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Beisetzung des Schauspielers Ezard Haussmann
J. Weyrich/SUPERillu
Abschied von Ezard Haußmann
Ezard Haußmann: So tapfer - aber der Krebs war stärker

Ezard Haußmann hat einen bewundernswerten Kampf gegen seinen Hirntumor geführt und nun verloren. Er gehörte zu den bedeutendsten DDR-Schauspielern

Redaktion
on 31. Mai 2017

Auf der Bühne hat ihn der Tod schon mehr als hundert Mal geholt - als Ezard Haußmann im Berliner Dom Anfang der 90er-Jahre als „Jedermann“ brillierte. Ein Spiel, bei dem er sich nach jeder Vorstellung strahlend vor dem Publikum verbeugte. Nun ist für den Schauspieler der Vorhang auf der Bühne des Lebens gefallen. Am 6. November hat der Tod den 75-Jährigen auch hier besiegt. Er erlag einem aggressiven, nicht aufzuhaltenden Hirntumor.

Die Krankheit

Er ist ruhig in die andere Welt gegangen. Ezard Haußmann glaubte an Gott und spürte die Wärme seiner Lieben auf diesem Weg. Die Familie war bei ihm, seine Frau Doris, seine Kinder Iris und Leander, die Enkel. „Mein Vater ist sanft entschlafen, nach langem Kampf“, sagt der Regisseur und Schauspieler Leander Haußmann. Es war vor anderthalb Jahren. Ein paar Tage vor dem Ende der Dreharbeiten zu Leanders Kinokomödie „Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!“ bemerkte er, dass mit seinem Vater etwas nicht stimmte. Er war „trübsinnig, unleidlich und ungesellig, touchierte andere Autos, kippte beim Treppensteigen zur Seite.“ Der Neurologe diagnostizierte einen bösartigen Hirntumor. Am 1. Juli 2009 wurde Ezard Haußmann operiert und hatte die große Hoffnung, Chemotherapie, Bestrahlung und Tabletten würden die heimtückische Geschwulst ausrotten. Aber sie wuchs nach. Am 30. Januar 2010 musste er wieder unters Messer. Alles begann von vorn. Der 74-Jährige kämpfte erneut um sein Leben. Seine Frau Doris, mit der er seit 1956 verheiratet war, war seine große Stütze. Sie hat ihn liebevoll gepflegt. Er feierte am 10. Februar seinen 75. Geburtstag. Als SUPERillu ihn besuchte, war er schwer gezeichnet von Krankheit, Bestrahlung und Chemotherapie.

Angst

Beisetzung von Ezard Haussmann
J. Weyrich/SUPERillu

Leander Haußmann (mit Brille) war einer der sechs Sargträger

Ezard Haußmann machte sich keine Illusionen über seinen Zustand. „Wenn ein zweiter Tumor kommen kann, kann es auch einen dritten, einen vierten und fünften geben. Ich habe einen Tumorkrebs, an dem ich früher oder später sterbe.“ In seiner Stimme schwangen damals im Februar Verzweiflung und Hoffnung mit. Er sprach von seiner Angst, die er nicht vor dem Tod selbst hatte. „Das Leben ist nur ein Moment, der Tod ist auch nur einer“, zitierte er Goethe und fuhr fort: „Doch er vergisst, was dazwischen ist: das Sterben. Davor habe ich Angst. Ich bin 75 Jahre alt geworden, das ist eigentlich genug. Ich habe ein schönes Leben gehabt. Trotzdem frage ich, was alle Kranken fragen: Warum ich?!“ Ezard Haußmann erlebte noch den Frühling, den Sommer und den goldenen Herbst in seinem Haus in Berlin-Köpenick und war dankbar dafür. „Das ist für mich ein Geschenk Gottes“, sagte er. In einer Inszenierung seines Sohnes Leander wollte er noch den König Lear spielen. „Aber es macht keinen Sinn, solche Wünsche zu äußern. Die Hauptsache ist doch die unglaubliche Liebe, die ich von meiner Familie bekomme.“ Diese Liebe ließ ihn auch den Gedanken an Selbstmord verwerfen. Seit 25 Jahren war Ezard Haußmann Mitglied der Gesellschaft für humanes Sterben. Seine Strategie: „Ich denke nicht an den Tumor in meinem Kopf und lege alles in Gottes Hand.“

Rückblick

Der Weg zur Bühne wurde Ezard Haußmann eigentlich in die Wiege gelegt. Sein Vater war Filmschauspieler, seine Mutter eine bekannte Sopranistin und Opernsängerin, die Großmutter Schriftstellerin und der legendäre UFA-Star Viktor de Kowa sein Taufpate. Ezard Haußmann wuchs am Bodensee in der Nähe von Lindau auf und besuchte später eine Klosterschule in der Schweiz. Mit sechzehn Jahren verließ er die Schule und begann zunächst in München eine Ausbildung zum Koch, arbeitete als Knecht bei Bauern. Am Landestheater Detmold begann sein Weg auf die Bühne - als Statist.

Karriere

Das erste richtige Engagement erhielt er in Wittenberg, nachdem er in den 50ern mit den Eltern in die DDR übergesiedelt war. 1958 machte er sein Schauspieldiplom an der Ernst-Busch-Hochschule in Berlin, 1961 kam er ans Deutsche Theater. Rasch avancierte Haußmann mit klassischen und modernen Figuren zu einem der bedeutendsten Schauspieler in der DDR und wandelte sich vom jugendlichen Helden zum Charakterdarsteller. Eingeprägt hat er sich vor und nach der Wende in der Titelgestalt von Molières „Der Geizige“. Eine enge Symbiose entwickelt sich in den 90ern mit seinem Sohn Leander. Unter seiner Regie spielte Ezard Haußmann viele Film- und Theaterrollen, wie den Philipp in „Don Carlos“ am Berliner Schiller Theater. Ein letzter gemeinsamer Erfolg gelang den beiden Künstlern 2009 mit der Senioren-Komödie „Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!“, für die sie im Februar 2010 mit dem Ernst-Lubitsch-Preis geehrt wurden. Schauspielerin Nadja Tiller erinnert sich gern an die Dreharbeiten. „Dass wir so viel Spaß hatten, lag sicher zu einem großen Teil an Ezard Haußmann. Er ist ein außergewöhnlicher Mensch und als Kollege fantastisch“, sagte sie einmal in einem Interview mit SUPERillu. Er hatte gehofft, dass ihm der Herrgott noch ein paar Jahre schenkt. Es sind nur Monate geworden. Seine Familie hat einen geliebten Menschen verloren, Film und Bühne einen großartigen Schauspieler

Redaktion
on 31. Mai 2017

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