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Das Wahrzeichen der Weltaustellung  soll "den letzten Öltropfen" darstellen
Expo 2017
Expo 2017 in Astana
Die Weltausstellung in Kasachstan

Am 10. Juni öffnet die Weltausstellung 2017 ihre Pforten. Schauplatz ist Astana in Kasachstan

Gerald Praschl
on 8. Juni 2017

Nach stundenlangem Überfliegen endloser Steppe taucht plötzlich eine glänzende Kugel am Boden auf, als habe ein Riese eine Murmel verloren. Das gläserne Gebäude ist der Hauptpavillon der diesjährigen Weltausstellung in Astana – ein Prestigeobjekt, ganz nach dem Geschmack von Nursultan Na­sarbajew, dem Autokraten des Landes und dienstältesten postsowjetischen Machthaber.

Er ist inzwischen ein alter Mann – was ihn aber nicht davon abhält, sich über die Zukunft seines Landes Gedanken zu machen. Auch er weiß: Die reichen Öl- und Gasvorkommen des Landes werden eines Tages zur Neige gehen, und der relative Wohlstand, den sie über die einst bitterarme Sowjetrepublik brachten, muss bis dahin auf anderen Beinen stehen.

In diesem Sinne lässt Kasachstan nicht nur ein modernes Autobahnnetz errichten  und wirbt in Europa um Investitionen, sondern versucht, wie Deutschland auch, eine „Energiewende“: mit Wasser-, Wind-, und Sonnenkraft, Biomasse und Erdwärme. In der kasachischen Steppe sprießen Windkraftanlagen wie Pilze empor. Und bei der Expo 2017 stehen alternative Energien und Elektromobilität im Mittelpunkt. „Energie der Zukunft: Maßnahmen für weltweite Nachhaltigkeit“ lautet dann auch deren Motto.
Kasachstan sieht den Westen als Partner.

115 Länder sind ab 10. Juni drei Monate lang in Astana zu Gast, die meisten haben für das Event in den letzten Jahren für viel Geld eigene Pavillons errichtet, in denen sie ihre Innovationen vorstellen und sich austauschen. Deutschland hat in Astana einen der größten Pavillons und spielt auch bei der Mo­dernisierung des Landes eine große ­Rolle.

Es ist – in den 166 Jahren der Geschichte der Weltausstellungen (in deren Verlauf insgesamt rund 70 stattfanden) – die erste in einem Land der ehemaligen Sowjetunion – auch das eine Premiere und ein Zeichen des Zusammenwachsens von Ost und West. 

Die Fakten

• 9 295 Euro pro Kopf betrug das Bruttoinlands­produkt Kasachstans 2016. Das ist ein Viertel des deutschen Werts und liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Das liegt an den hohen Einnahmen durch Gas und Öl.

• Nursultan Nasarbajew, 76, war 1989 Generalsekretär der Kommunistischen ­Partei der Kasachischen Sowjetrepublik – und wurde nach dem Zerfall der ­Sowjetunion 1992 Präsident von Kasachstan. Er ist damit der dienstälteste Präsident einer ehemaligen Sowjetrepublik.

• 18 Millionen Einwohner hat Kasachstan, darunter auch Russen, Deutsche, Ukrainer und Moldawier – die alle unter Stalin dorthin deportiert wurden. Viele Kasachen  waren Nomaden und wurden erst zur Sowjetzeit sesshaft. Bei der sowjetischen Zwangskollektivierung der 1930er-Jahre verhungerten eine Million Kasachen.

• 1997 wurde Astana (was auf Kasachisch „­Hauptstadt“ bedeutet) Regierungssitz, ist damit die jüngste Hauptstadt der Welt. Aus den Einnahmen von Öl und Gas ließ Präsident Nasarbajew für Milliarden eine völlig neue Stadt errichten, in der inzwischen fast eine Mil­lion Menschen leben. Das Expo-Gelände (Luftbild rechts) ist eines ihrer ­neuen Wahrzeichen

Gerald Praschl
on 8. Juni 2017

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