu stehen?

Überhaupt nicht. Mein Prinzip ist es, bei meinen Aufgaben mit dem ganzen Herzen dabei zu sein. Alles andere wäre arrogant.   

Und Sie sind finanziell über die Runden gekommen?

Ich habe schon früher gelernt, in guten Zeiten für schlechte Zeiten vorzusorgen. Wer in der DDR groß geworden ist, hat meist haushalten gelernt. Und ich habe ja weiter gearbeitet. Meine Frau ist Lehrerin. Zusammen haben wir alles gut bewältigt.

Hatte das alles keine Auswirkungen auf Ihre Ehe?

Wenn man viel unterwegs ist, ist zu Hause für die Familie manches beschwerlich. Und wenn man immer da ist, kann es auch beschwerlich werden. Aber ich habe mich zu Hause eingebracht, habe sogar angefangen zu kochen.

Was haben Sie denn während der letzten drei, vier Jahre über das Leben gelernt? Haben Sie erkannt, wer Ihre wirklichen Freunde sind?

Die festen Freundschaften wurden davon nicht erschüttert. Meine Freunde haben sich sogar gefreut, dass ich endlich mal Zeit habe. Und dass man nicht mehr so oft als Gast zu Galas und Premieren eingeladen wird, ist kein Drama. Es ist zwar schön, dort Kollegen zu treffen, aber ich bin nicht der Nabel der Welt. Man lernt, dass man für sein Leben selbst verantwortlich ist. Mir gefällt der Ausspruch des Dalai Lama, dass dein Glück in deinem eigenen Kopf stattfindet. Für mich sind Gläser immer halb voll. Wer ein kleines Glas als halb voll sieht, kommt sicher besser mit dem Leben zurecht als der, der ein großes Glas als halb leer beklagt.

Wie sehr vermissen Sie das Fernsehen?

Ich vermisse es, weil mir diese Arbeit sehr viel Spaß gemacht hat. Ich hatte immer das Gefühl, meinen Platz gefunden zu haben, an dem ich etwas erreichen kann. Aber das heißt für mich nicht Fernsehen um jeden Preis. Das Dschungelcamp zum Beispiel wäre für mich kein Thema.    

Letzte Frage: Was halten Sie von den Vorgängen um die Moderatorin Andrea Kiewel?

Ich finde, dass Andrea Kiewel eine tolle Art hat. Sie hat Herz, Charme, Witz, Intelligenz. Über die Vorgänge will ich kein Urteil fällen, weil ich die Zusammenhänge nicht kenne. Ich habe gelernt, dass man nicht alles glauben sollte, was man liest. Manchmal ist ein Fragezeichen hilfreicher als ein Ausrufezeichen. Ich denke, sie wird bald wieder ihren Platz finden.

Redaktion
on 24. Mai 2017

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