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Karola Wille
MDR/ Martin Jehnichen
Das große Zittern um die Jobs
Verjüngung nach Intendantenwechsel beim MDR

Seit dem 1. November ist Karola Wille als neue Intendantin beim Mitteldeutschen Rundfunk im Amt. Die Juristin will das Programm vor allem jünger machen. Wer fliegt, wer darf bleiben?

Redaktion
on 9. Juni 2017

Die neuen MDR-Pläne: Seit dem 1. November ist Karola Wille, 52, als neue Intendantin beim Mitteldeutschen Rundfunk im Amt. Die Juristin will das Programm vor allem jünger machen. Das hat für viele (ältere) Moderatoren Konsequenzen. Wer fliegt, wer darf bleiben? SUPERillu klärt auf

Wenn der Mitteldeutsche Rundfunk in seine 13. Etage lädt, dann geht es immer um Dinge von übergeordneter Bedeutung. Hier, mit Blick über die Dächer von Leipzig, gab die neue Intendantin Prof. Karola Wille ihre erste Pressekonferenz, hier verabschiedete sich Gründungsintendant Prof. Udo Reiter, 67, am Montag, dem 5. Dezember, von seinen Mitarbeitern und Freunden des Hauses. Mit der Amtsübernahme von Karola Wille soll nun Schluss mit den Skandalen sein. Die neue Chefin will den Sender zukunftsfit machen - und deutlich verjüngen. Das sorgt derzeit für mächtig Unruhe ...

Der neue MDR

Es wird viele personelle Veränderungen und Neuerungen im Sendeschema geben - darüber ließ der neue Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi, 46, bereits in der ersten Pressekonferez keinen Zweifel aufkommen. Derzeit werde mit Produzenten und Moderatoren der betreffenden Sendungen gesprochen, hieß es. Am 9. Dezember soll es eine Presse-Runde zur Neuausrichtung des Programms geben. Unter dem Motto „MDR 2012: Was erwartet die Zuschauerinnen und Zuschauer? Was kommt, was bleibt, was geht? Welche Programmhöhepunkte stehen an, welche Schwerpunkte werden gesetzt?“

Die Streichliste

Auf der MDR-Website ist es nachzulesen: In Zukunft müsse man Prioritäten setzen, welche Projekte und Sendungen für den MDR wichtig seien und welche nicht. Bis 2016 werden die Rücklagen des MDR aufgebraucht sein. Zusätzlich muss der Sender bis dahin 48 Millionen Euro sparen. SUPERillu nennt die Ersten, die dem Rotstift bzw. der Verjüngungskur zum Opfer fallen: Petra Kusch-Lücks Sendung „Alles Gute“ und Hans-Joachim Wolframs „Außenseiter-Spitzenreiter“ sind ebenso betroffen wie „Café Trend“ mit Katrin Huß oder die „Wernesgrüner Musikantenschenke“. Letztere, moderiert von Manuela Wolf und Reinhard Mirmseker, war über 20 Jahre im MDR-Programm. Die Einstellung der Sendung (die Live-Shows in Wernesgrün laufen weiter!) war für die Moderatoren und Mitarbeiter ein Schock.

Produzent Hansjoachim Seiferth zu SUPERillu: „Wir hatten bisher noch keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, weil wir gerade die 'Große Herbert-Roth-Preis-Gala' in Suhl für den 16.12. und 'Die goldenen Hits der Weihnacht' für den 2.12. im MDR-Programm produziert haben. Da es noch weitere Absetzungen von Unterhaltungssendungen geben wird, will sich der MDR irgendwann dazu komplett äußern. Ich konnte allerdings nicht länger warten, weil ich bei Mitarbeiterverträgen, Hallenbuchung, Hotelbuchungen und Künstlerverträgen meine Optionszeit bis zum 11.11.2011 überschritten hätte. Das wäre teuer geworden.“

Das Absetzen der Sendereihe betrifft 60 freie Mitarbeiter, Schwesterfirmen des MDR und in der Infrastruktur mehrere Hotels im Vogtland und in Plauen.

