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Christian Rost
A.Jungnickel/SUPERillu
Lobbyist Christian Rost
„Die Kreativwirtschaft in Sachsen schafft Arbeitsplätze“

Als Leiter von Sachsens Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft will Christian Rost im Freistaat neue Impulse setzen und die Branche als Wachstumstreiber der Wirtschaft etablieren

Thilo Boss
on 14. Juni 2017

Sachsen bekommt am 27. Juni mit dem Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft eine zentrale Anlaufstelle für alle Künstler, Kultur- und Kreativschaffende. Damit will das Land die Wirtschaft im Freistaat ankurbeln. SUPERillu sprach mit dem Leiter des Zentrums, Christian Rost, über die wachsende Bedeutung der Branche und warum der Sitz ausgerechnet nach Chemnitz gelegt worden ist.

Herr Rost, Sie stehen in den Startlöchern. Schon nervös?

Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe. Ich habe ja zuvor schon als Projektleiter beim Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes gearbeitet, war externer Mitarbeiter von „bayernkreativ“ und bin Vorstandsmitglied des Vereins Kreatives Leipzig. Diese Erfahrungen kann ich nun in meinen neuen Job gut einbringen.

Mit welchen Zielen? Die Kreativwirtschaft spielt in Sachsen ja eine untergeordnete Rolle …

… was so nun wirklich nicht stimmt. Mit 35000 Beschäftigten ist sie im Freistaat sogar noch vor der Automobilwirtschaft eine der arbeitsplatzintensivsten Branchen. Zu ihr zählen etwa Autoren, Filmemacher, Musiker, Schauspieler, Bildhauer, Architekten, Computerspiele-Entwickler oder Designer – eben alles, was kreativ ist. Die meisten von ihnen sind als Freiberufler in Einmannfirmen oder in kleinen Betrieben beschäftigt, die noch enorme Potenziale heben können. Dabei wollen wir ihnen helfen.

Wie?

Indem wir Selbstständige über Fördermöglichkeiten beraten, Erfahrungsaustausche organisieren und beim Aufbau von Netzwerken helfen. Deshalb wollen wir auch von Beginn an in einen intensiven Dialog mit den Industrie- und Handelskammern und den Handwerkskammern treten, …

... damit diese dann leichter Aufträge vermitteln können?

Auch, aber nicht nur. Im Zeitalter der Digitalisierung ändern sich die Arbeitswelten. Alles wird vernetzter und damit auch fließender. Früher war die Kreativwirtschaft praktisch das ausgelagerte i-Tüpfelchen im Produktionsprozess. Inzwischen vergibt sie an Industrie- und Handwerk selbst Aufträge. Beispiel: Ein Möbeldesigner war vor der Digitalisierung auf die Aufträge eines Produzenten und dann auf einen Händler angewiesen. Heute kann er sein Produkt selbst über das Internet vertreiben, braucht dafür aber einen Hersteller und wird auf diese Weise zum Auftraggeber. Das ist ein Beispiel dafür, dass sich Wirtschaftsabläufe ändern und komplexer werden. Alte Strukturen werden aufgebrochen, neue entstehen, und das mithilfe des Netzes sogar über nationale Grenzen hinweg. Wer hier mitspielen und nicht den Anschluss verlieren will, darf solche Entwicklungen nicht verschlafen. Deshalb verstehen wir unser Zentrum, das übrigens vom sächsischen Wirtschaftsministerium finanziert wird, als aktive Wirtschaftsförderungspolitik. In diesem Sinne sind wir in Ostdeutschland einzigartig.

Dann mal Butter bei die Fische: Wie viele neue Jobs können in Sachsen durch eine intensivere Förderung und bessere Vernetzung der Kreativwirtschaft entstehen?

Eine Prognose wäre unseriös. Richtig ist, dass die Branche an Bedeutung gewinnen wird. Das zeigen die Bundeszahlen. Von 2010 bis 2015 ist der Umsatz von 137 auf 150 Mrd. Euro gestiegen. Die Anzahl der Firmen hat im gleichen Zeitraum von 239000 auf über 250000 zugelegt, die der Beschäftigten von 1,54 auf mehr als 1,6 Millionen. Dies wird sich in den nächsten Jahren fortschreiben.

Deutsche Hotspots der Kreativwirtschaft sind Großstädte wie Berlin, Köln oder Hamburg. Sachsen hat den Sitz des Zentrums nach Chemnitz gelegt. Warum sind Sie nicht nach Leipzig oder Dresden gezogen?

Dort werden wir auch mit Außenstellen vertreten sein. Leipzig und Dresden sind wichtige Standorte für die Kreativwirtschaft. Aber Chemnitz als Hauptsitz unseres Zentrums ist keine Proporzentscheidung gewesen. Die Region ist wachstumsstark und innovativ, etwa im Maschinen- und Anlagenbau oder in der Automobilwirtschaft. Dies ist die beste Voraussetzung dafür, um Synergieeffekte zu heben, um damit zudem zusätzliche Wachstumsimpulse zu geben.

Thilo Boss
on 14. Juni 2017

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