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Familie Agic-Hodzic
Nikola Kuzmanic/SUPERillu
Bosnien-Flüchtlinge von 1992
„Wir sagen Deutschland Danke!“

Diese Familie floh 1992 vor dem Bosnienkrieg nach Deutschland , lebt heute wieder in ihrer Heimat. Bilanz einer Flüchtlingskrise vor 25 Jahren, die man kennen sollte, wenn man heute über Flüchtlinge diskutiert

Gerald Praschl
on 11. August 2017
Mithat Hodzic aus Bosnien-Herzegowina
Nikola Kuzmanic/SUPERillu

Mithat Hodzic saß ein Jahr in einem serbischen Lager, nach seiner Befreiung lebte er mit seiner Ehefrau Meliha und Sohn Adnan bis 1997 in Berlin. "Ich erlebte Deutschland wie ein Paradies. Trotzdem wollte ich schnell nach Hause", sagt er.

Es ist eine Familie bosnischer Muslime, die damals vor einem Völkermord floh. Im Bürgerkrieg zwischen Serben und ­Muslimen begannen serbische Kämpfer 1992 Muslime syste­matisch mit Verhaftungslisten in der Hand aus ihren Häusern in Lager zu verschleppen – und viele von ihnen dort zu ermorden.

Am bekanntesten wurde das Massaker von Srebrenica, bei dem 7 000 bosnische Muslime von Serben-General Ratko ­Mladic exekutiert wurden. In der nur 20 Kilometer von Srebrenica entfernten Heimatstadt der Familie Agic-Hodzic war Ähnliches passiert.

Bruder Muhamed und Vater Rasim Agic waren zwei der 3 000 Muslime aus Vlasenica, die dem dortigen Massenmord zum Opfer fielen. Sie wollten, wie die ganze Familie, mit dem Bürgerkrieg nichts zu tun haben und saßen friedlich zu Hause, als die Häscher kamen. Auch Mithat Hodzic holten sie ab, aber er wurde vom Roten Kreuz gerettet und kam 1993 ausgezehrt, aber lebend in Berlin an, wo die Familie Zuflucht fand. „Nach einem Jahr im Lager erschien mir Deutschland wie das Paradies“, sagt Mithat heute. „Es waren für uns schwere Jahre, aber in erster Linie sind wir den Deutschen sehr dankbar, dass sie uns aufgenommen haben“, meint seine Frau Meliha.

Bosnische Fluechtlinge
N.Kuzmanic/SUPERillu

Sarajewo heute

Der Flüchtlingsstatus war nach Kriegsende abgelaufen. Anderweitige legale Möglichkeiten auf Einwanderung gab (und gibt es bis heute) in so einem Fall nicht, obwohl die Familie bestens in­­tegriert war. „Wir haben legal in Deutschland gearbeitet, unsere Miete und auch Steuern bezahlt, aber am Ende hieß es trotzdem, dass wir gehen sollen. Für uns war das damals bitter und demütigend. Aber heute, 14 Jahre später, sind wir der Meinung, dass es gut war, dass wir zurückgingen“, sagt Vater Nijaz dazu.

Die Familie bekam ihr Haus in Vlasenica zurück. In der nahen Großstadt Sarajevo baute sich der Textilingenieur eine neue Existenz auf. Heute vertreibt er u. a. Hoteltextilien und Spezialkleidung an Großkunden. Ehefrau Lala bekam wieder einen Job als Physiotherapeutin.

Gerald Praschl
on 11. August 2017

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