Auch TV-Urgestein Hans-Joachim Wolfram klingt verbittert im SUPERillu-Interview: „Ich wollte 40 Jahre TV im Juni 2012 vollmachen, aber dann hatte ich erst ein Gespräch mit dem neuen MDR-Fernsehdirektor und eine Woche später kam ein Brief, der das Aus für meine Sendung beinhaltete. Ich musste allen Angestellten kündigen. Der MDR lässt mich ganz schön im Stich, denn ich habe ein halbes Jahr Kündigungsfrist bei meinen Festangestellten, die länger als zehn Jahre für mich arbeiten. Jetzt weiß ich nicht, wie ich das machen soll. Und was aus meiner Tochter (Co-Moderatorin, d. Red.)wird. Schließlich läuft die letzte Sendung schon am 14. Dezember.“

Nur vier Tage später geht auch „Alles Gute“ zum letzten Mal über den Bildschirm. Petra-Kusch Lück sieht's gelassen: „Dass eine Sendung irgendwann ein Ende findet, ist normal. Ich hatte mit ihr 15 wunderschöne Jahre und hätte gern noch zwei weitere - bis zu meinem 65. Geburtstag - drangehängt, aber gut.“ Sie soll laut TV-Chef Jacobi aber eine neue Sendung bekommen: „Über 30 000 Mal hieß es 'Alles Gute'. Die Anzahl der Zuschauerbriefe hat die Millionengrenze überstiegen. Nun möchten wir etwas Neues zur gleichen Sendezeit anbieten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer bleiben der Mittelpunkt der Sendung, das ist sicher. Petra Kusch-Lück bleibt dem MDR als Moderatorin erhalten - unter anderem präsentiert sie die Gala zum Muttertag im Mai 2012.“

Das große Zittern

Dass weitere Moderatoren und Formate gekippt oder verändert werden, steht außer Frage. Beim quotenschwachen „Kino Royal“ mit Else Buschheuer soll es zwar auch 2012 weitergehen, einen neuen Vertrag hat die Moderatorin allerdings noch nicht. Auch Janine Strahl-Oesterreich („Donnerwetter“) blickt in eine ungewissen Zukunft. Strahl-Oesterreich: „Nach der Umstrukturierung sind für 2012 erst einmal vier Folgen geplant. Das steht fest. Wie es dann weitergeht, ist noch offen.“ Selbst beim Unterhaltungsflaggschiff „Riverboat“ stehen die Zeichen auf Sturm. Die Möglichkeit, dass zukünftig nur noch zwei statt drei Moderatoren talken, wird nach SUPERillu-Informationen derzeit geprüft. Das „Duo-Modell“ hat der Sender ja bereits während der Babypause von Moderatorin Mareile Höppner getestet ...

Junge Gesichter

Lediglich mit Florian Silbereisen hat der MDR einen jungen Top-Moderator im Portfolio, der regelmäßig Quoten zwischen fünf und sechs Millionen erreicht. Er muss ebenso wenig um seine Zukunft beim Sender bangen wie Freundin Helene Fischer, die mit einer eigenen Weihnachts-Sendung (Helene Fischer Show) noch in diesem Jahr an den Start geht. Dass ein jüngeres Programm aber nicht vor Konsequenzen schützt, zeigt die Absetzung von "Café Trend" mit Katrin Huß. Die Moderatorin zu SUPERillu: "Die ganze Redaktion ist traurig und auch verständnislos. Unsere Sendung war modern und hat die jungen Zuschauer angesprochen, genau das soll ja nun verstärkt passieren. Eine Erklärung ist man uns aber noch schuldig."

Fohts Nachfolger

Verjüngen, verschlanken, moderner werden - was beim MDR noch alles passiert, wird die Zukunft zeigen. Entscheidenden Einfluss darauf wird der neue Unterhaltungschef haben. Seit der Suspendierung von Udo Foht wegen dubioser Finanzaktionen ist der Posten vakant. Als Favorit für die Nachfolge gilt Alexander Semjow, 45. Der Ost-Berliner ist seit 2002 beim MDR und verantwortet u. a. den Bambi, die Carreras-Gala und die Helene Fischer Show. Semjow kennt Jacobi seit 2003, als er mit ihm im Landesfunkhaus zusammengearbeitet hat.

Redaktion
on 9. Juni 2017

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