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Graäfin Daisy von Arnim Apfelgräfin
U.Toelle/SUPERillu
Gräfin Daisy von Arnim
„Ich fand mein Glück in der Uckermark“

Gräfin Daisy von Arnim zog nach der Wende mit ihrem Mann Michael zurück ins Land der Vorfahren – in die Uckermark. Auf den Feldwegen der neuen Heimat kam der gelernten Buchhändlerin nach steinigem Anfang eine Idee, die Erfolg brachte...

Annette Hörnig
on 14. Juni 2017

Das Gelb der Rapsfelder wirkt jetzt schon ein wenig matt. Dafür strahlen die Apfelbäume entlang der alten Alleen in blendendem Weiß, Zartrosa und Pink. Die Uckermark, Deutschlands am dünnsten besiedelter Kreis, ist mit ihren Wäldern, Feldern und Seen ein kleines Paradies.

Der Weg von Boitzenburg in den Flecken Lichtenhain betört mit landschaftlicher Schönheit: „Wie ein Gemälde“, sagt Daisy Gräfin von Arnim, „früher wusste ich gar nicht, wo die Uckermark überhaupt liegt.“ Jetzt ist sie schon seit 22 Jahren mittendrin zu Hause und überregional als „Apfelgräfin“ bekannt.

Zurück in der Heimat der von Arnims, die erst nach ein paar Jahren echte Heimat wurde. Der Anfang wurde Daisy, einer geborenen von Löbbecke aus Oldenburg, und ihrem Mann, Michael Graf von Arnim, nicht leicht gemacht. Das weitverzweigte Geschlecht der von Arnims hatte im Boitzenburger Land von 1528 bis 1945 seinen Familiensitz.

Nach der Wende bekam die Familie weder Schloss noch Ländereien zurück, es gab viele Vorbehalte gegen Adlige in Bevölkerung und Politik. Trotzdem zog es die Buchhändlerin Daisy und ihren Mann, der landwirtschaftlicher Berater ist, aus Helmstedt in Niedersachsen zurück zu den Wurzeln. 1995 bezogen sie das Gutshaus im 100-Seelen-Ort Lichtenhain, das früher als Vorwerk zum Schloss Boitzenburg gehört hatte. Erst zur Miete, 1997 konnten sie es kaufen.

Gräfin Daisy von Arnim Apfelgräfin Michael
U.Tölle/SUPERillu

Gräfin Daisy von Arnim mit ihrem Mann Michael im uckermärkischen Lichtenhain

Nach erster Skepsis seien sie herzlich aufgenommen worden, erzählt Daisy von Arnim. „Aber ich habe lange die passende Aufgabe für mich gesucht. Ich hatte erst die Buchhaltung für meinen Mann gemacht, aber das lag mir überhaupt nicht. Ich bin eine Macherin.“ Nur, was tun in dieser entlegenen Region? „Ich wollte auf jeden Fall Arbeitsplätze schaffen, die braucht es wirklich am dringendsten. Aber erst mal habe ich einige Geschäftsideen in den Sand gesetzt“, sagt Daisy von Arnim.

Dann war der Tag plötzlich da: „Ich war mit dem Auto unterwegs, und unter den Reifen ploppte und knackte es unaufhörlich. Ich war über die vielen abgefallenen Äpfel gefahren. Ich brauchte sie nur aufzuheben, das war mein Glück!“ Die Idee für eine Apfelmosterei war geboren.

Was vor 17 Jahren mit einer Schreddermaschine und einer kleinen Apfelpresse für den Hobbybedarf begann, ist heute ein Unternehmen mit acht festen Mitarbeitern.

Unter dem Logo „Haus Lichtenhain“ verkauft die Gräfin Apfelsaft, Apfelbrotaufstrich und -gebäck im Hofladen, einem Hof-Café, auf Märkten und im Internet. Wer möchte, kann auch eine Ferienwohnung im Gutshaus mieten.

Stolz und Liebe klingt an, wenn Daisy von Arnim sagt: „Mein Mann und ich haben uns hier weiterentwickelt, die Leute haben sich weiterentwickelt. Es ist ein Stück Familie.“ Sie liebt den trockenen Humor der Einheimischen. Die Uckermärker seien zudem sehr bodenständig und treu. „Sie identifizieren sich auch mit ihren Arbeitsplätzen, das ist für jeden Unternehmer ein absolutes Plus!“

Aber es bräuchte eben noch viel mehr Menschen, die hier etwas in die Hand nehmen und Arbeitsplätze schaffen, fordert Daisy von Arnim. „Jemand hat mal gesagt, man soll nicht fragen, was das Land für einen tun kann, sondern was man selbst für das Land tun kann. Man muss etwas für die Menschen dieser Gegend tun. Sie haben es verdient!“

Annette Hörnig
on 14. Juni 2017

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