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 Gerrit Crummenerl
A. Jungnickel/SUPERillu
Alte Ost-Autos sind Kult
Der Junge mit dem Lada

Aus seiner Liebe zu Lada hat der Sachse Gerrit Crummenerl ein Geschäft gemacht. Er verkauft alte Ost-PKWs, die heute viel wert sind

Redaktion
on 12. Juni 2017

Der orangefarbene Lada 1200 war sein „Kinderzimmer“, ganze Sommer hat Gerrit Crummenerl in ihm verbracht. „Meine Eltern waren Bulgarien-Fans. Wir fuhren jedes Jahr tausende Kilometer umher. Wenn ich heute einen gut erhaltenen Lada verkaufe, werde ich immer sentimental.“

Der gelernte Kfz-Schrauber betreibt in Brandis bei Leipzig ein Autohaus der besonderen Art: Er handelt mit alten Ost-Mobilen. Lada, Dacia und Škoda stehen auf seinem Hof in Reih und Glied, warten auf ihre Käufer.

Augenweide. Die Erkenntnis, dass diese Fahrzeuge etwas wert sind, verdankt er seinem Großvater, der ihm einen Wartburg 353 vermachte. „Ich hielt ihn für einen wertlosen Zweitakter – bis ich bei einer Oldtimer-Rallye mitfuhr. Die ehrwürdigen Daimler rissen keinen vom Hocker, aber mein Wabu war der Hit.“

Gerrit Crummenerl
A. Jungnickel/SUPERillu

Gerrit Crummenerl als 9-Jähriger mit dem 78er-Lada 1200 seiner Eltern.

Für sein Unternehmen hat sich Crummenerl einen geschichtsträchtigen Namen ausgesucht: Genex. So hieß die Firma, über die DDR-Bürger ohne jahrelange Wartezeit ein Auto (oder auch andere in der DDR hergestellte Waren) bekamen. Sie brauchten nur Westverwandte, die per Katalog bestellten und in harter D-Mark zahlten. Mit dieser Schieberei versorgte sich die klamme DDR mit Devisen und ihre Bürger erhielten Pkws, auf die sie statt 14 Jahre nur sechs Wochen warten mussten …

Gerrit Crummenerl
A. Jungnickel/SUPERillu

Gerrit war schon als Junge Autofan. Der Lada (sowjetische Fiat-Lizenz) kostete in der DDR rund 25 000 Mark

Wertzuwachs. Heute können die Kunden sofort von Crummenerls Hof fahren. Vorausgesetzt, sie haben das nötige Kleingeld. Denn die Zeiten, in denen man ein Ost-Auto gegen einen Kasten Bier eintauschen konnte, sind längst vorbei. Rund 10 000 Euro kostet heute ein gepflegter Wolga. Nachschubprobleme? Nein! Viele DDR-Bürger, die kurz vor der Wende noch einen Pkw ergattert hatten, brachten es nicht fertig, ihn wenig später für ein paar D-Mark zu verschleudern. Lieber motteten sie die Autos ein – in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Katalog von Genex
A. Jungnickel/SUPERillu

Katalog von Genex (Abkürzung für Geschenkdienst und Kleinexport GmbH)

Kult. Die scheinen nun gekommen zu sein. Denn Stück für Stück tauchen die alten Karossen wieder auf - und finden ihre Käufer. Nicht zuletzt deshalb, weil nun genügend ostdeutsche Jungs in einem Alter sind, in dem sie es sich  leisten können, sich einen kultigen Zweitakter als Zweitwagen in die Garage zu stellen. Crummenerl: „Diese Autos sind zwar nicht die schnellsten, aber sie haben so eine tolle Ausstrahlung. Auf ihre altmodische Art sind sie doch alle echte Augenweiden!“

Verkaufsraum Genex
A. Jungnickel/SUPERillu

Crummenerls Verkaufsraum in Leipzig

Redaktion
on 12. Juni 2017

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