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Georgi Kissimov
J. Weyrich/SUPERillu
Ralf Keul als „Der Baulöwe“
Icestorm
Szene aus „Der Baulöwe“
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Szene aus „Der Baulöwe“
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Szene aus „Der Baulöwe“
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Szene aus "Der Baulöwe"
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Szene aus „Der Baulöwe“
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Szene aus „Der Baulöwe“
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Szene aus „Der Baulöwe“
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Szene aus „Der Baulöwe“
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Der Baulöwe
Mit Herricht am FKK-Strand

„Der Baulöwe“ mit Rolf Herricht | Zum Bauen in der DDR fällt fast jedem eine Geschichte ein. Die witzigste hat Regisseur Georgi Kissimov inszeniert

Bärbel Beuchler
on 26. Mai 2017

Das kannte jeder gelernte DDR-Bürger aus eigener Erfahrung: Baumaterial gab es meist nur unter der Hand, dafür aber viel Bürokratie, und Handwerker nutzten jede Gelegenheit, um sich eine goldene Nase zu verdienen. Als im Juni 1980 „Der Baulöwe“ mit Rolf Herricht uraufgeführt wurde, lachte die ganze Republik. Herricht spielte einen Unterhaltungskünstler, der sich an der Ostsee ein Haus baut. In Heft 28 erscheint „Der Baulöwe“ als SUPERillu-DVD. Wir fragten Regisseur Georgi Kissimov:

Brachte Rolf Herricht etwa eigene Erfahrungen in den Film ein?

Nein, er hat sich völlig darauf verlassen, was der erfahrene Lustspielautor Kurt Belicke für ihn aufschrieb. Von Anfang an stand ja fest, dass Rolf Herricht den „Baulöwen“ spielen soll. Neun Jahre nach „Der Mann, der nach der Oma kam“ wollte die DEFA-Leitung endlich wieder einen Publikumserfolg mit ihm haben.

Was für ein Mensch war der Komiker Rolf Herricht privat?

Ein sehr angenehmer. Diszipliniert und perfekt. Und keineswegs naiv wie die Kunstfigur, die er auf der Bühne und im Film für das Publikum pflegte. Zum Beispiel zeigte er sich politisch immer sehr informiert, über den Osten und über den Westen. Insgesamt wirkte er zurückhaltend, ohne jede Starallüren. Im Zentrum zu stehen war außerhalb der Bühne und des Ateliers nicht seine Sache. Wenn er spürte, dass er in eine Situation kommen könnte, in der ihn Autogrammjäger belagern oder Zuschauer umringen, suchte er sofort das Weite. Auch im Drehteam war er nicht sonderlich gesellig. Nach Feierabend, wenn wir uns mal auf ein Bier und ein Schnäpschen trafen, verabschiedete er sich schnell zur Ruhe. 

Das hatte aber, wie wir wissen, nichts mit Arroganz zu tun.

Nein, eher mit einer gewissen Schüchternheit. Dabei war er ja nicht abweisend, sondern immer freundlich. Eines Morgens saßen wir beim Frühstück im Hotel in Rostock. Irgendjemand am Tisch sagte zu mir: Heute machen wir einen drauf! Es war der 7. Mai, mein Geburtstag. Ich spielte das sofort herunter, aber Rolf Herricht bekam es mit und verschwand. In der halben Stunde, die wir noch bis zur Abfahrt an den Drehort hatten, besorgte er ein Geschenk für mich, ein Puzzlespiel, ich besitze es bis heute. Das fand ich rührend.

Wenn er so schüchtern war, muss ihm doch die Szene, in der er mit eine Reihe halbnackter Tänzerinnen auftritt, sehr schwergefallen sein ...

Nein, davon habe ich nichts gespürt. Er gehörte ja seit den sechziger Jahren zum Ensemble des Berliner Metropol-Theaters und trat dort in vielen Operetten und Musicals auf. Das Singen und Tanzen, auch inmitten vieler schöner Frauen, gehörte zu seinem Metier.

Und wie war es mit Herricht am FKK-Strand? Der Filmheld wird von einer jungen Frau mit dem Versprechen dorthin gelockt, er bekäme Fliesen.

Diese Szene war Rolf Herricht in der Tat etwas peinlich. Vor den Dreharbeiten kam er zu mir und meinte: Herr Kissimov, wollen die Menschen denn wirklich einen 52-jährigen Mann nackt am Strand sehen? Ich antwortete: Herr Herricht, Sie sind doch nicht nackt! Er behielt dann bei den Aufnahmen immer eine kleine Badehose an. 

„Der Baulöwe“ zeigt, welche Schwierigkeiten in der DDR zu überwinden waren, um ein eigenes Haus zu bauen. Woher nahm der Autor Kurt Belicke sein Kenntnisse?

Die Geschichte ist ihm selbst passiert. Die Arbeiten an seinem Häuschen in Ahrenshoop dauerten mehr als zehn lange Jahre. Wenn Sie gesehen hätten, wie dort die Fliesen verlegt worden waren. Das hätte ich mit der linken Hand besser gemacht! Übrigens stellte uns Kurt Belicke dieses Haus für unsere Dreharbeiten zur Verfügung; dort sind die meisten Szenen entstanden. Und er brachte nicht nur dieses Haus in den Film ein, sondern auch sein altes Auto. Der Opel, der in Flammen aufgeht, gehörte ihm auch.

Im „Baulöwen“ werden ein paar DDR-typische Widrigkeiten deutlich vorgeführt. Gab es da keine Schwierigkeiten mit der Zensur?

Kritische Filme hatten in der DDR zwei unerwünschte Folgen. Zum einen konnte es passieren, dass sie gar nicht gezeigt wurden und alle Arbeit für die Katz war. Zum anderen mussten die Macher mit Konsequenzen rechnen: keine Aufträge, keine Arbeit mehr. Für mich als freischaffender Regisseur, noch dazu als Ausländer, wäre das das Ende gewesen. Auf der Premierentour wurden wir, Kurt Belicke und ich, von einem Zuschauer gefragt, warum wir aus der Geschichte kein Drama gemacht hätten. Mängelwirtschaft und Bürokratie seien doch etwas furchtbar Ernstes und überhaupt nicht zum Lachen. Wir erwiderten: Wenn wir einen ernsten Film daraus gemacht hätten, hätten Sie ihn nie zu Gesicht bekommen!

Wie reagierten die Zuschauer?

Die Premiere war wunderbar. Dann gab es ein paar negative Kritiken. Von denen fühlte sich Rolf Herricht sehr gekränkt; ich habe es ihm angemerkt, als wir uns noch einmal begegneten. Dass der Film die magische Marke von einer Million Zuschauern übertraf, erlebte er leider nicht mehr. Er starb im August 1981 auf der Bühne, nach dem letzten Vorhang. Da war er nur 53 Jahre alt.

Warum ist „Der Baulöwe“ bis heute so beliebt geblieben?

Das hat natürlich mit der Popularität von Rolf Herricht zu tun. Außerdem besitzt der Film ja etwas fast Dokumentarisches. Er vermittelt einen ziemlich genauen Einblick in den DDR-Alltag mit all seinen Tücken. Vor einiger Zeit rief mich ein Mann aus Thüringen an und sagte: Ich brauche dringend eine Videokopie des „Baulöwen“. Denn unser Chef, ein Wessi, baut sich gerade ein Haus, und wir wollen ihm zeigen, wie so was in der DDR ablief.

Bärbel Beuchler
on 26. Mai 2017

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