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Klassentreffen
Privat
Vor 60 Jahren Abitur
Das Klassentreffen von Dresden

Diese Frauen und Männer machten vor 60 Jahren in Berlin-Pankow ihr Abitur. SUPERillu war beim Treffen der Jubilare in Dresden dabei – und erfuhr, was die alten Klassenkameraden zusammenhält

Annette Hörnig
on 14. Juni 2017

Diesmal also Dresden. Klaus Köllein, 78, hat die Stadt auserkoren, weil das 60-jährige Jubiläum der Reifeprüfung etwas Besonderes ist. Da kann man schon mal drei Tage inklusive Anreise und Abfahrt veranschlagen und weiter als bis nach Brandenburg rausfahren.

Obwohl die Treffen in früheren Jahren, etwa 2009 in Potsdam oder 2010 die Fahrt zum Schiffshebewerk in Niederfinow, auch gut angenommen wurden. 2014 hatten sie in Fürstenberg 30 Kilometer auf der Draisine zurückgelegt.

Für Dresden hat sich Klaus Köllein eine Stadtrundfahrt und einen Ausflug auf die Bastei ausgedacht. Er hat alle Klassentreffen seit der Wende organisiert: „Weil es mir Spaß macht.“

Die Jungs und Mädchen der ehemaligen 12 a1, die an der Carl-von-Ossietzky-Oberschule in Berlin-Pankow 1957 ihr Abitur ablegten, sind Kriegskinder. Geboren 1939, dem Jahr, in dem Hitler-Deutschland den Zweiten Weltkrieg entfachte, die Väter Soldaten. Die Abi-Jubilare waren noch Kinder, als die DDR gegründet wurde.

Es gab engagierte FDJler unter ihnen und solche, die zur Christenlehre gingen. Manche hatten genug Geld, um in der legendären Pankower Tanzschule Schmidt-Hutten einen Kurs zu besuchen. Andere nicht. Aber gemobbt wurde keiner, sie waren freundliche Schüler.

Klassentreffen 2017
N.Kuzmanic/SUPERillu

„Und leistungsstark“, lobt ihr früherer Lehrer Dr. Jürgen Beselin, 89, der zu allen Treffen eingeladen wird und den inzwischen alle duzen. „Wir sind eine interessante Truppe, wir haben es alle zu etwas gebracht im Leben.

Es gibt einige Wissenschaftler und sogar einen Nationalpreisträger und einen Botschafter unter uns“, sagt Klaus Köllein stolz, selbst Diplom-Ingenieur. Früher habe es soziale Differenzierungen gegeben, erzählt er. „Das ist heute alles weg, es spielt keine Rolle mehr, wenn wir uns sehen.“

Der harte Kern ist nach Dresden gekommen. Drei Klassenkameraden sind bereits verstorben, andere krank oder verhindert. Sie sind jetzt zehn Leute plus die Ehe- oder Lebenspartner. „Die erweiterte Runde bietet neuen Gesprächsstoff, man sieht auch mal neue Gesichter“, sagt Klaus Köllein. Gab es damals eigentlich Liebespaare in der Klasse? „Für uns waren die älteren Jungs interessanter“, lacht Ursula Kröger, Ökonomin.

Abends am Buffet schnattern alle wild durcheinander. Jutta Krätzmann, Ökonomin, und Annedore Rehwinkel, Verlagskauffrau, sind schon seit mehr als sechs Jahrzehnten enge Freundinnen. Obwohl sich ihre Wege nach dem Abitur trennten und Annedore mit ihren Eltern, wie mehrere andere Schulfreunde, noch vor dem Mauerbau in den Westen zog, hielten sie engen Kontakt.

Als Juttas Sohn, der in der DDR kein Abi machen durfte, im September 1989 die DDR verließ, nahm ihn Annedores Familie in Nordrhein-Westfalen auf. „Das vergesse ich Anne nie“, sagt Jutta.

Eckart Herold stieß erst nach der Wende dazu. Klaus Köllein hatte ihn 2002 im Internet entdeckt, da war Herold deutscher Botschafter in Riga. Zur DDR-Zeit gab es keinen Kontakt, u. a. weil Herold in den Achtzigerjahren an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin arbeitete. Als die E-Mail mit der Einladung kam, habe er sich sehr gefreut, sagt Eckart Herold.

„Man sieht Leute wieder, die keine Freunde im eigentlichen Sinne sind, weil man sie dafür ja viel zu wenig sieht. Aber man hat volles Vertrauen und null Distanz. Das ist faszinierend“, sagt Ekkehard Liebscher, ein Physiker. „Hier muss man sich nicht verstellen. Alle wissen, wer du bist“, pflichtet Hans-Peter Warkus, ehemals Lehrer, bei. Erinnerungen werden ausgetauscht, an den Kartoffeleinsatz der Klasse im Oderbruch und den Konzertbesuch im Metropoltheater. „Unser Musiklehrer war wirklich wunderbar, am Ende der Stunde spielte er oft Rock ’n’ Roll und Jazz“, sagt Romanist Siegfried Bronsert.

Klaus Köllein brütet schon über der Planung fürs nächste Mal. Sie treffen sich jetzt jedes Jahr, so viel Zeit ist ja nicht mehr. „Mit Klaus haben wir so ein Glück“, sagt Ursula Kröger. „Der ist unser Zugpferd, der hält uns alle zusammen.“ annette.hoernig@superillu.de

Annette Hörnig
on 14. Juni 2017

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